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110 Jahre Kesselsdorfer Straße: Gewerbeverein organisiert ein großes Fest mit historischem Umzug

110 Jahre Kesselsdorfer Straße: Gewerbeverein organisiert ein großes Fest mit historischem Umzug

"Gott sei Dank. Bei Ihnen gibt es endlich mal etwas, das es nicht überall gibt." Diesen Satz hört Kerstin Reck öfter mal von ihren Kundinnen. Sie ist Inhaberin des Bekleidungsgeschäftes "ggPrezzo" an der Kesselsdorfer Straße 39 in Löbtau und verkauft ausgefallene Damenmode.

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Über 120 Geschäfte gibt es entlang der Kesselsdorfer Straße in Löbtau. Die Einzelhändler müssen sich gegen die großen Einkaufszentren in der Innenstadt und die Billigangebote im Internet behaupten. Nicht allen gelingt das. Andere bestehen schon seit 100 Jahren und sind so alt wie die Straße selbst.

Quelle: Dietrich Flechtner

Teils entwirft und näht Kerstin Reck selbst, vor allem Kleider. Nach fünf Jahren auf der "Kellei", wie die Gewerbetreibenden ihre Einkaufsstraße nennen, läuft das Geschäft recht gut. "Bis nach Freital und Meißen reicht mein Kundenstamm", sagt die Designerin.

Leicht hat sie es keineswegs. Wie so viele Einzelhändler in den Dresdner Vierteln spürt auch sie die harte Konkurrenz durch die großen Shoppingcenter im Zentrum und an der Autobahn. Dazu kommt noch das Internet als Einkaufsalternative. Man müsse für die Leute immer am Ball bleiben, sagt die Designerin, die zum Beispiel neue Kollektionen mit Modenschauen in ihrem Laden vorstellt. "Mit einem Acht-Stunden-Tag ist es da nicht getan."

Über 120 Geschäfte gibt es auf der "Kesselsdorfer", überschlägt Karin Woittennek die Anzahl der hier ansässigen Einzelhändler. Die 67-Jährige arbeitet seit zwölf Jahren als Geschäftsstraßen-Managerin für den "Gewerbeverein Kesselsdorfer Straße". Sie weiß, eine langgezogene Straße ist immer schwierig. Allein wegen der leidigen Parkplatzsuche. Doch das größte Problem sei die Überfrachtung. "Es gibt in Dresden einfach viel zu viel Einkaufsmöglichkeiten", sagt Karin Woittennek. Vor allem in der Weihnachtszeit bekamen die Ladeninhaber in der Kellei zu spüren, wie die großen Malls ihnen die Kunden abzogen. "2004 haben die Leute uns fast die Schaufensterscheiben eingedrückt, so viel Andrang war hier", erinnert sich die Löbtauerin. Aber das Verhalten der Kunden hat sich eben geändert. Viel wird auch übers Internet bestellt, da müsse man als Einzelhändler mit seinen Preisen und Angeboten mithalten können.

Karin Woittennek hat schon etliche Läden kommen und gehen sehen - letzteres aus wirtschaftlichen und aus Altersgründen. Und sie erlebte, wie die Kesselsdorfer nach der Wende erblühte. Der Straßenbahnhof Naußlitz am oberen Ende ist keine Ruine mehr, viele Gründerzeithäuser wurden saniert, am unteren Ende bei der Weißeritz herrscht Gewusel in der neu errichteten Löbtaupassage. Gegenüber steht etwas stiller der Einkaufskomplex Drei-Kaiser-Hof. "Große Ketten bringen die kleinen Läden ins Hintertreffen", sagt die Geschäftsstraßenmanagerin bedauernd. "Aber man ist ja froh, dass überhaupt etwas passiert.

Gern würde sich Karin Woittennek für die Kellei einen Buchladen, ein Spielzeugladen und ein Geschäft mit Geschenkartikeln wünschen. "Schön wäre auch ein Kindermodengeschäft, das letzte hat es leider nicht geschafft", seufzt sie. Dennoch es gibt hier durchaus traditionsreiche Adressen. So die Robert-Koch-Apotheke und die Konditorei Müller, die seit über 100 Jahren an der Kellei bestehen und damit fast so alt sind wie die Straße selbst.

Und die wird in diesem Jahr genau 110 Jahre alt. Das Jubiläum der Namensgebung will der Gewerbeverein vom 5. bis 7. September mit einem großen Straßenfest unter dem Motto "110 Jahre Kesselsdorfer - alte Straße jung geblieben" feiern. Höhepunkt wird ein historischer Umzug sein, der die Zeit um 1900 wieder erwecken soll. Er soll am 6. September um 10 Uhr an der Wendel-Hipler-Straße starten und auf der Festwiese an der Tharandter Straße enden, wo eine Konzertbühne stehen wird.

Für die Vorbereitungen des großen Ereignisses sucht der Gewerbeverein nun engagierte Helfer. Außerdem sind kreative Teilnehmer für den historischen Umzug gefragt. Wer mitmachen möchte, kann sich beim Gewerbeverein oder im "ggPrezzo" bei Kerstin Reck melden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2014

Madeleine Arndt

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