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Offiziersschule Dresden: Vom Neustart in der Pampa zur Eliteschule

Offiziersschule Dresden: Vom Neustart in der Pampa zur Eliteschule

Vor genau 15 Jahren wurde in der alten Garnisonsstadt Dresden mit der Eröffnung der vereinten Offizierschule des Heeres (OSH) in der Albertstadt die Fortführung einer Tradition besiegelt.

Beeindruckendes Ensemble am Rande der Dresdner Heide: Die Offizierschule des Heeres zählt heute zu den modernsten und namhaftesten militärischen Bildungseinrichtungen weltweit.

Quelle: OSH

Von Jane Jannke

Heute ist die Dresdner OSH eine der führenden militärischen Nachwuchsschmieden weltweit. Mit der feierlichen Umbenennung der Albertstadt-Kaserne am heutigen Sonnabend durch Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) trägt ihre Heimstatt von nun an den Namen eines Volkshelden: Graf-Stauffenberg-Kaserne.

Die meisten Mitarbeiter der OSH der Bundeswehr in Hannover sind an jenem Freitagmittag vor 20 Jahren schon auf dem Heimweg, als plötzlich die Nachricht hereinflattert: Die Offizierschule zieht um. Doch nicht etwa in die neue Bundeshauptstadt Berlin, wie viele hofften, sondern ins verschlafene Dresden. Vielen geht es damals wie Renate Heistermann, heute stellvertretende Leiterin der Schulbibliothek. "Die erste Reaktion war damals: Oh Gott, das ist doch am Ende der Welt, irgendwo in der Pampa!" Heute ist das vergessen: Nach 15 Jahren sei ein Wegzug aus Dresden undenkbar, sagt Heistermann.

Ungeachtet aller Zweifel erfolgt am 2. Juni 1996 in Dresden auf 40 Hektar Fläche der Spatenstich an der Marienallee. Für rund 300 Millionen Mark entsteht aus heruntergewirtschafteten Kasernen der NVA und der Sowjetarmee ein Vorzeigecampus mit Hörsaalzentrum, Sportpark, Schwimmhalle, Mensa und Unterkünften für 1000 Schüler. Insgesamt werden 20 Altbauten saniert, acht Neubauten errichtet.

Neubeginn im Chaos

Schaut man sich heute den Schulstandort mit seinen modernen Gebäuden und den gepflegten Anlagen an, mag man sich kaum vorstellen, wie hier einst begonnen wurde. Verteidigungsminister Volker Rühe ahnte, dass seine CDU bei der unmittelbar bevorstehenden Bundestagswahl schlechte Karten hatte - und wollte dieses Prestige-Projekt unbedingt zu Ende bringen. So eröffnete die neue Offizierschule am 14. September 1998 vorfristig. "Mindestens ein halbes Jahr zu früh", bemerkt Renate Heistermann. "Zur Eröffnung herrschte das pure Chaos. Das Hörsaalzentrum war eine Baustelle, eine einzige riesige Dreckwolke." Selbst als die Bibliothek zum Jahreswechsel einzog, hauste der Mitarbeiterstab noch in kaum mehr als einem Zimmer. Der Schulbetrieb lief schon, während im Haus gehämmert und gebohrt wurde.

Heute sind die harten Anfangszeiten Geschichte. Die jährlich 800 Offizierschüler genießen eine Ausbildung auf höchstem Standard. "So sollte es auch sein", sagt Oberstleutnant Walter Kron, seit Juli Kasernenkommandant der OSH und bereits seit 2002 in Dresden. "Die höchste Ausbildungseinrichtung des Heeres sollte in Sachen Ausrüstung und Ausbildung schon an der Spitze stehen." Dass sie dies tut, zeige sich in dem Zustrom von Studenten aus aller Welt. "Man schaut ohne Zweifel international nach Dresden." Zu Offizierschulen aus circa 30 Ländern pflegt die OSH Austauschbeziehungen. Das sei nicht nur für den Lehrstandort Dresden wichtig, sondern diene auch der Vertrauensbildung auf politischer Ebene.

Das Lehrgeschehen hat sich infolge der Ausbildungsreform 2006 stark verändert. Früher seien die Schüler als fertige Akademiker von der Bundeswehr-Uni zum sechsmonatigen Offizierslehrgang angereist. "Das waren Männer Mitte/Ende 20, die auch charakterlich gereift waren", so Kron. Seit der Reform kommen die Schüler zwei Mal zu je dreimonatigen Lehrgängen an die OSH - einmal direkt nach dem Abitur, vor dem vierjährigen Universitätsstudium, und ein weiteres Mal danach. "Mit 19-Jährigen muss man natürlich ganz anders umgehen. Das war schon eine große Umstellung für den Lehrkörper." Die Auswirkungen zeigten sich in den kommenden Jahren; die ersten Absolventen des neuen Systems stünden gerade am Anfang ihrer Bewährungsprobe im Truppendienst.

Die Strukturreform, die die Bundeswehr seit Mitte der 90er-Jahre durchläuft und im Zuge derer der Bund Milliarden an den Streitkräften einspart, hat die OSH gut überstanden. Die Zeichen stehen auf Wachstum. 300 Schüler mehr werden im nächsten Jahr den Campus bevölkern. "Das bringt uns an die Grenzen unserer Kapazitäten", verrät Kron. Wenn wie derzeit geplant ab 2017 auch die dreimonatige Sprachausbildung nach Dresden verlagert werden sollte, wird es richtig eng. "Noch mehr Schüler werden dann statt bisher drei sechs Monate am Stück hier sein. In den kommenden Jahren stehen deshalb umfangreiche Baumaßnahmen an." Unter anderem soll das Hörsaalzentrum einen vierten Flügel erhalten; auf der anderen Seite der Marienallee wird ein neues Unterkunftsgebäude mit 200 Betten entstehen.

Volksheld als Namensgeber

Doch zunächst steht großer Bahnhof ins Haus. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) reist am heutigen Sonnabend an, um der OSH und einem ihrer Söhne eine besondere Ehre zu erweisen. Weil die bisherige Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen im nächsten Jahr geschlossen wird, hatten sich die Hinterbliebenen Claus Schenk Graf von Stauffenbergs an den Minister gewandt, mit der Bitte, man möge dem Namen Stauffenberg auch weiterhin einen Platz in der militärischen Tradition einräumen.

"An prominenterer Stelle als in Dresden hätte man dem nicht Rechnung tragen können", freut sich Kasernenkommandant Kron über die Entscheidung, jenen Ort nach Stauffenberg zu benennen, an dem dieser von 1927 bis 1928 selbst das Offiziershandwerk erlernte. "Er war einer, der dazugelernt hat", so Kron. "Er war ja zu Anfang dem Nazi-Regime durchaus nicht abgeneigt, hat dann aber gesehen, was dahinter steckt und die Konsequenzen gezogen - bis hin zur Aufgabe seines Lebens."

Am Sonnabendnachmittag hat die alte Namenstafel der Albertstadt-Kaserne ausgedient. Statt ihrer werden zwei neue den Eingangsbereich der Graf-Stauffenberg-Kaserne zieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2013

Jane Jannke

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