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Streit um Kapazitäten Recht: TU Dresden exmatrikuliert 22 Medizinstudenten

Streit um Kapazitäten Recht: TU Dresden exmatrikuliert 22 Medizinstudenten

Für 22 Medizinstudenten der TU Dresden heißt es vorerst Abschied nehmen vom Campus. Als Schulabgänger hatten sie sich im vergangenen Wintersemester 2013/2014 erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Dresden in den Studiengang Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden eingeklagt.

Nun aber hat das Oberverwaltungsgericht Bautzen dem Widerspruch der Uni stattgegeben und damit die Exmatrikulation verfügt.

"Das war ein Schock", sagt der 19-jährige Louis N. Die Nachricht traf ihn im Juni mitten in der Prüfungsphase. "Ich wusste ja, dass ich das Studium nur vorläufig aufnehmen durfte, trotzdem war es für mich ein krasser Einschnitt in mein Leben. Ich muss nun wahrscheinlich wegziehen und verlasse auch alle meine Freunde", erzählt der junge Mann aus München den DNN.

Insgesamt hatte sich der Student bei etwa 15 Universitäten eingeklagt. Ein Verfahren kostet zwischen 700 und 1000 Euro. Warum lässt jemand nach der Schule seine Eltern soviel Geld in die Hand nehmen? "Ich wollte schon immer Medizin studieren", sagt Louis. Mein Abiturdurchschnitt von 1,8 hätte aber für das normale Auswahlverfahren nicht gereicht, deshalb habe ich mich für das Einklagen entschieden. Das schien mir der elegantere Weg. Es kostet zwar Unmengen Geld, aber dafür erspare ich mir auch viel Zeit", so Louis. "Ich habe meinen Studienplatz rechtlich gesehen verdient", findet er mit Blick auf das erstinstanzliche Urteil. "Wenn man die Möglichkeit hat, seinen Traum zu leben, sollte man auch alles dafür tun. Einige von uns haben die Anwälte sogar aus eigener Tasche bezahlt".

Der 19-Jährige hatte seine Zusage erst Anfang Dezember 2013 erhalten, also fast zwei Monate nach dem regulären Semesterbeginn. Bisher hat er alle Prüfungen mit Bravour gemeistert und konnte mit den regulären Studenten mithalten. Umso mehr schockte ihn die Nachricht, dass er seinen Traum nun erst einmal auf Eis legen muss.

Die Uni Dresden muss das naturgemäß etwas emotionsloser sehen. Sie hatte ihr Kontingent an Studienplätzen für das betroffene Wintersemester 2013/2014 bei 225 festgelegt. Eine klare Rechnung von Kosten und Möglichkeiten, erläutert Konrad Kästner, Pressesprecher der Medizinischen Fakultät der TU. Immerhin koste ein Student 200 000 Euro pro Ausbildung. Da müsse schon genau kalkuliert werden. Und das habe man getan. Den 22 Betroffenen, die im ersten Auswahlverfahren ohne Chance auf einen Studienplatz in dem NC-Fach geblieben waren, sei klar gewesen, dass ihr Recht aufs Studium mit dem Gerichtsurteil nur vorläufig galt.

"Für jeden individuell ist das eine unschöne Geschichte", kommentiert Kästner den Fall, "aber dass noch einmal über den Fall entschieden wird, stand fest. Medizin ist nun einmal ein zulassungsbeschränktes Fach und da muss die Allgemeinheit beim Auswahlverfahren gleichwertig behandelt werden." Es scheine nicht angemessen, Studierende, die ein Gerichtsverfahren geführt haben, anderen Bewerbern vorzuziehen. Die erstinstanzliche Fehlentscheidung habe ihnen einen Sondervorteil auf Kosten der Gemeinschaft beschert, die die eng begrenzten Kapazitäten mit ihnen teilen mussten.

So hart das Urteil, so tolerant die Umsetzung: Louis und die 21 anderen Betroffenen dürfen bis zum Ende des Sommersemesters 2014 am 30. September noch alle Prüfungen ablegen. Die Ergebnisse werden anerkannt, so dass sie alle sich bundesweit an den Universitäten zum dritten vorklinischen Fachsemester Medizin bewerben können.

Natürlich werde auch die TU Dresden eventuelle Bewerbungen entgegennehmen, erklärt Kästner. Allerdings gebe es da keinerlei Sonderbonus.

Das wird Sachsens Linke unter Umständen nicht freuen. Die nämlich hatte in einer kleinen Anfrage vor dem Hintergrund eines drohenden Ärztemangels im Freistaat das Problem öffentlich gemacht und die Regierung um Aufklärung gebeten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.08.2014

Juliane Weigt

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