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Jungs haben mehr Schulprobleme als Mädchen - Dresdner Sozialwissenschaftler sieht Ursachen in der Gleichbehandlung

Jungs haben mehr Schulprobleme als Mädchen - Dresdner Sozialwissenschaftler sieht Ursachen in der Gleichbehandlung

"Jungs sind auffälliger, schwieriger, unangepasster. Anders als die umgänglicheren, pflegeleichten Mädchen können sie nicht so lange still sitzen." Martin Rudolph ist Vater von fünf Kindern und weiß, wovon er spricht.

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Plädiert für mehr Männer in den Kitas und Schulen: Martin Rudolph, Sozialwissenschaftler von der TU Dresden.

Quelle: Carola Fritzsche

Der Sozialwissenschaftler von der TU Dresden beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, warum Jungen in Kindergarten und Schule in aller Regel schlechter abschneiden als Mädchen.

Der 1. Dresdner Bildungsbericht bestätigt zunächst ganz klar die These, dass Mädchen bessere Noten nach Hause bringen als Jungen: Aus dem Papier geht beispielsweise hervor, dass im Schuljahr 2010/'11 an Dresdens Gymnasien, Mittel- und Förderschulen doppelt so viele Jungs wie Mädchen ein Schuljahr wiederholen mussten. Hinzu kommt, dass 60 Prozent der Förderschüler Jungs sind. An der Sprachheilschule sind sogar zwei von drei Kindern männlichen Geschlechts. ,

Für das schlechtere Abschneiden der Jungs macht Rudolph vor allem den hohen Anteil an Frauen in Kindergarten und Schule verantwortlich. "An der Grundschule unterrichten keine fünf Prozent Männer, an den Kitas sind es nicht einmal drei Prozent", sagt der Wissenschaftler. Jungs würden daher bis zu zehn, elf Jahren fast nur mit Erzieherinnen und Lehrerinnen aufwachsen. "Die wissen dann nur, so bin ich nicht", erklärt Rudolph. Und wenn bis zu 28 Kinder in der Klasse säßen, sei die Lehrerin natürlich froh über die braven, lieben, netten Mädchen. Und renitente Jungs würden schnell zu Außenseitern abgestempelt. "Erschwerend kommt hinzu, dass Jungs ,Spätzünder' sind und Mädchen ihren Altersgefährten körperlich und geistig voraus sind", so Rudolph.

"Die Lehrerinnen und Erzieherinnen sollten ihrem Irrglauben abschwören, alle Kinder gleich behandeln zu wollen", fordert Rudolph. Dass dem so sei, hätten zahllose Befragungen in der Vergangenheit ergeben. "Das aber ist der größte pädagogische Unsinn", ist der Sozialwissenschaftler überzeugt. Jungen müssten anders behandelt werden als Mädchen. Rudolph plädiert für wesentlich mehr Bewegungsangebote. "Viele Freiflächen in Kindergärten sind geradezu lächerlich klein", kritisiert er. Wenn ein Junge das schwarze Schaf in der Gruppe ist, dann sei das fast immer das bewegungsintensivste Kind.

Wie es Kindern ergehen kann, hat dem Wissenschaftler vor einiger Zeit ein Junge ganz plastisch beschrieben: "Er ist morgens gut gelaunt in die Schule gegangen und nachmittags übellaunig, schweigsam, lustlos zurückgekommen. Auf meine Frage, was denn los sei, hat er geantwortet: ,Ach weißt du, das ist ganz einfach: Wenn ich morgens losgehe, habe ich eine Flasche Geduld und eine Flasche Freundlichkeit, wenn ich zurück komme, sind beide Flaschen leer'." Die Erklärung des Kindes spreche Bände. Wenn sich die Eltern nicht darum kümmerten, die beiden Flaschen wieder aufzufüllen, die Schule tue so gut wie nichts dafür. Das sei der große Irrtum der Schule, nur Leistungen einzufordern und auf das Auffüllen der Flaschen verzichten zu können.

Rudolph zufolge gibt es Untersuchungen, dass insbesondere die Mädchen bessere Leistungen haben, wenn sie Mathe und Physik getrennt von ihren Klassenkameraden haben. Zurück zu getrennten Jungen- und Mädchenschulen will der Sozialwissenschaftler aber nicht. "Ich bin in eine katholische Knabenschule gegangen", berichtet er. "Ich weiß, was das heißt." Eine schreckliche Zeit sei das gewesen, weil es äußerst verkrampft zugegangen sei zwischen den Geschlechtern.

"Mädchen sind meist fleißiger und lernbereiter, bei den Jungen ist häufig das logische Denken ausgeprägter", hat Mathias Gläsel, Leiter der 30. Grundschule an der Hechtstraße, beobachtet. Bei Mathe-Olympiaden jedenfalls seien die Jungs stärker vertreten. Dem Ruf nach mehr Männern im Schuldienst kann Gläsel nur beipflichten. An der "30." würden mittlerweile sechs Männer und 15 Frauen unterrichten. "Manchmal kommen Mütter zu mir, die einen Mann als Klassenlehrer für ihren Sohn wünschen, weil ihr Kind ohne Vater aufwächst", berichtet der Schulleiter. An der Grundschule gibt es zudem getrennte Ganztagsangebote für Jungs und Mädchen. Die Jungen beschäftigen sich laut Gläsel einmal pro Woche mit Kampfsportarten und lernen, mit Konflikten umzugehen. Die Mädchen treffen sich u.a. zum Tanzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2013

Richter, Katrin

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