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Starthilfe für ein kluges Mädchen in Dresden

Starthilfe für ein kluges Mädchen in Dresden

Was würden Sie mit viel Geld anstellen? Mit so richtig viel Geld? Die 17-jährige Schülerin Y Nhi muss in ihrem Fall nicht lange überlegen: "Ich gründe dann selber eine Stiftung.

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Die 17-Jährige hochbegabte Schülerin Y Nhi aus Vietnam lebt seit acht Jahren mit ihrer Mutter in Dresden. Seit 2010 erhält sie eine individuelle Förderung durch das Programm FairTalent der Roland-Berger-Stiftung.

Quelle: Andor Schlegel

Von ANNETTE THOMA

Und zwar für Obdachlose und Kinder in Vietnam."

Y Nhi wohnt schon acht Jahre in Dresden, wurde aber im vietnamesischen Danang geboren. Sie ist seit 2010 Stipendiatin der Roland-Berger-Stiftung und nimmt an deren Fair-Talent-Programm teil. Die Stiftung unterstützt sozial bedürftige Kinder und Jugendliche, die eine Bereitschaft zu sozialem Engagement an den Tag legen und eine Hochbegabung aufweisen.

Derzeit werden rund 150 Stipendiaten in Hessen, Thüringen und Sachsen gefördert. "Das Ziel bis 2013 ist, das Fair-Talent-Programm in allen Bundesländern bekannt zu machen", kündigt Rolf Koerber, der Leiter des Bildungsprogramms in Sachsen, an.

"Die Förderung ist bei jedem Stipendiaten anders und immer individuell", erklärt Koerber. Auf jeden Jugendlichen werden die Bedürfnisse und Ansprüche neu zugeschnitten. So bekommt ein Stipendiat, der beispielsweise musikalisch hochbegabt ist, den Unterricht und die Leihgebühr für das Instrument bezahlt, ein anderer erhält einen Nachhilfeunterricht, der über das schulische Niveau herausragt. Das Geld der Stiftung wird ausschließlich in die Stipendiaten investiert, sie erhalten kein bares Taschengeld.

Eine Lehrerin von Y Nhi hatte bei ihr eine überdurchschnittliche Intelligenz festgestellt und sie deshalb auf die Stiftung aufmerksam gemacht. "Ich habe mir bei der Bewerbung natürlich sehr viel Mühe gegeben, aber ich hatte keine Hoffnung, dass sie mich nehmen", erzählt Y Nhi. Doch es hat geklappt. Und sich gelohnt.

Y Nhi ist allgemein hochbegabt, hat ausschließlich sehr gute Noten in der Schule. "Mir fällt es leicht, Zusammenhänge schnell herzustellen. Deshalb mag ich eigentlich jedes Fach in der Schule - außer Sport." Dass sie keine Schwierigkeiten hat, Neues zu lernen, fällt sofort auf, wenn sie anfängt zu reden. Sie hatte zwar nur in der Grundschule einen Deutschkurs, "aber in der 7. Klasse habe ich dann alles verstanden." Als sie nach Deutschland kam, konnte sie kein Wort Deutsch.

Y Nhi erhält durch die Stiftung zusätzlichen Englischunterricht, weil sie die Sprache für ihr weiteres Berufsleben beherrschen will. Außerdem bekommt sie den Unterricht für Konzertgitarre bezahlt.

Ohne die Stiftung könnte sich Y Nhis Mutter das alles nicht leisten. Sie ist alleinerziehend und hat deshalb nicht viel Geld zur Verfügung. Sie hat sich mit einem Nagelstudio selbstständig gemacht. Die Gitarre für Y Nhi hat sie sich zusammengespart. Ihr Vater lebt in ihrem Heimatland Vietnam, die Eltern sind getrennt. Die junge Schülerin weiß: "Ich kann so einiges durch die Stiftung lernen."

Die Förderung durch die Roland-Berger-Stiftung läuft von der Grundschule bis maximal zum Abitur. "Je früher man die Kinder unterstützen kann, desto besser. Aber wir haben natürlich auch Anforderungen an die Stipendiaten", erläutert Rolf Koerber. Jeden Monat finden Wahl- und Pflicht-Seminare statt, die die Schüler fordern und fördern sollen. "Teil des Programmes sind beispielsweise Seminare zur Selbstbehauptung und Etikette. Aber sie lernen auch, mit Geld umzugehen und erfahren viel im kulturellen und politischen Bereich."

Ende Februar fand eine Art Sonderaktion der Stiftung statt: Zwölf Stipendiaten - darunter auch Y Nhi - besuchten die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. An diesem Tag war es möglich, mit dem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann über wirtschaftliche und politische Themen zu diskutieren. Y Nhi stellte ihm eine besondere Frage: "Wie fühlt es sich an, jeden Tag aufzuwachen und zu wissen, dass man reich ist?" Josef Ackermann wollte sich nicht über seinen Kontostand beklagen, aber man dürfe trotz des Luxus nicht abheben, war seine Antwort.

Man könnte meinen, dass sich eine so hochbegabte Schülerin, die kurz vor ihrem Abitur steht, schon längst für einen beruflichen Werdegang entschieden hat. Aber die zierliche Y Nhi hat dies keineswegs. "Studieren will ich auf jeden Fall, vielleicht Wirtschaft oder Chemie. Aber festgelegt habe ich mich noch nicht. Auch wo, weiß ich noch nicht." Aber ein Ziel hat sie: "Ich will später viel, viel Geld verdienen. Dann gründe ich selbst eine Stiftung. Ich will den Obdachlosen und Kindern in Vietnam helfen." Y Nhi kennt das Elend in ihrem Heimatland: "So viele Kinder sind sich selbst überlassen und wissen nicht, ob sie den Tag überstehen. Kein Kind darf so etwas erleben!" Während sie das sagt, wird sie ernst. Und man merkt, dass sie es auch ernst meint. Ihr Wunsch, anderen zu helfen, die noch bedürftiger sind als sie, beeindruckt.

Auch wenn ihr Dresden und Deutschland richtig gut gefallen - "Hier ist es so schön ruhig und leer!" -, möchte Y Nhi sich nicht auf ein Land festlegen. Stattdessen will sie die Welt bereisen. Und Kinder möchte sie, sagt sie lächelnd. "Am liebsten zweieiige Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2012

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