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Schulmisere in Dresden und Leipzig im Vergleich

Schulmisere in Dresden und Leipzig im Vergleich

Platzmangel, Geldmangel und viel zu viele marode Gebäude: Um Dresdens Schulen ist es eher schlecht bestellt. Das ist bekannt. Manchmal lohnt sich ja ein vorsichtiger Blick über den Tellerrand.

Sanierungszustand der Schulen von Leipzig und Dresden

Anlagen im Bau saniert teilsaniert unsaniert Summe

Grundschulen 4 2 19 6 20 14 24 39 67 61

Mittelschulen 1 1 6 5 9 9 9 14 25 29

Gymnasien 4 4 5 10 5 3 1 4 15 21

BSZ + 2. Bildungsweg 0 0 8 6 3 3 1 8 12 17

Förderschulen 0 0 7 7 6 4 0 7 13 18

Gesamt 9 7 45 34 43 33 35 72 132 146

Quelle: Stadtverwaltungen Leipzig und Dresden Rot = Dresden, Schwarz = Leipzig

Platzmangel, Geldmangel und viel zu viele marode Gebäude: Um Dresdens Schulen ist es eher schlecht bestellt. Das ist bekannt. Manchmal lohnt sich ja ein vorsichtiger Blick über den Tellerrand. Nach Leipzig zum Beispiel. Geht es dem Nachbarn ähnlich? Und wie versucht er, aus der Schulmisere zu kommen? DNN beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Von Katrin Richter

Rechnet Leipzig mit einem ähnlichen Schüleransturm wie Dresden?

Ja, die Zahlen gleichen sich: Im Moment lernen an den 146 kommunalen Schulen in Leipzig 46 200 Schüler, darunter 13 300 Grundschüler. In zehn Jahren werden es laut Prognosen 60 500 Schüler, also fast 15 000 mehr sein. In Dresden gibt es gegenwärtig 132 Schulen. Und was die Schülerprognosen angeht, wird sich die Anzahl der Schüler von gegenwärtig 49 500 auf 66 000 in zehn Jahren erhöhen. Macht summa summarum einen Zuwachs von 16 500 Schülern.

Wie viele Schulgebäude sind sanierungsbedürftig?

Beide Städte haben lange Jahre viel zu wenig in die Schulen investiert, die nach den vom Kultusministerium erzwungenen massenhaften Schulschließungen übrig geblieben waren. Von den 146 Leipziger Schulgebäuden sind lediglich 34 saniert, 33 teilsaniert, 72 unsaniert und sieben im Bau. In drei Schulen mussten jetzt nach Informationen aus dem Leipziger Presseamt Räume baupolizeilich gesperrt werden. In Dresden sind nach Informationen von Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes, die Ober- und Dachgeschosse von vier Schulen (aus Brandschutzgründen) und die Kellerbereiche von vier weiteren Schulen (wegen Schimmelbefalls) gesperrt. Unterrichtsräume seien nicht betroffen, so Schmidtgen. Was die Sanierung anbelangt, steht Dresden mit neun Schulen im Bau, 45 sanierten, 43 zum Teil sanierten und 35 unsanierten Schulen deutlich besser da als Leipzig (siehe Tabelle).

Wie viele Schulen müssen beide Städte neu bauen oder erweitern?

Angesichts des Schüleransturms haben sich beide Städte gezwungenermaßen einiges vorgenommen: Leipzig sieht 21 neue Schulstandorte, darunter neun Reaktivierungen vor - neun Grundschulen, sieben Mittelschulen, fünf Gymnasien. Der Sanierungsstau beträgt in Leipzig rund 570 Millionen Euro, in Dresden geschätzte 650 Millionen Euro. Diese Zahl stammt laut Schmidtgen aus dem Jahr 2008. Die Dresdner planen bis 2020/21 jeweils vier neue Grund- und Mittelschulstandorte sowie Gymnasien plus zehn Erweiterungen. Ab 2021/22 sollen dann noch eine neue Grundschule, zwei Mittelschulen und ein Gymnasium folgen.

