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Rentner will wieder unterrichten

Deutsch als Zweitsprache Rentner will wieder unterrichten

Die Sächsische Bildungsagentur (SBA) sucht händeringend Lehrer für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Der 67-jährige ehemalige Pädagoge Wolfgang Hahn meldete sich deshalb freiwillig als DaZ-Lehrer für eine Grundschule. Doch er braucht Geduld.

Seit sechs Jahren ist der frühere Schulleiter Wolfgang Hahn pensioniert. Hier in der 114. Grundschule in Mickten will er nach den Herbstferien Flüchtlingskindern Deutschunterricht geben. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist für ihn das A und O der Integration. Doch noch wartet er auf eine Entscheidung der Bildungsagentur.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. In den kommenden Monaten werden die Schulen in Dresden vermehrt Flüchtlingskinder aufnehmen, denn in Sachsen besteht eine Schulpflicht. Diese gilt  auch für Schutzsuchende und Asylbewerber. „Wenn die Familien von den zentralen Aufnahmestellen an Kommunen und Städte verteilt werden, müssen die Kinder zur Schule gehen“, erklärt Petra Nikolov von der Sächsischen Bildungsagentur (SBA). Doch dazu fehlt es an vielen Orten noch an Lehrpersonal und Kapazitäten. „Wir bereiten uns intensiv auf die nächsten Monate vor“, so Nikolov weiter. Vor allem die Nachfrage an sogenannten DaZ (Deutsch als Zweitsprache) Lehrern ist riesig. Über verschiedene Medien und das sächsische Kultusministerium sucht die SBA nun geeignetes Personal.

Wolfgang Hahn wird im November 67 Jahre alt und ist seit sechs Jahren Rentner. Der ehemalige Deutschlehrer und Schulleiter meldete sich nun auf Nachfrage der SBA freiwillig als DaZ-Lehrer für eine Grundschule. „Ich wurde von einer Bekannten aus dem SBA angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, noch einmal als Deutschlehrer für Flüchtlingskinder zu arbeiten“, erklärt Hahn. Nach einem kurzen Gespräch mit seiner Frau reichte er schließlich vor vier Wochen seine Bewerbung bei der SBA ein. „Meine Frau war zunächst nicht so begeistert. Aber sie kennt mich und unterstützt mich bei meiner Entscheidung. Immerhin war ich 40 Jahre Lehrer, deshalb steht es für mich außer Frage zu helfen“, so der 66-Jährige.

Wenn es nach Wolfgang Hahn ginge, würde er gerne schon nach den Herbstferien an der 114. Grundschule in Mickten anfangen. „Die Bewerbung wird derzeit in unserem Personalreferat bearbeitet. Dabei überprüfen wir die Eignung der Bewerber, ob sie in der Lage sind, als DAZ-Lehrer zu arbeiten. Im Fall von Herrn Hahn hoffen wir auf eine zeitnahe Entscheidung“, so Nikolov von der SBA. In den letzten Monaten sind in der Regionalstelle Dresden über 70 Bewerbungen wie die von Wolfgang Hahn eingegangen. Der Anteil der ungeeigneten formalen Bewerbungen liegt laut der SBA bei ungefähr 15 Prozent. Bezahlt werden die zusätzlich eingestellten DAZ-Lehrer Lehrer nach normalem Tarif, stundenweise.

Wenn alles nach Plan läuft, will Hahn zunächst für ein Jahr zwischen sechs und zehn Stunden wöchentlich unterrichten. Das entspricht etwa zwei Unterrichtstagen. DaZ-Klassen hat der 66-Jährige in seiner 40-jährigen Berufslaufbahn bisher zwar noch nicht persönlich unterrichtet, war aber in seinen 22 Jahren als Schulleiter an zwei Mittelschulen in Dresden für mehrere solcher Klassen verantwortlich. „Ich traue mir zu, höhere Klassen mit bereits vermittelteten Vorkenntnissen zu unterrichten. Ich habe Erfahrungen mit Migranten und bin ein routinierter Deutschlehrer“, so Hahn. Normalerweise benötigen die Lehrkräfte eine spezielle DAZ-Ausbildung. Diese kann aber während des Unterrichtens  nebenbei abgelegt werden. „Dazu werden berufsbegleitende Weiterbildungen angeboten“, erklärt Petra Nikolov.

