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50 Jahre Elysee-Vertrag: Ganz persönliche Eindrücke einer in Dresden lebenden Französin

50 Jahre Elysee-Vertrag: Ganz persönliche Eindrücke einer in Dresden lebenden Französin

27 Jahre ist Perrine Deruelles jung, in der Alpenstadt Annecy in Frankreich geboren. Schon seit dem Abitur wollte sie - angeregt durch ein Foto in einem Geschichte-Lehrbuch - nach Dresden.

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Perrine Deruelles stammt aus Annecy und findet, dass es in Dresden sehr viel lockerer zugeht als in Frankreich.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Ich hatte immer die Altstadt-Silhouette im Kopf." Im Sommer 2008 bewarb sie sich erfolgreich beim Institut français in der sächsischen Landeshauptstadt um ein dreimonatiges Praktikum. Ziel war zunächst nur, die Deutschkenntnisse zu verbessern. Doch nach Abschluss ihres Politikwissenschaftsstudiums in Toulouse kehrte sie dann nach Dresden zurück. Für immer, wenn es nach Perrine geht. Denn hier fühlt sich die Französin zu Hause. "Ich bin wirklich verliebt in Dresden."

Nach einer Zeit in Wohngemeinschaften, einem weiteren Praktikum, der Arbeit im Verein "Europa Direkt", Gelegenheitsjobs, einer Reise durch Deutschland und Arbeitslosigkeit ist sie jetzt angekommen. Beruflich wie privat. Seit September hat sie einen Job im Planungs- und Projektierungsbüro Ipro in Dresden. Mit ihrem deutschen Freund, einem Soziologen, wohnt sie in der Neustadt.

"In Dresden bleibt man länger jung", findet die Französin, denn hier sei es viel lockerer als in Frankreich. "Dort studiert man, sucht sich einen Job, gründet eine Familie und es ist vorbei mit der Jugend. Wohngemeinschaften wie hier gibt es in Frankreich so gut wie gar nicht. Zudem ist es nicht üblich, dass man während des Studiums Kinder bekommt. Hier schon." Familien mit Kindern, Paare und Singles - es vermische sich mehr.

Dem Klischee der Pariserin - immer en vogue gekleidet und bei Wind und Wetter mit Highheels - will die Französin Perrine nicht entsprechen. "Man kann hier machen, was man will, und sich kleiden wie man will, ohne dass es jemanden interessiert. In der Neustadt kann ich sogar im Pyjama beim Bäcker um die Ecke Brötchen holen. Na gut, mit einem Mantel drüber."

Begeistert ist Perrine von der Adventszeit in Dresden, die sei einzigartig. "Alles ist wunderschön geschmückt, überall gibt es Weihnachtsmärkte. Ich hab' mir jetzt eine kleine Pyramide und ein Räuchermännchen gekauft." Auch Schnee sei in Dresden nicht schlimm. "Hier lebt man mit dem Winter, fährt mitten in der Stadt Ski. In Toulouse friert man und wartet auf den Frühling." Wunderbar findet sie ebenso die Öffnungszeiten der Geschäfte. "In Frankreich ist von 12 bis 14 Uhr Mittagspause. Hier ist immer alles auf." Das habe jedoch einen Nachteil: "Die Deutschen nehmen sich zu wenig Zeit zum Essen."

Natürlich gibt es neben Familie und Freunden auch einiges, was die Französin in Deutschland vermisst. "Die vielen verschiedenen Käsesorten zum Beispiel und gutes Rindfleisch. Da muss man schon ganz schön suchen." Auch bei den Joghurts sei die Auswahl in Frankreich noch vielfältiger und vor allem gebe es kleinere Portionen. Zudem könnten ihrer Ansicht nach noch viel mehr kleine, schicke und trotzdem günstige Restaurants entstehen. Und Cafés, die schon früh geöffnet haben. "Vor der Arbeit an der Theke einen Espresso trinken und dann zur Arbeit gehen, das macht man hier irgendwie nicht", bedauert die 27-Jährige.

Obwohl die kulturellen Unterschiede zwischen Franzosen und Deutschen nicht groß sind, gab es im Detail doch einiges, worüber die Französin in Dresden erst mal "gestolpert" ist. Zum Beispiel dass Fußgänger hier geduldig an einer roten Ampel stehen bleiben und auf Grün warten, auch wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist.

Dass man sich in Dresden im Restaurant in der Regel nicht vom Kellner platzieren lässt, sondern sich einfach dorthin setzt, wo man will, weiß sie jetzt. Und auch wie man Trinkgeld gibt. "In Frankreich lässt man einfach Kleingeld auf dem Tisch liegen, wenn man geht. Hier muss man beim Bezahlen aufpassen, wann man Danke sagt." Das hat sie gleich zu Beginn in Dresden gelernt, als sie beim Bezahlen spontan "Danke" zu einem Kellner sagte und ihm so unbewusst vier Euro Trinkgeld für einen 1-Euro-Kaffee gab.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2013

Steinbach, Catrin

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