Wie viel Geld steckt Dresden in den Schulbau, wie viel Leipzig? Reicht das aus?

Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) schlug jüngst in der "Leipziger Volkszeitung" Alarm: Die für 2013 geplanten 29 Millionen Euro (inklusive Fördermittel) würden bei weitem nicht reichen, um "die Pflichtaufgabe als Schulträger angemessen zu erfüllen". Bekanntlich ist Leipzig hoch verschuldet. Die Stadt will in den nächsten 25 Jahren ihren 733 Millionen Euro hohen Schuldenberg abgetragen haben. Dresden steht dank des Woba-Verkaufs schuldenfrei da. Aber auch hier reichen die bislang vorgesehenen Gelder nicht vorn und nicht hinten. "Wir brauchen 70 Millionen Euro pro Jahr für Neu- und Erweiterungsbauten plus 20 bis 30 weitere Millionen, um den Sanierungsstau abzubauen", sagt Schmidtgen. Allein bis 2019 gebe es einen zusätzlichen Investitionsbedarf von 240 Millionen Euro. Bislang plant Dresden in diesem Jahr mit 58 Millionen Euro, 2013 mit 75 Millionen und noch ein Jahr später mit knapp 70 Millionen Euro.

Wie will Leipzig schneller und kostengünstiger bauen?

In Leipzig soll es ab 2013 ein zentrales Gebäudemanagement geben, das die Leistungen verschiedener Ämter unter einem Dach vereint. Der Nutzen: straffere Bauabläufe, effizientere Planung und Errichtung von kommunalen Neubauten, also auch Schulen. "Wir prüfen das auch für Dresden", sagt Amtsleiter Schmidtgen. Derzeit lägen aber noch keine verwertbaren Ergebnisse vor. Zweite Überlegung der Messestädter ist ein "Leipziger Schulmodell", das derzeit von den Stadträten diskutiert wird. Dabei handelt es sich um "wiederverwendungsfähige Projekte für den Neubau von Schulen und Kitas". Näheres sei allerdings erst nach den Sommerferien zu erfahren.

Schmidtgen hält diese Idee in Dresden für nicht sinnvoll. Zu speziell seien "der Zuschnitt der Flächen und die städtebaulichen Anforderungen für Schulneubauten".

Was will Dresden tun, um preiswerter und schneller zu bauen?

Wiederverwendungs-Projekte (WV-Projekte) gibt es seit Jahren für Einfeld-Schulsporthallen (4., 16. und 59. Grundschule) und neuerdings auch für Zweifeldhallen (117. Grundschule und Schulstandort Altenberger Straße 83). "Im Moment entwickeln wir ein WV-Projekt, um Plattenbauten vom Schultyp ,Dresden' schneller als dreizügige Mittelschule sanieren zu können", berichtet Schmidtgen. Die erste Schule, die so auf Vordermann gebracht werde, sei die 30. Mittelschule am Unteren Kreuzweg. In Pieschen will die Stadt bis 2014/15 eine neue Grundschule in Systembauweise errichten lassen. "Solche schon in der Halle vorgefertigten Schulen sind zwar nicht zwingend billiger zu haben, aber deutlich schneller zu bauen", erklärt der Amtsleiter. Die Idee sei ausbaufähig.

Ansonsten glaubt Schmidtgen: "Sparen an der falschen Stelle führt zu schnellerem Sanierungsbedarf." Mit Blick auf die Marktabhängigkeit sieht er "keine Möglichkeiten, die Baukosten zu reduzieren". Beschleunigt werden könnte der Schulhausbau, wenn "die Vergabeverfahren für öffentliche Auftraggeber vereinfacht würden" - wie es beim Konjunkturpaket II möglich gewesen sei. "Das würde uns richtig helfen", meint Schmidtgen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.05.2012

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