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Nachhilfe für Dresdner Förderschüler scheitert am Geld

Nachhilfe für Dresdner Förderschüler scheitert am Geld

Stefan (*) kann gut mit alten Leutchen umgehen. Er kümmert sich gern um sie, will Altenpfleger werden. Was ihm nicht liegt, ist der ganze theoretische Kram.

Von Katrin Richter

Doch ohne den kann der 17-Jährige die Prüfungen nicht bestehen. Also braucht er professionelle Förderung. Die aber verweigert ihm die Bildungsagentur und verweist auf eine schulinterne Lösung, die nicht wirklich eine ist.

Seit September vergangenen Jahres geht Stefan an die Berufsfachschule für Pflegehilfe am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) für Gesundheit und Sozialwesen. Zuvor hat der junge Mann, der aus nicht einfachen familiären Verhältnissen kommt, die Förderschule für Lernbehinderte "Am Leutewitzer Park" besucht und dann ein Berufsvorbereitungsjahr an der privaten Adolph-Kolping-Schule absolviert.

"Wir haben die zweijährige Aus- bildung zum staatlich anerkannten Pflegehelfer ganz neu eingerichtet", be-richtet Michael Schubert, Leiter des BSZ für Gesundheit und Sozialwesen. Der Bildungsgang sei geeignet für junge Leute mit Hauptschulabschluss wie Stefan. "Es handelt sich um eine stark praxisorientierte Ausbildung", erklärt Schubert. Sie beinhalte zwei längere Praktika in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen.

Während Stefan in der Praxis sehr gut klarkommt, mangelt es ihm in der Theorie an grundlegenden Voraussetzungen. "Klassenlehrerin Diana Zander hat mir sehr zeitig, nämlich schon im Oktober, Zeichen gegeben, dass Förderbedarf besteht", sagt der Schulleiter. Stefan sei hochmotiviert, doch ohne eine spezielle Förderung schaffe er die Prüfungen mit Sicherheit nicht, bestätigt Diana Zander.

Darauf hin habe es Gespräche mit der Mutter und dem Heim, in dem er lebt, gegeben. Das BSZ hat die nötige Erfahrung, in vielen Bildungsgängen sitzen behinderte Schüler. "Eine in Teilzeit beschäftigte Lehrerin an unserer Schule wäre bereit, Stefan vier Stunden pro Woche die notwendige Förderung zu geben", so Schubert. Ende November sei der Antrag gestellt worden und seit Mitte Januar liege ein rechtskräftiger Bescheid der Bildungsagentur an die Mutter vor (siehe Ausriss). "Dieselbe Bildungsagentur verweigert jetzt die Bezahlung der vier Wochenstunden für die Lehrerin sowohl zum Beginn des Halbjahres als auch zum neuen Schuljahr", empört sich Schubert.

"Die Förderstunden sind nicht an eine bestimmte Lehrkraft gebunden, der Schulleiter ist vielmehr angehalten, im Rahmen seines Stundenbudgets eine schulinterne Lösung zu finden", teilt Katrin Reis, Sprecherin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, auf DNN-Nachfrage mit. Schuberts Problem löst das allerdings nicht wirklich, denn am BSZ fällt schon jetzt Fachunterricht, darunter Englisch, aus, weil es an Lehrern mangelt.

"Ich fühle mich alleingelassen und bin auch deshalb so enttäuscht, weil uns die Bildungsagentur in der Dienstbesprechung der Schulleiter extra den Auftrag gegeben hat, uns dem Thema Integration / Inklusion zu stellen und die notwendigen Förderanträge einzureichen", resümiert Schulleiter Schubert.

(*) Name geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.02.2012

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