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TU Dresden hat noch Hausaufgaben

Hochschulpolitik TU Dresden hat noch Hausaufgaben

Die TU Dresden soll juristische Studiengänge verlieren. Das sehen Pläne der Staatsregierung vor. Schadet das der Bewerbung der Hochschule bei der nächsten Förderrunde für Exzellenz-Universitäten? Die DNN sprachen darüber mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange.

Quelle: Andre Kempner

Dresden.  Die Staatsregierung will einen neuen Hochschulentwicklungsplan mit den Universitäten vereinbaren. Dresden soll juristischen Professuren an Leipzig abgeben. Welche Folgen hat das für die Bewerbung der Hochschule bei der nächsten Runde für die Exzellenzförderung. Die DNN sprachen darüber mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD).

Frage: Warum gibt es einen neuen Hochschulplan?

Der gegenwärtige Plan läuft bis 2020. Wir haben uns aber in der Koalition vorgenommen, eine längerfristige Planung bis 2025 zu entwickeln, um den Hochschulen Sicherheit zu geben. Auf der Grundlage des Hochschulentwicklungsplan entsteht ja auch eine Zuschussvereinbarung. Der von der Vorgängerregierung geplante Stellenabbau von 2017 bis 2020, der 754 Stellen umfasste, wäre dann vom Tisch.

Neben einigen Grundlagenfächern, die in kleineren Hochschulen nicht mehr angeboten werden sollen, ist auch die TU Dresden betroffen. Sie soll ihre juristische Fakultät verlieren, warum?

Wenn Pflegemanagement in Görlitz/Zittau aufgebaut werden soll, im Gegenzug aber die Chemie nicht mehr angeboten werden soll, dann hat das mit der Profilierung zu tun. Außerdem haben wir in den nächsten Jahren einen erheblichen Bedarf an Juristen. Die Uni Leipzig soll dafür die Ausbildung ausbauen.

Trotzdem der Abbau in Dresden?

Der Bedarf wird an der Uni Leipzig abgebildet, dort ist die Ausbildung der Volljuristen konzentriert. 2004 hatte die damalige CDU-Regierung die Schließung der Juristenausbildung in Dresden beschlossen, dies ist dann bis 2010 geschehen. Wir werden den Standort in Leipzig weiter ausbauen, dazu sind aber weitere Stellen notwendig, die wir nicht neu schaffen können.

Was bedeutet das für Dresden?

Wir werden in Abstimmung mit der TU Dresden etwa fünf freiwerdende Stellen von Dresden nach Leipzig verlagern. Es ist geplant in Dresden zwei Studienfächer zu schließen. Es wird vom Ministerium keine Entscheidung geben, die Fakultät zu schließen. Das wäre eine Angelegenheit der Universität. Es gibt ja innerhalb der Fakultät auch weitere Studiengänge, über die die Universität entscheiden muss. Wir haben zugesichert, dass acht juristische Professuren in Dresden verbleiben.

Aus den Reihen des Koalitionspartners wurde die Entscheidung als politisch falsch und fachlich nicht durchdacht bezeichnet. Wie bewerten Sie das?

Ich will das gar nicht bewerten. Der Eckpunkte-Beschluss ist ja in der Regierungskoalition gefasst worden. Ich fand es ungewöhnlich, um es vorsichtig auszudrücken.

Wird der Einschnitt die Bewerbung der TU in der nächsten Runde der Exzellenzförderung schaden?

Nein. Die TU Dresden war schon beim Start in die Exzellenz 2012 keine Volluniversität mehr, weil sie schon da keine Volljuristenausbildung mehr hatte. Es ist Sache der TU, wie sie sich aufstellt. Es geht vor allem um international sichtbare Forschungscluster und dabei war meines Wissens die juristische Fakultät bisher nicht beteiligt. Wir geben die vollständige Planung in Kürze zur Anhörung in die Hochschulen, zur Beratung in den Gremien. Bis Ende des Jahres wird sich dann die Staatsregierung abschließend damit befassen.

Lassen Sie da noch an den Eckpfeilern rütteln?

Wir werden uns die Voten genau ansehen. Wenn wir dann die Notwendigkeit sehen, etwas zu verändern und das in der Koalition mehrheitsfähig ist, werden wir das auch vortragen.

