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Schulbuchmisere: Kurz vor den Ferien wissen Schulleiter nicht, wo sie neue Lehrbücher herbekommen

Schulbuchmisere: Kurz vor den Ferien wissen Schulleiter nicht, wo sie neue Lehrbücher herbekommen

Jetzt wird es langsam eng: Keine drei Wochen sind es noch bis zu den Sommerferien und Dresdens Schulleiter wissen noch immer nicht, bei welchem Lieferanten sie ihre neuen Schulbücher bestellen sollen.

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Die Schulbuchregale im Keller des Gymnasiums Cotta sind leer. Schulleiter Jürgen Karras wartet auf neue Bücher. Von welchem Lieferanten er sie bekommt, weiß er drei Wochen vor Ferienbeginn noch nicht. Übrigens: Zu DDR-Zeiten wurden die Uniformen der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) in diesem Keller gelagert.

Quelle: Christian Juppe

"Ich warte seit Wochen vergeblich auf die Information aus dem Schulverwaltungsamt", ärgert sich Frank Haubitz, Chef des Philologenverbandes Sachsen und Leiter des Gymnasiums Klotzsche. Bereits seit April habe er seine Bestellung fertig. Schlimmstenfalls könne es passieren, dass seine Schüler im September ohne neue Lehrbücher dastehen. Am Gymnasium Klotzsche geht es unter anderem um mehrere Klassensätze von Mathebüchern im Wert von etwa 50 000 Euro. Haubitz kritisiert, dass die Schulleiter so lange im Ungewissen gelassen würden, statt ihnen reinen Wein einzuschenken.

Grund für die Verspätung in diesem Schuljahr ist nach Informationen von Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes, "der erhöhte Bearbeitungsaufwand im Vergabeverfahren". Erstmals beziehe sich der Leistungszeitraum nicht nur auf ein Schuljahr, sondern auf drei Jahre. Die Schulen würden nun "zeitnah" schriftlich per Schulbuchinformation über ihre Lieferanten informiert, verspricht Schmidtgen. Einen genauen Termin nannte er nicht. Der Zuschlag an die Firmen sei am 23. Juni erteilt worden. Die Ausschreibung erfolgte europaweit.

Für das neue Schuljahr stehen Schmidtgen zufolge stadtweit 4,4 Millionen Euro für den Kauf von Schulbüchern, Arbeitsheften und Druckwerken zur Verfügung - 100 000 Euro weniger als 2013/14. Auf den einzelnen Schüler heruntergerechnet gibt es an den Grundschulen 53 Euro pro Nase für Schulbücher und Arbeitshefte. Werden wegen des Schüleransturms zusätzliche Klassen gebildet, sind es 75 Euro, weil dann alles neu gekauft werden muss. Oberschüler können mit 57 Euro rechnen, Gymnasiasten mit 66 Euro. Müssen zusätzliche Klassen gebildet werden, sind es in beiden Schularten 250 Euro pro Schüler. Bei Förderschulen variiert die Höhe des Zuschusses zwischen 27 und 52 Euro.

Schulleiter Haubitz erinnert sich mit großem Unbehagen an seine Bestellung vom vergangenen Jahr. "Das war eine einzige Katastrophe", schimpft er heute noch. Zu der Münchner Firma, die den Zuschlag für die Schulbücher des Gymnasiums Klotzsche erhalten hatte, habe er zunächst überhaupt keinen Kontakt herstellen können, weil dort schlicht niemand ans Telefon ging. "Dann hat man uns zum Teil die falschen Bücher per Post geschickt", berichtet der Schulleiter.

Schulleiter sehen noch ein weiteres Problem auf sich zukommen: "Womöglich werden wir jetzt auch die Bücher für die Lehrer aus unserem Schulbudget bestreiten", vermutet Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta. Eigentlich müsse der Arbeitgeber die Lehrbücher für die Pädagogen bezahlen. Hintergrund: Das Bundesarbeitsgericht hatte im vergangenen Jahr der Klage eines Pädagogen stattgegeben, der dem Land Niedersachsen den Kaufpreis für ein Mathebuch im Wert von knapp 15 Euro in Rechnung stellte (DNN berichteten). "Jetzt hat die Bildungsagentur in Dresden die Sache ans Schulverwaltungsamt weitergereicht und das Amt dann schließlich an uns", berichtet Karras. Das könne nicht die Lösung sein, findet er. Ein Lehrbuch sei nicht unter 15 Euro zu haben. "Und in der Oberstufe kommen wir dann rasch mal auf 40 Euro pro Lehrbuch", erklärt der Schulleiter.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2014

Katrin Richter

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