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Problem beim Lehrernachwuchs: Neulinge gehen lieber nach Dresden als aufs platte Land

Problem beim Lehrernachwuchs: Neulinge gehen lieber nach Dresden als aufs platte Land

Mit dem Millionenprogramm zur Unterrichtsabsicherung wollte Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) die größten Lücken im Lehrkörper füllen. Der Lehrer-Nachwuchs nutzt das Programm indes als Quereinstieg für die attraktiven Stellen in den Städten.

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Brunhild Kurth

Quelle: Andreas Döring

Das Kultusministerium will nun mehr Service bieten und mit Dialogmarketing bei der Lehrer-Werbung neue Wege gehen.

Für die 105 unbefristeten Lehrerstellen, die die Bildungsagentur zum Halbjahr zu besetzen hat, interessieren sich bislang 243 Bewerber. Die wissen aber genau, was sie wollen: Nämlich einen Job in Leipzig oder Dresden. Die großen, bunten Uni-Städte ziehen mehr als das platte Land. Schon für Chemnitz wird es schwierig, heißt es aus dem Kultusministerium in Dresden. "Wir haben enorme Schwierigkeiten, Bewerber für die ländlichen Regionen zu interessieren", sagt Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Aber genau da fehlen die Lehrer. Wer in der Stadt keine Stelle bekam, für den öffnet das von CDU und FDP eingeführte Programm zur Unterrichtsabsicherung eine Nebentür. Mit dem Programm sollten die akuten Personallöcher gezielt gestopft werden.

Laut Beobachtungen der Bildungsagentur sind mittlerweile viele junge Lehrer bereit, in Dresden und Leipzig kurzfristig einzuspringen mit der Aussicht, dort etwas Dauerhaftes zu bekommen.

Das Grundproblem bleibt indes: Dem sächsischen Bildungssystem gehen die Lehrer aus. Helfen soll nun ein neues Dialogmarketing, das laut Kultusministerium so noch nie da war - weder in Sachsen noch bundesweit. Teil des Dialogmarketings ist auch ein Kunden- und Servicecenter sein, das im ersten Halbjahr starten soll. Der Markt ist eben inzwischen auf der Seite der Absolventen, darauf will das Ministerium reagieren: "Früher mussten sich die Bewerber bei uns bewerben", sagt Reelfs, "heute bewerben wir uns bei den Bewerbern". Das sei für Sachsen absolutes Neuland. Und auf www.lehrer-werden-in-Sachsen.de bereits zu betrachten. "Es würde mich sehr freuen, wenn Sie unsere Schulen verstärken wollen", spricht Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) dort zu Absolventen, Abiturienten und jungen Pädagogen. Sie selbst sei "mit Leib und Seele" jahrelang Lehrerin in Sachsen gewesen. Unter dem Grußwort der Ministerin zeigt ein Diagramm die Altersstruktur des sächsischen Lehrkörpers auf: Die allermeisten Lehrer sind zwischen 45 und 60 Jahren alt. Wer sich für einen Lehrerjob in Sachsen interessiert, kann sich auf dem Portal registrieren lassen, um dann regelmäßig Post vom Kultus zu bekommen. Interesse besteht offenbar: Kurz vor Weihnachten startete der neue Webauftritt, einen Monat nach Freischaltung haben sich laut Ministerium schon 170 Personen angemeldet.

Dirk Reelfs spricht von einer neuen Servicekultur, die auch in der Sächsischen Bildungsagentur einziehen soll. Die steht bislang nicht gerade in dem Ruf, für anfragenden Pädagogennachwuchs den roten Teppich auszurollen. Immer wieder gab es Beschwerden über mangelnden Service in der Agentur.

Laut Rechnungen des Ministeriums werden bis 2016 jährlich zwischen 400 und 700 Lehrerstellen frei. Danach gehen jährlich rund 1600 Lehrer in Rente. Die Herausforderungen durch diesen Generationswechsel haben im vergangenen Jahr die Haushaltsverhandlungen bestimmt und zum Wechsel an der Spitze des Kultusressorts geführt. Weil Ex-Kultusminister Roland Wöller (CDU) die nötigen Mittel und Stellen nicht bekam, trat er im März zurück. Nachfolgerin Kurth bekam die Höhergruppierung für Grundschullehrer und einen über 400 Millionen Euro schwereren Bildungsetat als zuvor Wöller. Für neue Lehrer, Unterrichtsabsicherung, Schulhausbau sowie Kitas stehen demnach 2013 rund 2,8 Milliarden Euro und 2,9 Milliarden Euro in 2014 zur Verfügung.

Die Opposition im Landtag bezweifelt allerdings, dass damit der Abbau der Lehrerstellen tatsächlich gestoppt sein soll.

Christine Keilholz

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