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Über 3500 Erzieher und Lehrer demonstrieren in Dresden für besseres Bildungspaket

Über 3500 Erzieher und Lehrer demonstrieren in Dresden für besseres Bildungspaket

Dresden. Erzieher, Mitglieder von Wohlfahrtsverbänden und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie zahlreiche Eltern und ihre Kinder haben am Mittwoch vor dem Sächsischen Landtag für einen besseren Personalschlüssel in Kindertagesstätten demonstriert.

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Mehr als 3500 Lehrer haben in Dresden gegen das sächsische Bildungspaket demonstriert.

Quelle: Dominik Brüggemann

Bei einer Kundgebung kritisierten sie die "nach wie vor bestehenden schlechten Rahmenbedingungen" in den Kitas. Die Aktion stand unter dem Motto "Große Sprünge für die Kleinen!" Dazu stellten die Organisatoren sieben Hüpfburgen auf, um den Politikern des Landtags sinnbildlich "auf die Sprünge zu helfen". Mit Plakaten und einer Postkartenaktion machten die Demonstranten auf ihre Situation aufmerksam.

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Kurz danach demonstrierten mehrere Tausend Lehrer gegen das geplante Bildungspaket. Sie zogen vom Finanzministerium zum Landtag und übergaben ein symbolisches Bildungspaket mit Wünschen und Forderungen.

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"Frühkindliche Bildung ist eine Mammutaufgabe und sie benötigt gute Rahmenbedingungen. Die sächsischen Betreuungsschlüssel für Krippe, Kindergarten und Hort gehören zu den schlechtesten bundesweit", sagte der Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und Vorstandsvorsitzende des DRK Sachsen, Rüdiger Unger. In der Kita-Wirklichkeit würden sogar noch mehr Kinder auf eine Erzieherin kommen, da der gesetzliche Schlüssel Urlaub, Krankheit und Fortbildung nicht berücksichtige.

Deshalb fordert die Kampagne "Weil Kinder Zeit brauchen" die schrittweise Senkung in der Krippe von einem Erzieher für sechs Kinder auf das Verhältnis 1:4. Im Kindergarten soll sich das Verhältnis von 1:13 zu 1:10, im Hort von 1:20 zu 1:16 ändern. "Null Stunden für Vor- und Nachbereitungszeit sowie für Elternarbeit sind derzeit bei den Erziehern eingeplant. Das reicht uns nicht", zählt der stellvertretende GEW-Vorsitzende Lutz Stephan weitere Missstände auf. Vor- und Nachbereitung sollten künftig als 20 Prozent der Gesamtarbeitszeit berücksichtigt werden, fordert er.

Außerdem solle in Zukunft eine Freistellung für die Kita-Leitung pro 100 Kita-Plätze erfolgen. Zudem sei ein dichteres Netz der Fachberatung und Weiterbildung nötig. "Uns ist bewusst, dass das nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist", stellte Ines Vogel von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege klar, "aber kleine Schritte sind möglich. Dazu brauchen wir öffentliche Unterstützung", warb sie.

Die Kundgebung war Teil eines "Bildungstags", an dem von der Kita bis zur Schule auf die Probleme und Herausforderungen im Bildungssektor aufmerksam gemacht werden sollte. Damit in Zusammenhang stand auch eine Lehrerdemonstration, an der sich nach Angaben der Polizei rund 3500 Lehrer aus ganz Sachsen beteiligten. Nach Angaben der Lehrergewerkschaften GEW, dem Lehrer- und dem Philologenverband nahmen rund 6000 Lehrer teil.

Vor dem Finanzministerium gaben sie symbolisch das von Schwarz-Gelb beschlossene Bildungspaket 2020 zurück. Kritiker des Pakets sehen darin nichts weiter als heiße Luft und eine Mogelpackung. Deshalb schnürten die Demonstranten eine neues Bildungspaket, das noch am frühen Abend vor dem Landtag abgelegt wurde.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte am vergangenen Montag darauf verwiesen, dass mit Blick auf das neue Schuljahr in Sachsen tatsächlich keine Stelle zusätzlich geschaffen wird.Das Kultusministerium widersprach dieser Darstellung am Mittwoch. Demnach würden in diesem Jahr zwar 981 Pädagogen aus dem Dienst ausscheiden, weil sie in den Ruhestand gehen oder die Ruhephase ihrer Altersteilzeit beginnen. Dies werde aber mit 1011 neuen oder aus anderen Bereichen abgezogenen Lehrern ausgeglichen. Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) geht davon aus, dass es auch im kommenden Schuljahr zu Unterrichtsausfall kommt, weil die Personaldecke „auf Kante genäht“ ist. Allerdings werde das in viel geringerem Umfang als im nun zu Ende gehenden Schuljahr der Fall sein. Kurth will sich im neuen Doppelhaushalt 2013/2014 für eine bessere personelle Ausstattung einsetzen.

Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Sabine Gerold, hat der Regierung eine „dilettantische Personalpolitik im Schulbereich“ vorgeworfen. Sie handele „sparwütig und konzeptionslos“ und habe die Lücken bei der Lehrerversorgung zu verantworten, sagte sie bei einer Protestkundgebung am Mittwoch in Dresden.

Die aus dem Leipziger Muldental angereiste Lehrerin Brigitte Eismann kritisierte in Dresden die schlechten Betreungsbedingungen, die ihrer Meinung vielerorts auch in Grundschulen herrschten. Auch die Erhebung der Betreungsstatistiken stellte sie in Frage. "Wenn ein Lehrer bei einem Ausfall zwischen zwei Klassen pendelt und die Schüler bei Stilarbeit beaufsichtigt, gelte dies nichts als Unterrichtsausfall", so die gelernte Mathe-, Deutsch- und Sportlehrerin, die inzwischen Englisch und Schwimmen unterrichtet. Sie mache sich zudem Sorgen um die jungen Lehrer, die allein gelassen werden.

Konrad Degen, Schüler und Vorsitzender des LandesSchülerRates in Sachsen, lobte die Lehrer. „Ich finde die Aktion der Lehrer sehr kreativ. Als Schüler sind wird besonders vom Unterrichtsausfall betroffen“, so Degen, der selbst sein Abitur am BSZ Radebeul macht. Er lobte zudem die Lehrer, die mit ihrer Demonstration auf die Bedeutung des Lehrerberufs aufmerksam machten.

Stefan Schramm/dbr

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