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Keine angst vor der Rückkehr: Zwei Ägypterinnen nehmen an Sommerkurs für Deutschlehrer in Dresden teil

Keine angst vor der Rückkehr: Zwei Ägypterinnen nehmen an Sommerkurs für Deutschlehrer in Dresden teil

Nadja Kamal und Esraa Soliman aus Ägypten gehören zu den 40 Deutschlehrern aus aller Welt, die an einem zweiwöchigen Sommerkurs im Fortbildungs- und Tagungszentrum des Sächsischen Bildungsinstituts auf Schloss Siebeneichen in Meißen teilnehmen, bevor sie nach Hause zurückkehren.

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Nadja Kamal (l.) und Esraa Soliman kommen aus Ägypten. Gestern haben sie sich die Semperoper angeschaut. Die beiden nehmen an einem Sommerkurs für ausländische Deutschlehrer auf Schloss Siebeneichen in Meißen teil. Am Sonnabend fliegen sie zurück in ihre Heimat.

Quelle: Ralf U. Heinrich

DNN-Redakteurin Katrin Richter fragte die beiden, wie in Ägypten Schule gemacht wird, wie es ihnen in Dresden gefällt und natürlich nach ihrer Sicht auf die blutigen Unruhen in ihrer Heimat.

Wo genau leben Sie in Ägypten?

Nadja Kamal: Ich komme aus der Hafenstadt Alexandria, bin seit 27 Jahren Lehrerin an der Deutschen Schule der Borromäerinnen. Geboren bin ich in Köln. Meine Mutter war Deutsche, mein Vater Ägypter. Wir sind 1972 nach Ägypten ausgewandert. Heute lebe ich mit meinem Mann und unseren beiden Kindern in Alexandria.

Was ist das Besondere dieser Schule?

Nadja Kamal: Schulträger sind die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Borromäus mit Sitz in Kloster Grafschaft in Nordrhein-Westfalen. Ausschließlich Mädchen besuchen die Klosterschule - und zwar vom Kindergartenalter an bis zum Abitur beziehungsweise Fachabitur. Ich selbst gebe Deutsch in den 1. und 2. Klassen. Die 780 christlichen und muslimischen Schülerinnen werden von 60 Lehrern unterrichtet. Wir haben hier fast nur ägyptische Mädchen, die die deutsche Sprache erst an der Schule lernen.

Frau Soliman, wo sind Sie zu Hause?

Esraa Soliman: In Kairo, ich bin Studentin in einem binationalen Masterstudiengang an den Universitäten Kairo und Leipzig. Ich schreibe bald meine Masterarbeit im Bereich Kulturwissenschaft. Vielleicht werde ich Lehrerin, vielleicht auch Wissenschaftlerin. Das weiß ich noch nicht genau.

Sind Sie schon einmal in Dresden gewesen? Wie gefällt es Ihnen hier?

Nadja Kamal: Nein, das ist das erste Mal. Mir gefällt hier in Sachsen die frische Luft, dass es überall so schön grün ist und die vielen Sehenswürdigkeiten, die Gärten, die Burgen. Dass hier so viel Schönes an einem Platz ist, hätte ich nicht gedacht.

Esraa Soliman: Mich fasziniert vor allem die Architektur. Die haben wir in Ägypten leider nicht. Und die frische Luft, die haben wir leider auch nicht. Und die vielen hübschen Kinder. Ich habe immer gehört, dass die Deutschen nicht viele Kinder haben wollen. Aber das ist total anders. Ich sehe überall Kinder in Dresden!

Wann fliegen Sie wieder zurück nach Ägypten? Und haben Sie Angst?

Nadja Kamal: Am Sonnabend. Klar, in den letzten Tagen habe ich hier in Deutschland alle Nachrichten immer abgeklappert. Und natürlich mache ich mir Sorgen um meine Familie. Ich bin schon schockiert, was ich da jetzt immer im Fernsehen sehe. Aber Angst? Nein. Angst habe ich eigentlich nicht. Ich bin froh, dass die Muslimbrüder endlich abgesetzt sind und dass wir wieder ein bisschen Freiheit haben. Die waren zu fanatisch. Nur mit der Ausgangssperre ist es jetzt blöd. Wenn ich um Mitternacht ankomme, muss ich sehr wahrscheinlich am Flughafen übernachten und kann erst morgens nach Hause fahren.

Esra Soliman: Wir hatten eine solche Situation ja schon im vergangenen Jahr. An der Uni wurde manchmal gesagt, in der Nähe gibt es Gewalt, heute fallen die Seminare aus, geht lieber nach Hause. Wenn man so etwas schon mal erlebt hat, hat man weniger Angst. Ich weiß nicht, was passiert. Ich werde auf jeden Fall vorsichtig sein.

Was glauben Sie, muss in Ägypten geschehen, damit wieder Frieden herrscht?

Nadja Kamal: Das, was geschehen ist, das musste schon lange geschehen. Das Militär hat viel zu lange gewartet, bis es die Camps von den Muslimbrüdern geräumt hat. Und ehrlich gesagt, bin ich dem Militär dankbar. Es heißt immer, es sei ein Militärputsch gewesen. Aus meiner Sicht war es keiner. Vor anderthalb Monaten, als die Auseinandersetzungen angefangen haben, waren über 30 Millionen Leute auf der Straße, um zu sagen, wir wollen die Muslimbrüder nicht haben. Das wurde leider in den westlichen Ländern in den Medien kaum erwähnt. Das Militär hat Mursi erst abgesetzt, nachdem es gesehen hat, wieviele Leute wirklich auf der Straße waren. Für die Muslimbrüder ist es der Heilige Krieg. Für sie gibt es nur entweder den Tod oder den islamischen Staat. Seit 80 Jahren versuchen sie, an die Macht zu kommen.

Aber wie soll es jetzt in Ägypten weitergehen?

Esraa Soliman: Das ist eine schwierige Frage. Wir sind erst am Anfang der Demokratie. Deshalb wissen wir noch nicht, wie wir das Problem lösen können. Aber wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn man noch länger gewartet hätte, wäre die Situation noch schlimmer geworden. Vielleicht sollten wir Geduld haben und den Übergang akzeptieren und das annehmen, was passiert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.08.2013

Katrin Richter

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