Wie geht es mit der Exzellenzinitiative weiter?

Am Donnerstag werden wir uns in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz mit der Verwaltungsvereinbarung befassen, die das weitere Verfahren regelt und nach dem Beschluss der Ministerpräsidenten im Juni Rechtskraft erlangt. Die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern haben sich dazu bereits verständigt.

Was wird darin genau festgelegt?

Der Kern der Exzellenzinitiative werden künftig Forschungscluster sein. Davon gibt es mit dem Zentrum für regenerativen Therapien – CRTD – und dem Zentrum für Nano- und Mikroelektronik – cfead – in Dresden schon zwei und in Chemnitz mit dem Leichtbaucluster – MERGE – ein weiteres. Sie zeigen schon internationale Exzellenz. Bundesweit soll es 45 bis 50 Cluster geben, derzeit sind des 43. Sie sollen drei bis zehn Millionen Euro jährlich bekommen. Es können sich auch Forschungsverbünde über Uni-Grenzen und Landesgrenzen hinweg bilden. Das eröffnet Perspektiven beispielsweise im Leichtbau, wo wir hervorragende Kapazitäten in Dresden und Chemnitz haben. Entscheiden wird über die zu fördernden Cluster eine Expertenkommission, es werden also keine politischen Entscheidungen im Auswahlverfahren.

Was wird aus der Förderung des Exzellenzstatus, dem Etikett als Eliteuniversität?

Dafür können die Universitäten einen Antrag stellen, wenn sie über zwei geförderte Forschungscluster verfügen. Dann sind zehn bis 15 Millionen Euro Exzellenzförderung im Jahr möglich. In den bisherigen zwei Förderperioden gibt es insgesamt 15 Exzellenzuniversitäten, künftig sollen es acht bis elf sein. Die von einer Expertenkommission unter Dieter Imboden vorgeschlagene Exzellenzprämie, die über ein Ranking der Universitäten vergeben werden sollte, wird so nicht eingeführt.

Wie stehen die Chancen für die TU Dresden?

Die Universität kann bereits Exzellenz vorweisen, sie hat zwei Cluster. Aber sie muss auch sagen, wohin sie sich entwickeln will. Wir müssen dabei die Uni in ihrer Gesamtheit aus Forschung, Lehre und Wissenstransfer betrachten. Die TU muss nachweisen, dass sie in allen drei Bereichen eine strategische Entwicklung anstrebt und die Gelder dafür einsetzen will.

Ist die TU da auf einem guten Weg?

Sie hat eine gute Grundlage, aber natürlich hat sie Hausaufgaben zu machen beispielsweise bei den Forschungsclustern. Da müssen die Wissenschaftler vor allem etwas einbringen, der Wettbewerb ist hart. Es ist kein Selbstläufer, auch wenn man bislang sehr gut evaluiert wurde. Auch das Zukunftskonzept der Uni muss weiterentwickelt werden, das betrifft beispielsweise das Hochschulmanagement. Aber das ist überall so. Es sind auch in München, Aachen oder Berlin keine Selbstläufer.

Rechnen Sie mit neuen TU-Clustern?

Ich gehe davon aus, dass die TU etwas neues einbringen wird. Schon um ihre Potenziale zu zeigen, die sie beispielsweise auch im Leichtbau hat. Da wird die TU hart auswählen müssen. Ich gehe auch davon aus, dass Leipzig starten wird, Chemnitz sowieso. Die Universitäten müssen sich zeitnah entscheiden, Mitte des nächsten Jahres werden wohl die Antragskonzepte vorgelegt werden müssen. Für die jetzt laufenden Projekte gibt es eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Die Cluster und Exzellenzunis werden dann bis zur Evaluierung sieben Jahre lang gefördert.

Gibt es morgen in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz noch Veränderungen?

Am Konzept der Exzellenzinitiative wohl nicht. Derzeit ist noch vorgesehen über ein Programm für Nachwuchs-Wissenschaftler zu beraten, bei dem bundesweit für zehn Jahre mit einer Milliarde Euro Tenure-Track-Professuren gefördert werden sollen und es ist ein Programm Innovative Hochschule im Gespräch, das mit 500 Millionen Euro den Wissenstransfer in die Wirtschaft fördern soll.

Von Ingolf Pleil

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