Als ehemaliger Vorsitzender des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft in Dresden bemühte sich Wolfgang Hahn schon früher regelmäßig um die Schicksale von Kindern mit Migrationshintergrund. Unter dem Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gab er für Jugendliche und Schulabsolventen regelmäßig Bewerbungstraining und half bei der Integration in das Berufsleben. „Die deutsche Sprache ist das A und O für eine erfolgreiche Integration. Deshalb möchte ich an einer Grundschule helfen. Die Kinder sollen von Beginn an in unser Bildungssystem eingegliedert werden“, erklärt Hahn. Aus diesem Grund ist für den 66-Jährigen das Angebot, weiterhin zu unterrichten, selbstverständlich. „Die Kinder liegen mir sehr am Herzen. Sie haben das einfach verdient. Durch die bevorstehende Einschulung von sehr vielen Flüchtlingskindern kann jede helfende Hand gebraucht werden“, so Hahn.

Großer Bedarf an Lehrern für Deutsch als Zweitsprache

Der Lehrerarbeitsmarkt ist momentan leergefegt, das betrifft vor allem die Deutsch als Zweitsprache (DaZ)-Lehrer. „Diese brauchen wir aber dringend für die steigende Zahl der Flüchtlingskinder an den Schulen“, teilt das sächsische Kultusministerium mit.

Interessenten mit einem Lehramtsabschluss in den Fächern Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Deutsch als Fremdsprache (DaF), Deutsch und/oder einer Fremdsprache können als ausgebildete Lehrkräfte auch außerhalb des zentralen Einstellungsverfahrens in den Schuldienst eingestellt werden. Aufgrund der Ausnahmesituation durch den Zustrom an Flüchtlingskindern werden auch Lehrer ohne spezielle Ausbildung für DaZ oder DaF eingestellt. Dem Kultusministerium stehen für die zusätzlichen Einstellungen für 2015 und 2016 insgesamt 14 Millionen Euro zur Verfügung.

Auch Interessenten mit einem anerkannten ausländischen Lehramtsabschluss sind ausdrücklich gebeten, sich zu bewerben. Nähere Informationen zur Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse gibt es unter www.schule.sachsen.de/3704.htm.

Wer über eine der beschriebenen Voraussetzungen verfügt, bewirbt sich für Dresden und das Umland bei der Sächsischen Bildungsagentur (SBA): Regionalstelle Bautzen, Postfach 44 44, 02634 Bautzen, Kontakt: Simone.Reiss@sbab.smk.sachsen.de; Tel.: 03591/621-210; Regionalstelle Dresden, Postfach 230 120, 01111 Dresden, Kontakt: JanJosua.Krause@sbad.sachsen.de

Wer nicht über die genannten Voraussetzungen verfügt, aber Interesse hat, Flüchtlinge zu betreuen oder in Integrationskursen zu unterrichten, wendet sich an das zuständige Landratsamt oder die Stadtverwaltung.

Bei DaZ handelt es sich um ein so genanntes Lehramtserweiterungsfach. Das bedeutet, das Fach erwerben Lehrer zusätzlich zu ihren beiden Fächern. Man kann es momentan nur in Leipzig als drittes Fach studieren. Das Angebot soll auf Chemnitz und Dresden erweitert werden. Außerdem gibt es eine berufsbegleitende Weiterbildung für Lehrer, die keine Ausbildung für DaZ besitzen. Bis Sommer 2015 haben insgesamt 105 Lehrer eine solche Weiterbildung in Leipzig und Chemnitz abgeschlossen.

Im Wintersemester 2015/16 beginnt an der Uni Leipzig wieder solch eine Weiterbildung. In Chemnitz und Dresden laufen Planungen für weitere Zertifikatskurse DaZ. Außerdem gibt es auch im Fortbildungskatalog der Sächsischen Bildungsagentur Angebote für DaZ.

Die Zahl der Lehrerstellen, die für den Unterricht von Flüchtlingskindern bereitstehen, wurde im Schuljahr 2014/15 von 332 auf 632 im laufenden Schuljahr erhöht. Ein Großteil dieser zusätzlichen 300 Stellen ist bereits besetzt und das Einstellungsprogramm läuft noch weiter.

http://www.asylinfo.sachsen.de

http://www.bamf.de/DE/Infothek/Lehrkraefte/Zulassung/zulassung-node.html

Sebastian Burkhardt

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