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Zeigner-Schule: „Wir sind seit 2010 vertröstet worden“

DNN-Gespräch Zeigner-Schule: „Wir sind seit 2010 vertröstet worden“

Konstantin Samaras gehört schon fast zum Inventar des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) für Wirtschaft „Prof. Dr. Zeigner“. Über die Hälfte seines Lebens arbeitet der 59-Jährige in dem markanten Erlwein-Bau. DNN sprachen mit dem Pädagogen über die 100-jährige Geschichte des Gebäudes und die seit langem ausstehenden Bauvorhaben.

Konstantin Samaras, Leiter der Dresdner Zeigner-Schule.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Konstantin Samaras gehört schon fast zum Inventar des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) für Wirtschaft „Prof. Dr. Zeigner“ in der Inneren Neustadt. Über die Hälfte seines Lebens arbeitet der 59-Jährige in dem markanten Erlwein-Bau mit der gelben Fassade an der Melanchthonstraße. 1982 hat er dort als Lehrer angefangen, seit 2000 leitet er die Schule. DNN sprachen mit dem Pädagogen über die 100-jährige Geschichte des Gebäudes und die seit langem ausstehenden Bauvorhaben.

Das einst von Hans Erlwein entworfene Gebäude steht jetzt seit 100 Jahren. Wann ist denn das letzte Mal etwas gemacht worden an dem Haus?

In den 1990er Jahren ist mit Fördermitteln die Kohleheizung gegen eine moderne Heizungsanlage ausgetauscht worden, hat man die Fassade und das Dach gemacht und auch die Fenster erneuert. Und wir haben Fach- und Computerkabinette bekommen. Aber dann ist außer dringenden Reparaturen bautechnisch nichts mehr passiert.

Wieso nicht?

Weil erst mal Berufsschulen von den Fördermitteln profitieren sollten, die eine teurere Ausstattung benötigen. Unsere kaufmännische Ausbildung ist ja die preiswerteste. Wir brauchen nur Schreibmaterialien, Unterrichtsräume, PC-Kabinette. Gewerbliche Berufsschulen wie die BSZ für Elektrotechnik oder Gastgewerbe aber benötigen zum Beispiel auch Lehrwerkstätten und Lehrküchen. Als wir dann an der Reihe sein sollten, sind die Fördermittel nicht mehr geflossen.

In welchem Zustand befindet sich die Schule jetzt?

Wir haben drei große Probleme – die maroden Sanitäreinrichtungen, den mangelhaften Brandschutz und die völlig veraltete Elektroanlage, die zum großen Teil noch den Stand von 1971 hat. Der Zustand ist mittlerweile so prekär geworden, dass wir um die Betriebserlaubnis fürchten müssen und nun bis Jahresende die Elektroanlage auf Vordermann gebracht und auch Brandschutztüren eingebaut werden.

Und das war’s?

Eigentlich nicht, denn unsere Schule soll nicht nur denkmalgerecht saniert werden, auf dem Gelände vorn an der Tieckstraße ist ja auch ein Schulneubau vorgesehen und eine tiefergelegte Zweifeldsporthalle. Kostenpunkt alles in allem 27 Millionen Euro. Wir bräuchten dann die Außenstelle an der Bodenbacher Straße nicht mehr. Ich bin mir inzwischen aber nicht mehr sicher, ob ich das als Schulleiter noch erleben werde. Wir sind von Jahr zu Jahr vertröstet worden. Erst sollten wir 2010 dran sein, dann 2015. Doch jetzt fließen die Gelder erst einmal in das Gymnasium Südwest an der Bernhardstraße und in die 46. Oberschule. Und nun wird über den Haushalt 2017/18 diskutiert.

Haben Sie Verständnis dafür, dass immer wieder andere Prioritäten gesetzt worden sind?

Langsam nicht mehr, zumal schon eine ganze Menge Geld angefasst worden ist, weil es ja schon eine komplette Planung für den Schulneubau und die Sanierung gibt.

Seit wann hat die Zeigner-Schule ihren Sitz an der Melanchthonstraße?

Seit 1971. Vorher gab es eine gewerbliche Berufsschule hier drin. Bau- und Druckberufe wurden im Haus angeboten, sogar eine Fotografenausbildung. Es gab eine Dunkelkammer und auch eine Druckwerkstatt. Als dann das Berufsschulsystem in der Stadt neu geordnet wurde, ist die Zeigner-Schule als kaufmännische Berufsschule vom Malergässchen in die Melanchthonstraße gezogen. Die Berufsschule selbst ist die zweitälteste in Sachsen. Sie wurde 1854 als Schule der Dresdner Kaufmannschaft gegründet.

Das BSZ feiert zugleich auch das 25-jährige Bestehen des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaftswissenschaften. Eine gute Alternative zum allgemeinbildenden Gymnasium?

Auf jeden Fall! Binnen drei Jahren erlangen die Schüler die allgemeine Hochschulreife und dürfen an allen Universitäten und Hochschulen studieren. Zu DDR-Zeiten gab es ein ähnliches Angebot – die Berufsausbildung mit Abitur. Damals hatten die Absolventen allerdings nicht nur die Hochschulreife, sondern auch den Facharbeiterbrief als Wirtschaftskaufmann in der Tasche.

Gibt es Versuche, die Berufsausbildung mit Abitur wieder zu etablieren in Sachsen?

Ja. Zum Beispiel am BSZ für Elektrotechnik am Strehlener Platz läuft ein solcher Schulversuch.

In Dresden existieren zwei BSZ für Wirtschaft. Was für Ausbildungsberufe können Jugendliche an der Zeigner-Schule lernen?

Das BSZ für Wirtschaft „Franz Ludwig Gehe“ in Gorbitz bietet die Handelsberufe an und wir die anderen kaufmännischen Berufe. Wir bilden vor allem Kaufleute für Büromanagement, Industrie- und Bankkaufleute, Kaufleute für Versicherungen und Finanzen, Sozial-, Rechtsanwalts- und Steuerfachangestellte und Personaldienstleistungskaufleute aus.

Haben Sie Probleme, die Klassen vollzubekommen?

Nein, im Augenblick nicht.

Wieviele Schüler lernen heute an der Zeigner-Schule, wieviele waren es in der Vergangenheit?

In den 1990er Jahren waren es in Spitzenzeiten 2600 Schüler allein hier an der Melanchthonstraße und 800 im damals eigenständigen BSZ auf der Bodenbacher Straße. Damals gab es auch nicht genügend Ausbildungsplätze. Jetzt liegen wir bei 1800 Schülern insgesamt.

Von Katrin Richter

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