Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Wartelisten für Schulverweigerer-Projekte

Wartelisten für Schulverweigerer-Projekte

Immer mehr Schüler haben keinen Bock mehr auf Schule: Weit über 5000 Kinder und Jugendliche sind es nach Informationen aus dem Kultusministerium im vergangenen Schuljahr gewesen - 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Schüler kommen aus den beiden Großstädten Leipzig (23 Prozent) und Dresden (21 Prozent), die wenigsten aus dem Landkreis Meißen.

Von Katrin Richter

DNN beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

m

Wie lässt sich die Anzahl der Schulschwänzer messen?

Das ist nicht ganz einfach. Das Schulverwaltungsamt erhält Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Schulgesetz, wenn Schüler den Unterricht stunden- oder tageweise bzw. über Monate hinweg schwänzen. Doch auch versäumte Schuluntersuchungen und Schulanmeldungen werden angezeigt. Insgesamt 1319 solcher Anzeigen lagen nach Informationen von Anke Hoffmann vom Presseamt 2011 vor - 492 mehr als noch im Jahr zuvor. 583 Bußgeldbescheide hat das Ordnungsamt im vergangenen Jahr erlassen, 2010 waren es lediglich 372. Im ersten Quartal dieses Jahres hat sich die Situation hingegen etwas entspannt.

m

Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Sie dürfte weitaus höher liegen. Wie hoch, darüber mag selbst Jost Otto, Koordinator des Schulverweigererprojektes "2te Chance" für den Dresdner Osten, nicht spekulieren. Fest steht für ihn, dass der Bedarf an Hilfsangeboten immer größer wird. "Uns erreichen täglich Anfragen vom Jugendamt, von Eltern, aus der Schule", berichtet er. Schätzungen gehen von weit über 500 Schulschwänzern in Dresden aus.

m

Warum schwänzen Schüler die Schule?

"Häufig sind es Kinder und Jugendliche, die von anderen in der Schule gemobbt werden und Probleme zu Hause haben", zählt Otto auf. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Lehrer zuvor schon sehr viel unternommen haben, um die Schüler zur Rückkehr in die Schule zu bewegen. Unter dem Titel "Zurückgewinnen! Umgang mit Schuldistanz" gibt es eine vom Kultusministerium herausgegebene Handreichung für Lehrer.

m

Aus welchen Schularten stammen die Bummelanten, wie alt sind sie?

Jost Otto zufolge handelt es sich meist um Mittelschüler, etwas seltener um Schüler aus Schulen zur Lernförderung. Beunruhigend auch: Die Schulschwänzer werden immer jünger. "Manche Kinder fangen schon in der 2. Klasse an, Stunden zu schwänzen", spricht Otto aus Erfahrung.

m

Mit welchen Strafen müssen Schulschwänzer rechnen?

Die entsprechende Verwaltungsvorschrift schreibt Folgendes vor: Fehlt ein Schüler stundenweise unentschuldigt, muss grundsätzlich der Klassenlehrer ein ernstes Gespräch mit ihm führen. Schwänzt er mehr als drei Tage im Schulhalbjahr, werden die Eltern informiert. Sind es mehr als fünf Tage, ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren fällig. Nach der Anhörung der betroffenen Eltern bzw. Schüler (14 Jahre und älter) setzt dann die zentrale Bußgeldstelle die Höhe der Strafe fest.

Die Geldbuße bewegt sich bei Jugendlichen zwischen 15 und 175 Euro, bei Erziehungsberechtigten zwischen 50 und 450 Euro. In hartnäckigen Fällen kann die Schule den Schwänzer zwangsweise zuführen lassen. Fruchtet auch das nichts, gibt es die Möglichkeit, ihn alternativ zu beschulen - z.B. in Schulverweigerer-Projekten wie "2te Chance".

Welche Hilfsangebote gibt es? Reichen sie aus?

Außer der "2ten Chance" für Kinder ab zwölf Jahren gibt es beispielsweise das Schuldistanz-Projekt von Outlaw und das Projekt "Endspurt" - beide für Schüler ab Klasse 7. Diese Projekte werden u.a. über den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. In der Herangehensweise unterscheiden sie sich voneinander: Die betroffenen Schüler können inner- oder auch außerhalb der Schule gefördert werden. Ziel ist es immer, sie zurück auf die Schulbank zu holen oder ihnen den Start in eine Ausbildung zu ermöglichen. Die Angebote reichen nicht, für die Projekte existieren Wartelisten.

m

An wievielen Schulen sind derzeit Sozialarbeiter im Einsatz?

Nach Angaben aus dem Jugendamt an insgesamt 20 Schulen. Es handelt sich um elf Mittel- und fünf Grundschulen, ein Förderschulzentrum und drei Schulen zur Lernförderung. Im März ist am Förderzentrum "Makarenko" in Pieschen und an der Dinglinger-Förderschule in Johannstadt unter dem Titel "Chancengerechte Bildung" ein neues sächsisches Modellprojekt gestartet - mit zwei Sozialarbeitern. Auch das ist letzten Endes nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.