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Kinder kochen mobil - Diakonie ist mit einem besonderen Projekt auf Dresdner Spielplätzen unterwegs

Kinder kochen mobil - Diakonie ist mit einem besonderen Projekt auf Dresdner Spielplätzen unterwegs

"Manche kennen offensichtlich nur Fertigessen aus der Mikrowelle, haben nur selten einen frischen Kohlrabi, geschweige denn eine Zucchini gegessen.

Einmal bekam ein Kind von seiner Mutter einen Euro fürs Abendbrot in die Hand gedrückt. Das Kind ging in die Kaufhalle und kam mit einer Chips-Tüte wieder." Thomas Chwoika hat schon einiges erlebt. Der gelernte Koch und studierte Sozialpädagoge arbeitet beim Diakonischen Werk Stadtmission Dresden e.V. Der christliche Verein betreut seit zehn Jahren drei Spielplätze rechtsseitig der Elbe.

Wöchentlich sind Sozialarbeiter, ehrenamtliche Helfer und Praktikanten für jeweils einige Stunden auf dem Schulhof der 8. Grundschule an der Konkordienstraße, im "Hansahof" zwischen Großenhainer und Hansastraße sowie auf dem "Schaukel-Spielplatz" des Plattenbauviertels im Jägerpark im Einsatz. "Seit zehn Jahren laden wir zu Spielen und Kreativangeboten ein - bei jedem Wetter", erzählt Sozialarbeiterin Tanja Kaminski. "Durch diese Angebote haben wir gemerkt, wie viele Kinder aus frischen Zutaten gekochtes Essen und gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie nicht kennen. Immer mehr Kinder sind übergewichtig durch Fast Food und Bewegungsmangel. Und das nimmt deutlich zu."

Vor vier Jahren begannen die Sozialarbeiter der Diakonie, auf den Spielplätzen mit den Kindern zu kochen. "Dreimal im Monat packen wir einen Gaskocher, Gasflasche, Töpfe, Geschirr, Besteck auf einen Fahrradanhänger und ziehen los. Wir sind auf Fördermittel und Spenden angewiesen. Einmal hat uns die Kirchgemeinde Grumbach ihre Erntedankgaben - Früchte des Feldes wie Kartoffeln, Kürbis, Zucchini - zur Verfügung gestellt. Davon konnten wir ein halbes Jahr lang zehren", erzählt Thomas Chwoika.

"Am Anfang guckten die Kinder komisch, dann schälten, schnippelten und kochten sie aber mit. Kartoffelkürbissuppe zum Beispiel. Ziemlich erstaunt stellten sie dann fest, dass man das nicht nur essen kann, sondern dass es auch noch schmeckt. "Kinder essen alles. Es kommt darauf an, wie man es ihnen anbietet. Und ganz wichtig ist, dass sie bei der Vorbereitung mitmachen dürfen und lernen, was gesunde Ernährung ausmacht", ist die Erfahrung von Tanja Kaminski.

Für sie und ihre Kollegen von der Diakonie-Stadtmission Dresden trägt die Aktion viele Früchte. "Die Kinder lernen, dass es Spaß macht, aus frischen, saisonalen Zutaten aus der Region leckere und vor allem gesunde Mahlzeiten zuzubereiten. Und dass es auch etwas Schönes ist, zusammen zu essen und nicht nebenher irgendetwas herunter zu schlingen", bringt es Thomas Chwoika auf den Punkt. "Man kommt beim gemeinsamen Kochen mit den Kindern viel leichter ins Gespräch und kann über Dinge reden, die sie beschäftigen. Und durch das Kochen bekommen wir mehr und mehr Kontakt zu den Eltern." Das ist auch das Besondere an diesem Projekt. Es verbindet Bildung, Gesundheitsförderung und soziales Erleben.

Ein Aha-Erlebnis war auch der Kirchentag vergangenes Jahr. Gemeinsam mit Kindern wurden im Ostragehege für die Kirchentagsbesucher gesunde Burger zubereitet. "Selbst ein Junge, der sonst keine zehn Minuten still sitzen kann, war wie die anderen viele Stunden hintereinander mit Eifer bei der Sache", freut sich Kaminski.

All das sind Gründe für die Diakonie, das Projekt "Kinder kochen mobil" auszuweiten. Der Verein Aufwind e.V. hat Geld für ein Wohnmobil gespendet, das jetzt zu einer mobilen Kinderküche umgebaut werden soll. Dafür werden dringend noch weitere Spenden benötigt. Auch Lebensmittel sind willkommen. "Frisch und aus der Region sollten sie sein. Gern kommen wir in der Erntesaison auch mit den Kindern aufs Land und lesen zum Beispiel Kartoffeln. Da lernen die Kinder bei der Gelegenheit, dass Chips nicht auf Bäumen wachsen."

Ab Mitte März - so der Plan - rückt das Mobil aus. In den Sommerferien könnte der Koch-Caravan die Kinder bei der angebotenen 5-Tage-Radtour begleiten. Chwoika und sein Team wünschen sich eine enge Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Interessierte Institutionen können sich an die Diakonie- Stadtmission Dresden wenden.

Kontakt über Andreas Kratzsch/ Bereichsleitung: 0351/ 89960310 oder per Mail an ambulantekjh.leitung@diakonie-dresden.de. Geldspenden an Diakonisches Werk-Stadtmission Dresden e.V., Kto.: 160160160, BLZ: 35060190 (Bank für Kirche und Diakonie), Stichwort: 77600/Kkm

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2012

Catrin Steinbach

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