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Kein TÜV für Sicherheit in Dresdens Kitas - Verletzter Dreijähriger nur notdürftig versorgt

Kein TÜV für Sicherheit in Dresdens Kitas - Verletzter Dreijähriger nur notdürftig versorgt

Wenn Eltern ihr Kind in eine Kita geben, tun sie dies fast immer in dem Vertrauen, dass ihr Kind dort gut aufgehoben ist. Dass dieses Vertrauen in der Regel auch gerechtfertigt ist, zeigen nicht zuletzt Umfragen.

Von Jane Jannke

So gaben in der letzten großen Befragung zur Kita-Situation in Dresden im Jahr 2008 über 80 Prozent der Eltern an, dass sich ihr Kind in der Kita wohlfühle. Doch was, wenn doch mal was passiert?

Wo kleine Kinder spielen, da wird getobt, auch mal gerauft. Kleinere Verletzungen oder Unfälle sind da vorprogrammiert und lassen sich in keiner Kita ausschließen. Umso wichtiger sind Maßnahmenkataloge, gut geschultes und vor allem ausreichend Personal - wie kürzlich der Fall eines Dreijährigen zeigte. Das Kind, das eine Einrichtung in freier Trägerschaft in Cotta besuchte, hatte sich in einer Tür einen Finger gequetscht. Nach Aussage der Eltern, die ihr Kind nach dem Vorfall aus der Kita nahmen, war der blutende Finger von den Erziehern nur notdürftig versorgt, das Kind selbst in den Waschraum geschickt und allein gelassen worden. Der Junge musste später in einer Notfallambulanz behandelt werden und hätte nach Einschätzung des Mediziners sofort ärztlich versorgt werden müssen. Die Erzieherin hatte den Eltern gegenüber erklärt, "kein Blut sehen" zu können.

In solchen Fällen ist für den Träger schlimmstenfalls guter Rat teuer, denn für Personenschäden haftet allein er. "Deshalb achten wir grundsätzlich darauf, dass bei uns alle Erfordernisse erfüllt, die Mitarbeiter immer gut geschult sind", erklärt Peter Michael Stroh, Vorsitzender des betreffenden Trägers, der Kindervereinigung Dresden e. V., und verweist auf das eigens eingeführte Qualitätshandbuch. Stroh spricht von einer "Verkettung unglücklicher Umstände", die Erzieher seien durch einen weiteren Unfall kurzzeitig abgelenkt gewesen. Auch erlaube der sächsische Betreuungsschlüssel nur eine begrenzte Zahl an Personal, zusätzliche Hilfskräfte müssten meist aus eigener Tasche bezahlt werden.

Ein Erzieher kommt derzeit in Dresden auf 13 Kita-Kinder. "Viel zu wenig", sagt auch Sabine Bibas, Leiterin des Dresdner Eigenbetriebes Kindertagesstätten. Sie fordert seit Längerem vom Kultusministerium die Anpassung des Betreuungsschlüssels auf mindestens 1:12. "Das würde aber einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Das lehnt das Land ab, und wir können das nicht stemmen." Den Faktor Mensch vermag auch kein noch so gutes Qualitätsmanagement auszuschalten: Stress und Überarbeitung erhöhen das Ausfallpotenzial.

Aber inwieweit wird überhaupt geprüft, ob Kita-Träger ihrer Sorgfaltspflicht auch wirklich nachkommen? Die Antwort dürfte viele Eltern überraschen, denn den universellen TÜV, der die Notfallvorsorge in den Kitas regelmäßig abklopft, gibt es nicht. Insgesamt 247 Kindertagesstätten gibt es in Dresden, 157 davon befinden sich in freier, 90 in kommunaler Trägerschaft. Soweit sie im Fachplan enthalten sind, sind zwar auch die freien Träger verpflichtet, sich an die Qualifikations- und Betriebsvorschriften der Stadt zu halten. "Die Einhaltung der Sicherheits- und Qualitätsvorschriften obliegt aber allein den Trägern", erklärt Sabine Bibas. Das heißt: Sobald die Betriebserlaubnis erteilt wurde, muss der Träger eigenverantwortlich dafür sorgen, dass das Personal regelmäßig geschult oder auch der Inhalt der Sani-Kästen erneuert wird. Ob dies in ausreichendem Maße geschieht, bleibt unklar.

Die Cottaer Kita hat sich derweil bei Eltern und Kind entschuldigt, weist aber eine persönliche Verantwortung von sich. Man wolle aber das Personal erneut in Sachen Notfallmanagement schulen, so Peter-Michael Stroh. Unabhängig überprüft wird dies aber auch weiterhin nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2012

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