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32. Oberschule in Dresden muss ausziehen – Zäsur für Schulleiter Neubert

Wandel in der Schullandschaft 32. Oberschule in Dresden muss ausziehen – Zäsur für Schulleiter Neubert

Die Schullandschaft in Dresden verändert sich ständig. Ende dieses Schuljahres verlässt die 32. Oberschule „Sieben Schwaben“ den angestammten Erlwein-Bau auf der Hofmannstraße. Eine Zäsur für den traditionsreichen Standort – und Schulleiter Andreas Neubert.

Andreas Neubert ist seit mehr als 30 Jahren in der Schule auf der Hofmannstraße.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Andreas Neubert ist mit ganzer Seele Lehrer. Wenn er durch seine Schule läuft, hat er für jeden ein paar Worte. Immer ist zu merken, dass er genau weiß, wer vor ihm steht. Jetzt steht er vor einer erheblichen Zäsur in seinem Lehrerleben.

Neubert ist Leiter der 32. Oberschule auf der Hoffmannstraße. Doch Ende des Schuljahres zieht die Schule dort aus, der Stadtrat hat das kürzlich beschlossen, jetzt nach den Winterferien startet die heiße Phase der Vorbereitungen. Der Auszug hat historische Dimensionen. Zwar verbleibt die 32. Grundschule in dem Erlweinbau, aber Schulabschlüsse werden dort dann nicht mehr vergeben.

Daran ist Neubert allerdings auch selbst „schuld“. Zumindest teilweise. Bei steigenden Kinderzahlen ist es im Schulgebäude immer enger geworden. „Deshalb haben beide Schulleiter schon 2009 den Antrag gestellt, den Doppelstandort aufzulösen“, erläutert Neubert die Geschichte des Stadtratsbeschlusses. Natürlich habe damals jeder insgeheim gedacht, der andere müsse vielleicht ausziehen, für der Schulleiter augenzwinkernd hinzu. Später wird klar, dass es die Mittelschule treffen wird, die inzwischen Oberschule genannt wird.

Fast wie zu DDR-Zeiten. 1980 fängt der gebürtige Dresdner Neubert in Knappenrode als Lehrer an einer Polytechnischen Oberschule an, wohnt damals in Hoyerswerda. An manchem Morgen wischen sie zu der Zeit den schmierigen Dreckfilm des Kohlestaubs von den Schulbänken. Neuberts Frau ist auch Lehrerin. Mitte der 80er haben beide Glück, ein Dresdnerin will nach Hoyerswerda ziehen, da ist ein Wohnungstausch möglich. Die Neuberts kommen nach Striesen. Ab August 1985 arbeitet Neubert an der Schule auf der Hofmannstraße, die aufgrund eines markanten Mosaiks seit reichlich zehn Jahren den Namen „Sieben Schwaben“ trägt. Warum der damalige Stadtbaurat Hans Erlwein 1909 dieses Märchen für die Gestaltung auswählte, ist bis heute unbekannt. Neubert gibt an seiner neuen Schule Geographie und Russisch. Nach der Wende bewirbt er sich als Schulleiter und bekommt den Job. 1992 erfolgt in Sachsen die Aufspaltung des Schulsystems. Die Polytechnischen Oberschulen (POS) mit zehnjähriger Ausbildung werden in Grund- und Mittelschule aufgeteilt, Gymnasien ersetzen die Erweiterten Oberschulen (EOS).

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Die 32. Oberschule steht kurz vor dem Umzug. Die Bildungseinrichtung verliert damit den Namen „Sieben Schwaben“ und auch für den Schulleiter ist es eine Zäsur.

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So sind zunächst Grund- und Mittelschule in dem Gebäude. „Das ist gut gewesen, die Großen hatten auch Kleine im Haus“, blickt Neubert zurück. Doch die neue Entwicklung minimiert das Raumangebot, nicht nur wegen der doppelten Schulleitung. Computerkabinette kommen dazu, inzwischen ist die Grundschule von zwei- auf dreizügig gewachsen. Erlwein schuf einen attraktiven Bau, eine Aula hat dieser aber nicht. Seit 1909 wird in dem Gebäude Bildung betrieben. Es gibt zwar eine Turnhalle, aber die größeren Klassen müssen die Sporthalle am Schilfweg nutzen, häufig geht der Unterricht bis spät in den Nachmittag. Damit soll am neuen Standort Schluss sein. Auf dem Gelände des alten Tolkewitzer Straßenbahnhofs baut die Stadt einen Schulcampus für ein noch zu gründendes Gymnasium und die 32. Oberschule, in der Spitze sollen dort einmal 1800 Schüler ausgebildet werden.

Zunächst zieht die 32. Oberschule aber nun auf den Berthelsdorfer Weg. Das schmeckt nicht jedem, ließ sich aber nicht vermeiden. Dort gibt es zumindest schon mal eine eigene Turnhalle, ein spezielles Busangebot für die Anreise der Schüler dagegen nicht. „Dort sind wir aber in unmittelbarer Nähe des neuen Standortes und sehen, wie es wächst“, freut sich Neubert.

Ab dem Schuljahr 2018/19 soll es auf dem Campus losgehen für die 32., die mit dem Auszug auch ihren speziellen Namen zurücklassen muss. Der Zeitrahmen sei ambitioniert, bisher liege aber noch alles im Plan. Nach den Winterferien soll der Umzug bereits vorbereitet werden. Es wird nur die „Software“ mitgenommen, Möbel ziehen nicht mit um, und von dem was drin ist, das eine oder andere sicher auch nicht mehr. Zwar hat die Schule schon letzten Sommer alles eingepackt, weil mit Bauarbeiten der Brandschutz auf Vordermann gebracht worden ist. „Aber so ein Umzug ist ja immer auch Gelegenheit zum Ausmisten“, schmunzelt Neubert. Am 22. Juni soll es ein Abschlussfest geben, am 24. ist der letzte Schultag, dann geht es mit dem Umzug los. Am 8. August startet dann auf dem Berthelsdorfer Weg das neue Schuljahr. Die Anmeldungen dafür, so betont Neubert ausdrücklich, erfolgen nach den Winterferien noch auf der Hofmannstraße. Der Neigungskurs Fotografie begleitet den Bau in Tolkewitz bereits seit einiger Zeit dokumentarisch.

Auch auf den Schulleiter und das Kollegium kommen neue Herausforderungen zu. Jetzt ist die Oberschule zweizügig, nach dem Umzug sollen einmal in jeder Altersstufe vier Klassen zur Schule gehören, die Schülerzahl steigt damit von jetzt 340 auf rund 600, statt 27 Lehrern werden dann 60 nötig sein. Die Schule braucht einen neuen Namen, vielleicht lässt sich etwas von der Schlömilchstraße ableiten, meint Neubert, vielleicht entsteht etwas in Kooperation mit dem Gymnasium.

Und Neubert muss eine ganz persönliche Entscheidung fällen. Im ersten Schuljahr an der Wehlener Straße wird er 63 Jahre alt. Dann könnte der beamtete Schulleiter in den Ruhestand gehen. Bislang macht ihm die Schule noch viel zu viel Freude für solche Gedanken. „Wenn es soweit ist, werde ich entscheiden, wie es dann weitergeht.“

Von Ingolf Pleil

Hofmannstraße 34, Dresden 51.0424913 13.8124223
Hofmannstraße 34, Dresden
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