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Wohin mit einem schwierigen Kind? Bildungsagentur will achtjährigen Florian aus der Grundschule nehmen

Wohin mit einem schwierigen Kind? Bildungsagentur will achtjährigen Florian aus der Grundschule nehmen

Florian ist acht und geht jetzt in die dritte Klasse der 77. Grundschule in Stetzsch. Der Junge ist nicht nur lebhafter als andere Kinder, sondern kann sich auch deutlich schwerer konzentrieren.

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Florian, hier mit seinen Eltern Birgit und Michael Jäckel, ist ein aufgeweckter achtjähriger Junge, der schnell mal über die Strenge schlägt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Er hat ADHS. Die vier Großbuchstaben stehen für ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Seit drei Wochen sitzt ein Integrationsbegleiter im Unterricht neben ihm. Wenn Florian "austickt", nimmt er ihn aus der Klasse und beschäftigt sich mit ihm. Die Eltern Birgit und Michael Jäckel sind froh, dass es jetzt diese Lösung für ihren Sohn gibt. Ob es dabei bleibt, wissen sie allerdings nicht. Die Bildungsagentur versucht zu verhindern, dass Florian die Schule in Stetzsch besucht. Sie untersagte dem vom Gericht seit April zugewiesenen Integrationshelfer den Zutritt aufs Schulgelände. Erst eine Eilklage der Eltern ermöglichte dem Jungen schließlich die Unterstützung des Begleiters mit Schulbeginn.

Die Vorgeschichte: Dass es seine Eltern nicht einfach haben würden, kündigte sich schon frühzeitig an. Bereits im letzten Kindergartenjahr bescheinigte man Florian Förderbedarf. "Er ist schon immer ein sehr unruhiges Kind, das sich schnell ablenken lässt", berichtet der Vater. Das fiel in der ersten Klasse auch den Lehrern auf. Die Schulleitung beantragte schließlich, Florian auf die Förderschule zu schicken. Die Bildungsagentur stimmte zu. Die Klasse sei sehr voll gewesen damals, die Klassenlehrerin oft krank, und es habe zudem vier weitere Problemkinder gegeben, erinnert sich Michael Jäckel.

Die Eltern wollten gern, dass ihr Junge weiter auf die 77. Grundschule in Stetzsch geht und klagten gegen die Entscheidung der Bildungsagentur. Seit zweieinhalb Jahren streiten sich die beiden Parteien nun vor Gericht. "Florian gehört nicht auf die Förderschule", sagt die Mutter. In den meisten Fächern stehe er auf "2", und in Mathe könne ihm keiner etwas vormachen. Dass Florian kein Fall für sie ist, bestätigt die Schule für Erziehungshilfe an der Bürgerwiese. Er sei integrativ beschulbar, heißt es im Gutachten. "Außerdem hat Florian seine Freunde an der 77. Grundschule, und er kann auch allein zu Fuß hingehen", fügt seine Mutter hinzu. Wenn er an die Förderschule oder entfernt gelegene andere Grundschulen in Prohlis oder Klipphausen, die auch im Gespräch sind, wechseln müsste, werde er aus seinem sozialen Umfeld gerissen.

Die Bildungsagentur äußert sich nicht zu Florians Fall: "Das Verfahren läuft noch vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen", begründet Sprecherin Katrin Reis. Solange das Urteil ausstehe, werde Florian die Grundschule in Stetzsch besuchen.

Dass es dabei bleibt, hoffen die Eltern inständig. Mit dem Schulbegleiter an der Seite könne die Integration gelingen, glauben sie. Der wird übers Jugendamt finanziert, sitzt im Unterricht neben Florian, beobachtet ihn, hilft ihm. Das Problem sei, dass Florian zu Wutausbrüchen neigt, wenn er sich überfordert fühlt, berichtet seine Mutter. "Wenn unser Sohn jetzt in eine schwierige Situation kommt, etwas nicht gleich versteht und deshalb wütend wird, geht der Integrationsbegleiter mit ihm aus dem Zimmer und erklärt ihm den Stoff noch einmal", nennt Michael Jäckel ein Beispiel. Das sei bislang aber erst zweimal vorgekommen, ergänzt die Mutter. Ziel ist es, die Zahl der Betreuungsstunden, momentan 20 an der Zahl, schrittweise zu reduzieren.

Dass Florian die Sache durchaus meistern könnte, unterstreicht sein großer Bruder Sebastian. Dem Zwölfjährigen wurde seinerzeit eine Verhaltensauffälligkeit attestiert. "Er war in der ersten und zweiten Klasse sehr schwierig, hatte aber eine super Lehrerin", bestätigt seine Mutter. Heute besucht Sebastian das Gymnasium Coswig. Von auffälligem Verhalten keine Spur mehr, sagen seine Eltern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2014

Katrin Richter

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