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Barrierefrei durch die Funkelstadt - 125.000 Euro fü einen behindertenfreundlichen Zugang

Barrierefrei durch die Funkelstadt - 125.000 Euro fü einen behindertenfreundlichen Zugang

"Als ich diese Veranstaltung geplant habe, war schon zu Beginn klar, dass ich sie behindertenfreundlich gestalten möchte", erinnert sich Dirk Grünig, der am 25. November zum ersten Mal die Tore seiner Funkelstadt auf der Cockerwiese öffnen wird (DNN berichteten).

Von Christin Grödel

Grünig hat 20 Jahre Erfahrung im internationalen Veranstaltungszirkus und sich schon früh abgeguckt, wo andere Fehler machen. So ganz allein wollte er die Aufgabe aber nicht stemmen und hat sich Hilfe in Person von Frank Sperling ins Boot geholt.

Sperling leidet an Kinderlähmung, seit 2002 sitzt er im Rollstuhl. Zu der Zusammenarbeit mit dem Funkelstadt-Chef kam es durch einen Zufall. Eine Verwandte des 60-Jährigen arbeitet als Tischlerin im Unternehmen Grünigs im sächsischen Lichtenstein. Dort kam es dann zur Begegnung der beiden, die Früchte trug. Grünig erzählte von seinem Projekt, einer großen Winter-Märchen-Weihnachtswelt, und Sperling war sofort Feuer und Flamme.

Der Rollstuhlfahrer weiß, wovon er spricht. 25 Jahre hat er als Regieassistent im Schauspielhaus gearbeitet, kennt sich mit dem Organisieren von Veranstaltungen also aus. 2006 war er anlässlich der 800-Jahr-Feier in Dresden außerdem Teil der Projektgruppe "Dresden feiert barrierefrei" und hat so verschiedene Veranstaltungsorte hinsichtlich ihrer Behindertenfreundlichkeit unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis war kein positives. "Kaum einer denkt bei der Planung eines Ge- bäudes oder einer Veranstaltung an Behinderte, auch staatliche Einrichtungen nicht. Umso glücklicher bin ich mit der Herangehensweise von Dirk Grünig in der Funkelstadt", erklärt der 60-Jährige.

Aber diese Herangehensweise geht ins Geld, das verhehlt Grünig nicht. Insgesamt 125 000 Euro hat er allein in die Barrierefreiheit investiert. Überall auf dem Gelände gibt es Rampen, zwei Behinderten-WC stehen zur Verfügung, die sonst immer für Hindernisse sorgenden Kabel wurden mit Hilfe von Torbögen über den Köpfen der Besucher verlegt, ein Kassenhäuschen wird gerade umgebaut und alle Händlerstände in den Zelten sind befahrbar. Nach dem Hinweis von Frank Sperling musste der eigentlich geplante Untergrund aus Rindenmulch im Märchenwald durch einen Holzboden ersetzt werden.

Auch das Auslegen des gesamten Geländes - immerhin 15 000 Quadratmeter - mit Matten, die den Rasen schützen sollen, machte neue Investitionen nötig. "Das hatte ich der Stadt versprochen. Eigentlich wollte dafür Reitplatzmatten ausleihen. Aber die sind für Rollstuhlfahrer nur schwer passierbar", erzählt Grünig. Also entschied er sich für den Kauf einer teureren Variante aus Großbritannien - für 60 000 Euro.

"Entweder man macht es richtig oder man lässt es eben. Ich möchte eine Veranstaltung für alle Menschen, also habe ich mich auch um alle zu kümmern", sagt der Funkelstadt-Chef und hat sich damit den Respekt von Frank Sperling verdient. "Diese Selbstverständlichkeit, mit der Dirk an die Sache rangegangen ist, hab ich vorher noch nie erlebt. Alle in diesem Projekt sind für das Thema sensibilisiert. Das ist eine Frage der Unternehmensführung", zeigt sich Sperling beeindruckt.

Quelle: www.1000funkel.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2011

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