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Junge Lehrer haben in Dresden schlechte Chancen auf einen Job

Junge Lehrer haben in Dresden schlechte Chancen auf einen Job

So weit hat die Schere noch nie auseinander geklafft: 621 junge Frauen und Männer haben sich im Großraum Dresden als Lehrer beworben. Aber gerade mal 108 Absolventen darf die Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, im Sommer unbefristet neu einstellen.

Hinzu kommen 36 auf nur ein Jahr befristete Einstellungen. Das sagte Sprecherin Katrin Reis auf DNN-Anfrage.

Ganz schlecht stehen die Chancen für junge Gymnasiallehrer. 327 Bewerber gibt es, aber nur neun erhalten im neuen Schuljahr eine unbefristete Einstellung an einem Dresdner Gymnasium. Das bedeutet, dass nur jeder 36. Interessent einen Job bekommt. "Um den Bedarf an Lehrern zu senken, werden die Klassen an den Gymnasien komprimiert, bis es nicht mehr geht", kritisiert Frank Haubitz, Chef des sächsischen Philologenverbandes und Leiter des Gymnasiums Klotzsche. Klassen an seiner Schule seien häufig mit 28 Schülern vollgestopft worden. "Das ist ein Signal in die falsche Richtung", sagt Haubitz.

Ähnlich düster wie an den Gymnasien sieht es an den Beruflichen Schulzentren (BSZ) aus. 97 junge Pädagogen haben sich beworben, lediglich vier Jobs sind im Angebot. An den Grundschulen kommen 116 Interessenten auf 44 freie Stellen, an den Oberschulen sind es 67 auf 26 Stellen. Weniger Bewerber als Stellen verzeichnen einzig und allein die Förderschulen: Hier gibt es nur 14 Bewerber, aber 25 freie Stellen.

Wie in den vergangenen Jahren dürften wieder viele Absolventen in den sauren Apfel beißen und sich breitschlagen lassen, schulartfremd zu unterrichten. Sie stellen sich dann als Gymnasiallehrer vor eine Grundschulklasse und werden auch nur dementsprechend bezahlt. Er als Mathelehrer könne sich zwar gerade noch vorstellen, am BSZ und notfalls auch an einer Oberschule zu unterrichten, meint Haubitz. "Ich würde mir aber niemals zutrauen, Erstklässlern das Einmaleins beizubringen, weil ich nicht die pädagogische Ausbildung dafür habe", erklärt er.

Eine ganze Reihe junger, gut ausgebildeter Lehrer wird sich auch außerhalb Sachsens nach Jobangeboten umsehen. Denn das Einstellungsverfahren in Sachsen werde sich wie in den vergangenen Jahren bis weit in die Sommermonate hinziehen, prophezeit Sprecherin Reis. Für viele ist das zu spät. "Und wenn unsere Absolventen einmal weg sind, sind sie weg", meint Schulleiter Haubitz. Aus Überzeugung kehre niemand nach Sachsen zurück.

So viel steht auch schon fest: Gesucht werden nicht nur Förderschullehrer. Bei den weiterführenden Schulen sind Bewerber für Mathe, Naturwissenschaften, Musik, Sport und Deutsch als Zweitsprache rar. Nach Berechnungen des Sächsischen Lehrerverbandes scheiden sachsenweit etwa 1130 Lehrer zum Jahresende aus dem Schuldienst aus. Ersatz für mindestens 350 Grund-, jeweils 300 Oberschul- und Gymnasiallehrer, 150 Förderschul- und 30 Berufsschullehrer werde also gebraucht.

Die Kultusministerin habe "die Weichen für einen Weg in Richtung noch mehr Lehrermangel" gestellt, betont Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag. So lasse sich der Unterrichtsausfall nicht reduzieren. "Die für das kommende Schuljahr geplanten Einstellungen sichern lediglich den Status quo", sagt auch Norbert Bläsner von der FDP-Fraktion. Im nächsten Haushalt müsse daher ausreichend Geld für mehr Lehrer bereitgestellt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2014

Katrin Richter

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