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Kleider machen Lehrer? Was Lehrer, Schüler und das Kultusministerium vom Outfit der Pädagogen in der Schule halten

Kleider machen Lehrer? Was Lehrer, Schüler und das Kultusministerium vom Outfit der Pädagogen in der Schule halten

Banker tragen Schlips, Mediziner weiße Kittel, Polizisten Uniform. Für Lehrer jedoch existieren keine Kleidervorschriften. Lehrer sein heißt, einen Beruf zu haben, für den es keine Uniform gibt.

Früher war die Sache einfach: Lehrerinnen trugen Kostüm und Bluse, Lehrer Anzug und Krawatte. Und heute? Mancher Lehramtsanwärter fragt sich schon, was er am besten anziehen sollte, um weder bei Lehrern noch bei Schülern abschätzige Blicke zu ernten.

Ronny Naake, Referendar an der 30. Grundschule, jedenfalls bekommt ein Feedback zu seinem Outfit bereits von den Erst- und Zweitklässlern. "Als ich mal ein vergleichsweise langes T-Shirt anhatte, bin ich gleich gefragt worden, ob ich vielleicht vergessen hätte, mein Nachthemd auszuziehen", erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Naake bevorzugt im Unterricht "eher legere Kleidung, also Jeans und Pullover". Und - ach ja, im Studium sei den Studenten empfohlen worden, im Unterricht keine kurzen Hosen und Flipflops zu tragen. Eine Ausnahme in puncto Hosen macht lediglich Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche: Wenn er Shorts an hat, wissen seine Schüler, dass sie Hitzefrei bekommen.

Josefine, Schülerin der 11. Klasse, findet, "dass Lehrerinnen auf High Heels und krasse Ausschnitte" verzichten sollten. Auch "von eng anliegenden Oberteilen, unter denen sich Speckröllchen abzeichnen", hält die 17-Jährige nichts. An ihrer Schule, dem Pestalozzi-Gymnasium, würden Lehrer aber nicht daran gemessen, was für Klamotten sie anhaben. "Wir haben sogar einen Lehrer, der immer schwarze Lederhosen trägt, weil er mit dem Motorrad zu Schule kommt."

Erlaubt sei, was gefällt, sagt auch Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums. Pädagogen sollten Sachen anziehen, in denen sie sich wohlfühlen, sich nicht verkleiden, authentisch rüberkommen. Eine Bedingung gibt es aber doch: "Lehrer sind zur Neutralität verpflichtet und dürfen also mit ihrer Kleidung keine politischen oder religiösen Weltanschauungen zum Ausdruck bringen", so Reelfs. Die Kopftuchdebatte lässt grüßen.

Klaus-Dieter Pursche, Leiter des Gymnasiums Dreikönigschule in der Neustadt, bindet sich in der Regel einen Schlips um in der Schule. "Nur wenn es mir zu heiß wird im Sommer, verzichte ich auch mal drauf, und im Winter ziehe ich meistens einen Rollkragenpullover an", verrät er. Und manchmal fragt er seine Frau, ob Hemd und Schlips auch wirklich zusammenpassen. "Sie sagt mir dann schon, ob ich so herumlaufen kann."

Von Lehrern in knappen Shorts hält er nicht viel. Einen Kollegen habe er mal darauf hinweisen müssen, dass er so nicht vor die Klasse treten könne. "Und Referendarinnen und Praktikantinnen sage ich klipp und klar, dass sie weder bauchfrei noch mit Riesenausschnitt und auch nicht im kurzen Minirock erscheinen sollten", sagt Pursche. Sonst könnten sich die Schüler womöglich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren... Abgesehen davon nehme er es aber locker mit der Kleiderordnung der 55 Kolleginnen und Kollegen am Gymnasium. "Viele Lehrerinnen bei uns tragen breite Stirnbänder und Röcke über den Hosen", hat er beobachtet. Typisch Neustadt eben. Und dass Lehrer oder Schüler besonderen Wert auf Markenklamotten legen, sei ihm auch nicht bekannt.

Wer allerdings glaubt, dass Dinge, auf die man nicht angesprochen wird, auch nicht existieren, sieht sich spätesten beim Blick in die Abizeitung eines Besseren belehrt: Denn da erhalten Lehrer auf einmal Noten für ihr Outfit, wird der "sexiest" Lehrer bzw. das weibliche Pendant dazu gekrönt, wie ehemalige Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums zu berichten wissen. Der Titel freilich habe nicht nur mit dem Äußeren der Personen zu tun gehabt, fügen sie hinzu.

Und was ist mit dem Klischee, dass der Kunstlehrer eine bunte Brille trägt, der Chemielehrer im weißen Kittel, der Deutschlehrer im Sakko und der Sportlehrer grundsätzlich in Trainingshosen erscheint? Da sei durchaus was dran, bestätigen die hier Befragten, ohne Beispiele nennen zu wollen. Und eins steht auch fest: Bei Elternabenden, mündlichen Prüfungen (und Abibällen sowieso) holen Pädagogen meist ihre besten Klamotten aus dem Kleiderschrank. So schick kann der oder die also auch aussehen, dürfte sich mancher Schüler beim Anblick seiner Lehrer gedacht haben, die er sonst tagaus tagein nur in Jeans und T-Shirt gesehen hat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2013

Katrin Richter

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