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Auf dem E-Wheel durch Dresden

wackelige Angelegenheit Auf dem E-Wheel durch Dresden

DNN-Mitarbeiterin Jule Just testet das elektronische Einradfahren. Für das Fortbewegungsmittel der Zukunft braucht man vor allem einen guten Gleichgewichtssinn.

Das Einrad ist mit einem Elektromotor, zwei Pedalen, einem BRems- und einem Vorderlicht versehen.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Es ist fast, als wäre ich in die Zukunft gereist. An einem sommerlichen Tag treffe ich mich im Großen Garten mit zwei jungen Herren. Geisterhaft scheinen sie zu schweben. Unter ihren Füßen haben sie ein kleines Gerät, das sie schnell voranbringt. Wo die Einradpioniere Mark Apitz und Stefan Dannfald auftauchen, sind ihnen die Blicke der Passanten sicher. Elektrische Einräder, sogenannte E-Wheels, haben es den beiden Dresdnern angetan. Um das moderne Gerät zu testen, begebe ich mich also auf eine Reise in die Zukunft.

Woraus dieses futuristisch angehauchte Gerät besteht, erklärt mir Mark: „Das Einrad ist mit einem Elektromotor, zwei Pedalen, einem Brems- und einem Vorderlicht sowie einen Griff versehen.“ Bis zu 14 Kilogramm wiegen die runden Geräte, die den Fahrer geräuscharm und schadstofflos von A nach B bringen. Betrachter sollten sich jedoch nicht von der Größe täuschen lassen: die kleinen Flitzer können Geschwindigkeiten bis zu 30 Kilometern pro Stunde erreichen. Versehen sind sie mit einem aufladbaren Akku, das den Fahrer bis zu 80 Kilometer weit bringt.

Nach dieser, zugegeben angsteinflößenden Einführung geht es an den Test der motorisierten Einräder. Das Prinzip klingt einfach: Das Gerät bewegt sich durch Gewichtsverlagerung. Beuge ich mich also nach vorn, transportiert es mich je nach Intensität auch in diese Richtung. In der Gegenrichtung das gleiche Prinzip. Doch so weit bin ich noch nicht.

Erste Hürde: Das Aufsteigen. Der linke Fuß steht auf der Pedale des Geräts, der rechte im Ausfallschritt auf dem Asphalt. Während Mark mich hält, erklärt er: „Du musst jetzt Mut haben und den rechten Fuß zügig auf das Pedal stellen, denn das Gerät bewegt sich direkt.“ Nach einigen Fehlversuchen und Angstkratzern an der Schulter des Einradpioniers stehe ich auf dem Gerät.

E-Wheels sind das Fortbewegungsmittel der Zukunft, da sind sich die beiden 33-Jährigen sicher. „In einem modernen Stadtbild gehören die Einräder für uns dazu“, sagen die Dresdner. Seit vier Jahren existieren E-Wheels. Sie sind eine Weiterentwicklung der sogenannten Segways, die mit zwei Rädern und einer Lenkstange verstehen sind. Für Anfänger gibt es auch bei den Einrädern Zubehör wie Stützräder oder Haltegurte. Oder man schnappt sich einen der Einradpioniere und krallt sich an dessen Arm fest.

Genau so handhabe ich es zumindest. Inzwischen stehe ich auf dem Gerät – und das fühlt sich sehr wackelig an. Meine Knie scheinen ein Eigenleben zu führen. „Das ist ganz normal“, erklärt mir Stefan vom sicheren Boden aus. „Dein Kopf muss erst einmal verstehen, was er nun tun soll.“ Ein Balanceakt steht bevor. Vorsichtig verlagere ich mein Gewicht nach vorn und tatsächlich bewegt sich das kleine Gerät mit mir. Mit zunehmender Geschwindigkeit merke ich, wie das E-Wheel stabiler wird. Es ist wie die Faustregel beim ersten, wackeligen Radfahren ohne Stützräder: Stabilität durch Geschwindigkeit.

