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Unterrichten unter erschwerten Bedingungen - Dresdner Lehrerin kritisiert Bedingungen in Sachsen

Unterrichten unter erschwerten Bedingungen - Dresdner Lehrerin kritisiert Bedingungen in Sachsen

Vormittags ein bisschen arbeiten, nachmittags frei und ab und zu ein paar Hefte korrigieren. Das ist das Berufsbild, mit denen sächsische Lehrer und Lehrerinnen wie Sonja Hannemann oft konfrontiert werden.

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"Das Kultusministerium wirbt mit uns Preisträgern für seine Arbeit", findet Sonja Hannemann - dabei liege in Sachsen einiges im Argen.

Quelle: Andor Schlegel

Zwischen Klischee und Realität liegt jedoch ein himmelweiter Unterschied: "Ich habe mindestens eine Vierzigstundenwoche, bekomme aber lediglich 80 Prozent meiner Tätigkeit bezahlt. Und das nicht so gut wie in anderen Bundesländern", findet die Lehrerin. Sie unterrichtet am Romain-Rolland-Gymnasium in Dresden Englisch und Französisch. Kürzlich erhielt sie den deutschen Lehrerpreis. Eine Auszeichnung, für die Schüler besonders engagierte Lehrer vorschlagen können.

Ein Verdienst des sächsischen Kultusministeriums? Sonja Hannemann glaubt nicht daran. "Das Kultusministerium wirbt mit uns Preisträgern für seine Arbeit. Dafür will ich mich nicht hergeben", sagt die 37-Jährige. Vielmehr wolle sie für alle die Pädagogen in Sachsen stehen, die sich trotz der wenig rosigen Arbeitsbedingungen und mit zusätzlichem Engagement außerhalb des Unterrichts für gute Ergebnisse bei den Schülern einsetzten.

Vollzeit trotz Kürzung

Tatsächlich galten sächsische Lehrer bislang als die am schlechtesten bezahlten Deutschlands, obwohl Sachsen seit Jahren bei Schülerleistungsvergleichen die Nase mit vorn hat. Ein Berufseinsteiger am Gymnasium verdient laut Tarifverträgen der deutschen Tarif- und Beamtenunion 3242,26 Euro Brutto, wenn er Vollzeit arbeitet. In Baden-Württemberg bekommt ein verbeamteter Lehrer mit gleicher Berufserfahrung 3801,43 Euro. "Wie bei vielen meiner Kollegen, wurde meine Stelle vor sieben Jahren auf 80 Prozent gekürzt", sagt Sonja Hannemann. "Trotzdem arbeite ich in der Regel Vollzeit, weil mein freier Tag für Elterngespräche oder Klassenaktivitäten draufgeht. Sonst fällt das auch noch weg", meint die Lehrerin.

Weitaus ungerechter sei aber die Situation von Kollegen anderer Schularten. Denn sie erhielten für die gleiche Arbeitszeit noch weniger Lohn. Zudem schwankten die Gehälter auch unter Pädagogen gleicher Schularten gehörig. Dies können auch die Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Bildung bestätigen. Diesen zufolge konnte ein Lehrer an einer sächsischen Mittelschule im März als Einstiegsgehalt 2650 Euro brutto oder 3070 Euro brutto verdienen - je nachdem, in welcher Gehaltsgruppe er eingestuft würde. Wie viele Lehrer in eine Gehaltsgruppe kommen, obliegt dabei der Entscheidung des jeweiligen Landesfinanzministers.

"Das ist doch demotivierend", meint Sonja Hannemann. "Und es geht schon im Referendariat los!", sagt die gebürtige Hessin. In Sachsen bekomme ein Referendar nicht mehr als 973 Euro brutto monatlich. "Bei fast gleicher Arbeit wie ein normaler Angestellter." Zum Vergleich: In Baden-Württemberg reicht die Gehaltsspanne für Referendare je nach Schulart von 1038,84 bis etwa 1246,95 Euro brutto. Das Kultusministerin reagierte gelassen auf die Vorwürfe der Lehrerpreisträgerin. Staatsregierung und Lehrergewerkschaften hätten sich darauf geeinigt, die Stellenobergrenze für Mittelschullehrer an den Oberschulen von derzeit 35 Prozent stufenweise bis August 2017 auf 100 Prozent anzuheben. Förderschullehrer mit Abschluss nach dem Recht der ehemaligen DDR sowie Berufsschul- und Gymnasiallehrer sollen zum 1. Januar 2015 höhergruppiert werden. "Damit haben Sachsens Lehrer deutlich bessere Einkommensperspektiven als bisher. Ein Lehrer in Sachsen verdient damit vergleichbar viel wie die angestellten Kollegen in anderen Bundesländern. Ausnahmen kann es natürlich immer geben", sagt Dirk Reelfs, Sprecher des sächsischen Ministeriums für Kultus.

Sonja Hannemann geht es aber gar nicht in erster Linie ums Geld. "Die Bedingungen des Lehrerdaseins müssen einfach besser werden", sagt sie. Das sogenannte "pädagogische Plus", das heißt Klassenaktivitäten, Klassenlehrerstunden oder Ähnliches, seien viel zu knapp bemessen, Fortbildungen von vier bis fünf jährlich auf ein bis zwei gekürzt worden. "Das ist mir nicht bekannt. Man vermutet, dass eventuell der Schulleiter dieses schulintern entschieden hat, um innerhalb der Schule auch mal andere Kollegen zum Zuge kommen zu lassen", erklärt Kultusministeriums-Sprecher Reelfs zum Thema Fortbildungen. Auch im Bereich "pädagogisches Plus" sieht das Kultusministerium generell keine Engpässe. Reelfs dazu: "Insgesamt beträgt der Ergänzungsbereich für die Gymnasien landesweit 110 Prozent. An den jeweiligen Schulen kann es durchaus große Abweichungen geben. Wie es sich in der Schule der Preisträgerin verhält, weiß ich nicht."

Das Ministerium widerspricht

Zudem fehlen Lehrkräfte an allen Ecken und Enden. Die Kollegen seien überlastet, das ein oder andere nötige Konfliktgespräch mit Schülern bleibe auf der Strecke, ergänzt Hannemann. "Fällt ein Lehrer krankheitsbedingt aus, müssen Kollegen mit offenen Stunden diese vertreten, wobei der Sinn solcher Vertretungsstunden fraglich ist. Bei längerfristigen Ausfällen kommen Springerlehrer zum Zuge. Die werden noch schlechter bezahlt und arbeiten dabei unter schweren Bedingungen", meint Hannemann. "In diesem Jahr sind mit etwas über 1000 Lehrkräften so viele Lehrer eingestellt worden wie noch nie", kontert Kultus-Sprecher Reelfs. Auch im Jahr 2014 seien Neueinstellungen in etwa dieser Größenordnung zu erwarten. Von 200 Stellen des Vertretungslehrerpools seien zwar noch nicht alle besetzt, dennoch sei die Zahl, so Reelfs, seit Oktober von 72 auf mindestens 110 gestiegen.

"Das Kultusministerium verschließt die Augen vor der Realität", findet indes Vertrauenslehrerin Hannemann. Doch trotz aller Kritik, die Wahl-Dresdnerin ist gern Lehrerin in Sachsen. Das Engagement vieler Kollegen, die Schüler und nicht zuletzt die Stadt und ihre Menschen haben es Sonja Hannemann angetan. "Meine Schüler und die dazugehörigen Elternhäuser haben Lust, Dinge zu verändern. Ich mag diese Stimmung hier in Dresden", schwärmt sie.

Susann Schädlich

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