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Weisrussische Exil-Uni in Dresden geplant

Weisrussische Exil-Uni in Dresden geplant

Dresden bekommt womöglich schon in einigen Jahren eine kleine neue Universität. Zumindest arbeiten Michael Bechter und Maxim Asjoma mit Hochdruck daran. Die beiden wollen den weltweit ersten Ableger der weißrussischen Exil-Universität EHU ("Europäische Humanistische Universität") in der sächsischen Landeshauptstadt aufbauen.

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Michael Bechter (li.) und Maxim Asjoma setzen sich von Dresden aus für die weißrussische Exil-Universität EHU ein.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Als erster Schritt ist die Einrichtung eines Fernstudienzentrums geplant. Unser Ziel ist es, dass sich aus diesem peu à peu ein separater EHU-Campus in Dresden entwickelt", erklärt Bechter.

Der aus Baden-Württemberg stammende Historiker hat wie Maxim Asjoma, dessen Vater Nikolaj Weißrusse ist, schon viel Zeit in dieses Vorhaben investiert. Unter anderem riefen die zwei eine EHU-Förderinitiative ins Leben, um von Dresden aus Gelder für die auf Spenden angewiesene Exil-Universität einzuwerben. Zudem knüpften sie zahlreiche Kontakte zu Politikern, Vertretern der TU Dresden und dem Gründer der EHU, dem belarussischen Philosophen Prof. Anatoli Mikhailov. "Die Reaktionen sind sehr positiv. Man ermutigt uns in unserem Vorhaben und unterstützt uns auch schon vielfach", freut sich Asjoma.

Doch was soll eigentlich eine weißrussische Exil-Universität in Sachsen? Michael Bechter und Maxim Asjoma sehen in solch einer Außenstelle Vorteile für beide Seiten. "In Deutschland leben mehr als drei Millionen russischsprachige Menschen. Viele von ihnen haben Universitätsabschlüsse aus der Sowjetunion, die heute nicht anerkannt werden. Die EHU in Dresden wäre die einzige Universität in Deutschland mit Russisch als Lehrsprache, weswegen wir mit großer Nachfrage rechnen", sagt Bechter.

Gleichzeitig bewundert er die Bemühungen der EHU-Verantwortlichen. Gegründet wurde die Universität im Jahr 1992, damals noch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. "Sie bot im postsozialistischen Belarus eine echte Bildungsalternative zur staatlich-ideologisierten Lehre", beschreibt Bechter den Amsatz. "In der EHU hatten die Studenten die Möglichkeit, sich der 'freien Künste' zu widmen, Fragen auf brandaktuelle Themen zu formulieren und offen über alles zu diskutieren."

Einem war die Orientierung an westlich-liberalen Werten freilich ein Dorn im Auge: dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko. Er ließ EHU-Angehörige vom KGB verfolgen, 2004 wurde die Uni sogar verboten. Seitdem firmiert die EHU mit Sitz in Litauen als Exil-Universität, bildet knapp 2000 Studenten aus und versucht mit international vernetzten Absolventen die Diktatur Lukaschenkos von innen heraus zu untergraben.

"Gelehrt wird eine breite Palette von Fächern, die man irgendwann sicher brauchen wird, um den Staat Weißrussland neu aufzubauen", betont Asjoma. "Man will verhindern, dass das Land bei einem Zusammenbruch des jetzigen Systems bildungstechnisch vor einem Scherbenhaufen steht. Das ist vergleichbar mit der Situation in Deutschland nach dem II. Weltkrieg - auch damals haben Exilanten mit ihren im Ausland gewonnenen Eindrücken ein neues Deutschland aufgebaut."

www.ehu-verein.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2012

Christoph Stephan

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