In Paris sind die beiden Dresdner im Jahr 2014 auf das futuristische Gerät aufmerksam geworden. „Wir haben uns sofort dafür begeistert“, erinnert sich Stefan. Sie legten sich ein solches Gerät zu und brachten sich ohne fremde Hilfe das Fahren bei. „Uns kam die Idee, das E-Wheel nach Dresden zu holen“, so Mark Apitz. Seit dem Sommer des vergangenen Jahres sind die beiden offizielle Händler der Geräte und geben auch Fahrschulstunden. „Unser Grundsatz: Wir verkaufen kein Gerät, das wir nicht selbst getestet haben“, so Stefan Dannfald. Preislich sind die Flitzer ab 800 Euro zu haben. Je nach Leistung des Motors oder Akkus und mit allerhand Extras, die der Markt zu bieten hat, kann das E-Wheel jedoch auch zum teuren Luxusgerät werden.

Nach einigen Runden an der Hand von Mark oder Stefan werde ich immer mutiger. Teilweise müssen die Einradpioniere neben mir rennen, weil meine Lust nach Geschwindigkeit immer größer wird. Trotzdem – ohne eine helfende Hand würde ich mich wahrscheinlich noch nicht allein trauen, mit dem schnellen Gerät zu fahren. Ich spüre, dass das Fahren vor allem für die Beinpartien nach gewisser Zeit anstrengend wird, da diese immer die Balance halten müssen. „Die E-Wheels sind Training für Bauch, Beine und Po. Perfekt also für Frauen“, sagt Mark lachend.

„Erfahrungsgemäß haben Anfänger, die bereits snowboarden, skifahren oder inlineskaten den Dreh für das E-Wheel schneller raus“, berichtet Stefan. Doch die beiden hätten bisher jedem das Fahren auf den Einrädern beigebracht. Dabei gibt es kaum Altersbegrenzungen. „Wer bis ins hohe Alter fit ist, kann das Gerät nutzen“, so Mark. So habe ein 83-Jähriger es sich bei der Dresdner Messe fit+vital nicht nehmen lassen, die Flitzer auszuprobieren.

Die Probestunde neigt sich dem Ende und die Anstrengung weicht der Konzentration. Beim Absteigen helfen mir Mark und Stefan. Ähnlich wie beim Aufsteigen wird ein Fuß abgesetzt und das Gerät festgehalten. Ich freue mich, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und an den morgigen Muskelkater will ich noch nicht denken.

Der Untergrund ist beim E-Wheel nicht entscheidend. Ob Asphalt, Waldboden oder über Stock und Stein – die Elektro-Einräder sind flexibel einsetzbar. Doch nicht nur als Sportgerät, auch praktisch können E-Wheels eingesetzt werden. So können Unternehmensmitarbeiter weitere Arbeitswege auf großen Firmengeländen schnell zurücklegen. Die Gartenarbeit lässt sich ebenfalls mit den Flitzern verbinden. In der Straßenverkehrsordnung haben E-Wheels noch keine festgelegte Regelung. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. „Die Frage ist nur, wann und in welcher Form die E-Wheels zugelassen werden“, erklärt Mark. Dabei geht die Sicherheit der Fahrer sowie der anderen Verkehrsteilnehmer grundsätzlich vor.

Fazit der Probefahrt mit dem E-Wheel: Auch wenn die ersten zaglichen Fahrversuche noch wackelig sind, stellt sich der Fahrspaß schnell ein. Das Reisen mit den Flitzern ist eine schöne Alternative zum Sightseeing per pedes oder für einen Ausflug ins Grüne. Nachdem wir uns verabschiedet haben, gleiten die Einradpioniere wieder davon. Ich sehe ihnen nach, bis sie um eine Kurve verschwunden sind. Da schwebt sie hin, meine eintägige Reise in die Zukunft.

Die Einradpioniere sind bei Interesse zu den Geräten oder Probefahrten per E-Mail an info@einradpioniere.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.einradpioniere.de oder unter www.facebook.com/einradpioniere.

Von Juliane Just

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