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Überfüllte Klassen, überalterter Lehrkörper: Schüler am Dresdner BSZ für Elektrotechnik protestieren

Überfüllte Klassen, überalterter Lehrkörper: Schüler am Dresdner BSZ für Elektrotechnik protestieren

„Jetzt stellt mal eure Plakate in Position, und dann lasst uns mal so richtig daneben benehmen, wie man das von uns gewohnt ist!" Mit diesen frechen Worten schwor Stadtschülersprecher Matti Drechsel die rund 150 Demonstranten auf Protest ein: Wir haben genug von vollgepfropften Klassen und Unterrichtsausfall, lautete ihre Botschaft am Mittwoch.

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Am BSZ Technik in dresden bildeten die schüler symbolisch die "größte Klasse der Stadt".

Quelle: Jane Jannke

Rund 2000 Schüler lernen am Beruflichen Schulzentrum für Elektrotechnik, in dem Berufsschule, Fachschule, Abendschule und berufliches Gymnasium untergebracht sind. Auch wenn die Mehrzahl der Schüler Auszubildende sind und lediglich alle zwei Wochen die Schule besuchen - die widrigen Lernbedingungen betreffen alle gleichermaßen.

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Am BSZ fallen jährlich zahlreiche Unterrichtsstunden aufgrund von Lehrermangel aus. Dagegen protestierten die Schüler am Mittwoch hör- und sichtbar vor dem Schulgebäude.

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„Etwa die Hälfte der Lehrer am beruflichen Gymnasium ist über 50 Jahre alt", erklärt Gesamtschulsprecher Paul Marczona. „Allein zum Ende dieses Schuljahres werden drei bis vier davon in den Ruhestand gehen. Ob sie ersetzt werden, wissen wir nicht", so der 19-Jährige.

Und das ist erst der Anfang: „Die Schule leidet unter einem eklatanten Lehrermangel", so Marczona. Eine Geschichtslehrerin ist seit zwei Jahren krank, Ersatz habe es für sie nie gegeben. „Lehrer von anderen Schulen müssen stundenweise für sie einspringen, die können das aber logischerweise nicht voll abfangen", so der Schülersprecher. Unzählige Stunden fielen deshalb pro Jahr aus. Ähnlich sehe es in anderen Fächern aus. So gebe es für 2000 Schüler nur einen fest angestellten Sportlehrer, eine Klasse konnte dadurch ein Jahr lang überhaupt nicht am Sportunterricht teilnehmen.

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Rund 1000 Schüler, Lehrer und Eltern demonstrierten am Mittwochnachmittag in Dresden für eine Reform des sächsischen Bildungssystems. Lehrermangel, Unterrichtsausfall und übervollen Klassen sagen sie den Kampf an.

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Landesweiter Schüler-Aktionstag gegen Lehrermangel in Sachsen: Am Leipziger Kant-Gymnasium tragen Jugendliche symbolisch die Bildung zu Grabe. Die Schüler zeigen bei ihrem Protest außerdem dem sächsischen Kultusministerium die Rote Karte.

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„Nehmen wir beispielsweise das Fach Chemie", fügt Stadtschülersprecher Matti Drechsel hinzu. „Am Gymnasium gibt es eine einzige Chemielehrerin, in ihren Kursen sitzen durchweg um die 28 Schüler. Im vergangenen Jahr hatten wir zusätzlich noch eine Referendarin, doch ihr Vertrag ist nicht verlängert worden." Auch für das Fach Biologie gebe es nur eine Lehrerin, so Drechsel. Ein Kurs für Bautechnik käme im kommenden Schuljahr wahrscheinlich gar nicht mehr zustande, da für die Einstellung eines Lehrers zu wenige belegungswillige Schüler vorhanden seien.

Überquellende Klassen, ausfallende Stunden, Kurse, die gar nicht erst zustande kommen - die Liste der Beschwerdepunkte scheint endlos. In manchen Fächern sieht Paul Marczona dadurch sogar die Prüfungsvorbereitung gefährdet. Generell sei der Unterrichtsausfall das größte Problem, sagt der 19-jährige Gymnasiast: „Oftmals tauchen diese Ausfallstunden nicht einmal in der Statistik auf. Die Schüler bekommen dann irgendwelche Aufgaben, haben aber weder einen Ansprechpartner für Fragen noch echten erklärenden Unterricht." In der Statistik falle das dann aber nicht unter Ausfall. „So werden die Statistiken geschönt - zulasten der Schüler", empört sich Marczona.

Die Schüler haben jedenfalls die Nase voll. Im „größten Klassenzimmer Dresdens" saßen vor dem BSZ-Gebäude am Mittwoch rund 150 von ihnen. Ihre Forderungen an Sachsens Bildungspolitiker lauteten: Mehr Lehrer- und Referendarstellen, bessere Bezahlung für Lehrkräfte und eine ehrliche und offene Analyse der von Ausfallstunden und Bedarf. Die meisten von ihnen wird man am Mittwochnachmittag zur Großdemonstration vor dem Kultusministerium wiedertreffen.

Jane Jannke

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