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Rentner ran an die Tablet(t)s! - Intuitive Bildschirmrechner sollen digitale Kluft zwischen Alt und Jung schließen

Rentner ran an die Tablet(t)s! - Intuitive Bildschirmrechner sollen digitale Kluft zwischen Alt und Jung schließen

Immer mehr Menschen legen sich Tabletrechner statt PCs zu. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 4,3 Millionen "Tablets" verkauft - doppelt soviel wie im Vorjahr. Auch mehr und mehr Senioren entdecken diese Bildschirmcomputer, die so intuitiv mit Fingergesten gesteuert werden.

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Bernd Zschammer und Monika Manelik begutachten die Miniprogramme (Apps) auf dem Tablet.

Quelle: Dietrich Flechtner

In Dresden haben die "Stiftung Digitale Chancen" und E-Plus nun im Zuge eines Pilotprojekt Tablets an Rentner verteilt, um die digitale Kluft zwischen Jung und Alt zu schließen.

"Da muss man schieben." "Nein: wischen!" "Was hat denn das wieder zu bedeuten?" Acht Augenpaare beäugen neugierig die schwarzen Geräte, die der nette Mann auf den Tisch gelegt hat. Viele lugen über Brillengläser, zücken Kuli und Notizblock, um ja nichts zu vergessen. Der Tuschelpegel in der früheren Plattenbau-Wohnung an der Freiberger Straße, in der der Verein "Bürgernetz" sein Hauptquartier aufgeschlagen und die Senioren zum Tablet-Tag zusammentrommelt hat, nähert sich bedenklich dem einer aufgeregten Schulklasse.

Monika Manelik tastet sich prüfend über den berührungssensitiven Bildschirm mit dem Samsung-Logo. Huch: Ein Musikvideo startet. Die 66-Jährige hält sich den Tabletrechner ans Ohr: "Wo bleibt der Ton?!", mahnt die altgediente Elektrikerin. "Hier macht man lauter", eilt ein junger Bürgernetzler herbei, nestelt an einer Knopfwippe und lässt die Band rocken - na so ein Spaß...

"Die Nachfrage der Älteren ist enorm", sagt Jutta Croll von der "Stiftung Digitale Chancen", die das Projekt angestoßen hat. "Senioren, die vorher gar nicht auf die Idee kamen, sich mit dem Internet zu beschäftigen, fangen mit diesen Geräten plötzlich an, im Netz herumzusurfen. Sogar Parkinson-Kranke holen sich damit die große weite Welt ans Bett."

Croll führt das vor allem auf die einfachen Bedienkonzepte von Tablets zurück, die sich mit Fingergesten steuern lassen. "Ältere Menschen fällt die Augen-Hand-Koordination, wie sie für die Mausbedienung an klassischen PCs so wichtig ist, nun einmal schwerer als Jugendlichen", sagt die Stiftungs-Chefin. "Da lag für uns die Idee nahe, es bei den Senioren mal mit Tablets zu probieren."

In Norwegen zum Beispiel entwickelten Forscher vor zwei Jahren eine Art abgespecktes "Facebook für Senioren" und teilten dazu Tabletrechner an Demenzkranke in Altenheimen aus. Ergebnis: Viele Patienten nutzten die Tablets, um wieder soziale Kontakte zur Außenwelt zu knüpfen.

Und das funktioniert mit gesunden Rentnern umso besser: "Viele Senioren melden sich mit den Geräten bei Facebook und ähnlichen Netzwerken an und finden dort Kontakt zu Chören oder tauschen sich über Reiseziele aus", erzählt Harald Geywitz vom Kommunikationsunternehmen "E-Plus", das die Tablet-Aktion mitfinanziert hat.

Acht Tablets haben er, Croll und der Bundestagsabgeordnete Andreas Lämmel (CDU) gestern erst mal für vier Wochen in der Seniorengruppe des "Bürgernetzes" abgeladen - zwei Geräte bleiben dauerhaft dort, verspricht Croll.

Derweil hat Manelik noch mehr auf ihrem Tablet entdeckt. "Ich werde das Gerät wohl nutzen, um den Wetterbericht abzufragen oder mich zu informieren, wo ich einkaufen kann", sagt sie, als sie das Gerät für einen kurzen Augenblick aus der Hand legt. "Bildbearbeitung kann man damit ja wohl leider nicht machen", fügt sie kritisch hinzu.

"Ich will technisch am Ball bleiben", erklärt Gerhard Walther von der anderen Tischseite. Der 76-Jährige hat rasch den Dreh raus. Zack-zack-zack, wischt er über den Bildschirm, vergrößert Internetseiten mit einer Handbewegung. Eben auch so ein Tablet-Vorteil: Schriftgrößen sind - anders als auf Papier - keine Fesseln mehr. "Wichtig ist aber bei älteren Menschen, dass immer einer da ist, der alles richtig erklärt", meint er. "Wenn man alt wird, vergisst man so schnell..." - sagt er, schnappt sich wieder den Tabletrechner und wischt wie elektrisiert über den Schirm.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2013

Heiko Weckbrodt

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