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Tagsüber arbeiten, abends lernen - 370 Schüler lernen an der Abendmittelschule, 100 kommen bis zu den Prüfungen, fast alle bestehen

Tagsüber arbeiten, abends lernen - 370 Schüler lernen an der Abendmittelschule, 100 kommen bis zu den Prüfungen, fast alle bestehen

Linda Lenk ist 21, Schülersprecherin und sitzt jetzt in der 10. Klasse. Im Sommer möchte die zierliche junge Frau gern ihren Realschulabschluss nachholen - an der Abendmittelschule im Schulgebäude an der Hepkestraße in Striesen.

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Linda Lenk holt an der Abendmittelschule ihren Realschulabschluss nach. Sie will gern Fremdsprachenassistentin werden. Wolfgang Uhlig leitet die Abendmittelschule an der Hepkestraße in Striesen seit 2002. "Ich bewundere jeden, der tagsüber arbeitet und sich abends noch zum Lernen hierher setzt", sagt er.

Quelle: Andor Schlegel

Von Katrin Richter

Im Moment hat sie tagsüber einen 400-Euro-Job und anschließend Unterricht. Was sie machen wird, wenn sie fertig ist mit der Schule, weiß Linda Lenk auch: "Ich gehe im September für ein Jahr nach New York als Au pair und will dann gern wieder hier in Dresden eine Ausbildung als Fremdsprachenassistentin machen."

Linda Lenk gehört zu den 370 Schülern, die an der Abendmittelschule den Hauptschul-, den qualifizierenden Hauptschul- oder den Realschulabschluss nachholen wollen. Abhängig von der Vorbildung des Schülers dauert die Ausbildung ein bis zwei Jahre. Unterricht ist von 17 bis 21.15 Uhr. Nur montags beginnt die Schule schon 16 Uhr. Zehn Fächer müssen die Schüler belegen: Mathe, Deutsch, Englisch, Physik, Chemie, Biologie, Geografie, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Ethik bzw. Religion. Sport gibt es nicht und auch keine zweite Fremdsprache. Ansonsten ist der Lehrplan derselbe wie an der Mittelschule.

Wolfgang Uhlig, Mathe- und Physiklehrer seit 1969, leitet die Abendmittelschule seit 2002. 20 Lehrer gibt es dort. "Von den 370 angemeldeten Schülern kommen 50 Prozent nur unregelmäßig", macht Uhlig auf ein Problem aufmerksam. Viele gingen tagsüber arbeiten und schafften es dann nicht, abends noch fünf Stunden Unterricht durchzustehen. "Andere werden vom Arbeitsamt geschickt und beginnen nach der Anmeldung zu bummeln", berichtet der Schulleiter. Ein Jahr guckt Uhlig sich das an: "Wer am Ende wegen unentschuldigter Fehltage Sechsen hat, wird nicht versetzt", beschreibt er das Prozedere.

In den vergangenen Jahren gab es immer etwa 100 Prüfungsteilnehmer. "95 Prozent von ihnen haben bestanden", sagt Uhlig. Mit anderen Worten: Wer bis zum Ende durchhält, schafft auch die Prüfungen. "Ich bewundere jeden, der tagsüber arbeitet und sich abends noch hierher setzt", zollt der Pädagoge den Schülern Lob und Respekt. Zusätzlich Hausaufgaben gibt es deshalb nicht. Stattdessen bietet die Schule Förderunterricht an: "Die Schüler sollen dann lieber eine Stunde eher kommen", so Uhlig.

Die meisten Schüler, die an der Abendmittelschule ihren Abschluss nachholen wollen, haben das, was man einen "gezackten Lebenslauf" nennt. "Nicht selten spielten Alkohol und Drogen eine Rolle", erklärt Uhlig. Die Männer und Frauen sind in der Regel zwischen 18 und 25 Jahre alt. "Wir hatten aber auch schon eine Mutter, Jahrgang 1960, die mit ihrer Tochter kam", erinnert sich der Schulleiter. Die Mutter habe durchgehalten, die Tochter nicht. 40 Prozent Frauen und 60 Prozent Männer drücken abends die Schulbank. 10 bis 15 Prozent der Schüler haben ausländische Wurzeln. "Sie kommen von überall her, aus dem Iran, aus Afghanistan, Tschechien, Polen, Ungarn, Kuba, Portugal, viele Kriegsflüchtlinge sind darunter", weiß der Schulleiter. Bevor sie an die Abendmittelschule gehen, müssen sie Deutsch lernen.

Hervorgegangen ist die Abendmittelschule aus der Volkshochschule (VHS). "In Dresden sind wir eigenständig, anderswo in Sachsen sind die Abendmittelschulen den Mittelschulen angegliedert", sagt der Schulleiter.

Das Gebäude an der Hepkestraße nutzen Uhlig und seine Lehrerkollegen schon seit langem: "Bis vor drei, vier Jahren war tagsüber die 107. Mittelschule hier drin. Die Zusammenarbeit hat so gut funktioniert, dass eine ganze Reihe von Lehrern an beiden Schularten unterrichtet hat", berichtet Uhlig. Im Sommer nun eröffnet die Stadt die 107. Mittelschule erneut - mit zunächst drei fünften Klassen, die sich in dem Plattenbau verlieren.

Abendmittelschule Dresden, Hepkestraße 26, 01309 Dresden, Telefon: 2 05 60 35; E-Mail: abendms.dd@t-online.de; Anmeldungen sind noch bis Mitte Juni möglich

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2012

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