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Jugendhilfe vernachlässigt Zuzugsviertel

Jugendhilfe vernachlässigt Zuzugsviertel

Die Dresdner Jugendhilfe hat, wenn man an ihrer Kräfteverteilung misst, bisher nur unzureichend auf Baby-Boom, Zuzug und andere Trends der vergangenen Jahren in der Kinder- und Jugendszene reagiert.

Das geht aus dem Entwurf eines neuen Jugendhilfeplans hervor. Demnach bleiben Jugendhäuser und Sozialarbeiter zu sehr in Stadtvierteln konzentriert, in denen immer weniger junge Menschen leben, während Zuzugsgebiete vernachlässigt werden.

Opposition drängt auf Rücktrittvon Jugendamtschef Lippmann

Vor allem wegen der langen Zeit, die die Analyse brauchte, drängen Oppositionspolitiker nun auf einen Rücktritt von Jugendamtsleiter Claus Lippmann."Wir müssen nüchtern konstatieren, dass in Prohlis nun mal nur noch wenige Kinder und Jugendliche wohnen", nannte Stadtmissions-Direktor Christoph Stolte ein Beispiel für den ungleichmäßigen Kräfteeinsatz der Jugendhelfer. In der Praxis sind Prohlis und Reick derzeit 16 Sozialarbeiter-Stellen zugeteilt, soviel wie in keinem anderen Stadtraum. Würde man die stadtweit verfügbaren Stellen nach der Jugendlichen-Zahl verteilen, stünden Prohlis gerade mal drei Sozialarbeiter zu. Andere Viertel, in die viele Familien mit Kinder gezogen sind, haben dagegen teils gar keine Jugendhäuser.

Daher haben der Stab von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), Vereinsvertreter und Ausschusspolitiker Aufschläge für soziale Probleme im Viertel eingearbeitet. Dazu gehören eine hohe Dichte Armer, junger Arbeitsloser und Alleinerziehender. Aber selbst dann müssten Viertel wie Prohlis und Gorbitz noch Sozialarbeiter an andere Stadtteile abgeben. Daher betonten Seidel und Stolte, man müsse die Bedarfsprognosen nicht zwingend umsetzen. Durch diese Unverbindlichkeitserklärung vermeiden sie, dass Prohliser und Gorbitzer Jugendarbeiter "ihre" Kinder und Jugendlichen auf die Barrikaden schicken oder die Stadt in Zeiten knapper Kassen insgesamt mehr Sozialarbeiter bezahlen muss. Und so weist die Analyse unterm Strich auch nur rund 201 Sozialarbeiter-Stellen Gesamtbedarf für 2016 aus - eine mehr als jetzt.

Letzter Jugendhilfeplan von 2001längst hoffnungslos veraltet

Kaum verblümt forderten Linke und Grüne nun einen Rücktritt von Jugendamtsleiter Claus Lippmann, den sie für den lahmen Planungsprozess verantwortlich machen. Denn der letzte Jugendhilfeplan von 2001 ist längst hoffnungslos veraltet. Eigentlich sollte er rasch aktualisiert werden, vom Jugendamt kam aber nichts. Daher zog Seidel 2011 die Notbremse und be-auftragte die externe "ehs Dresden gGmbH" mit der Planung und die lieferte im Folgejahr eine aktuelle Analyse. Daraus strickte das Jugendamt eine Stadtrats-Vorlage - die aber soviel Kritik erntete, dass Seidel seinen Stab beauftragte, das Papier völlig neu zu schreiben.

Links-Jugendpolitiker Tilo Kießling begrüßte den Plan als "Schritt in die richtige Richtung", kritisierte aber: "Wie viele Mittel wir wirklich benötigen, lässt sich aus diesem Entwurf nicht ablesen." Die Linke werde Änderungen fordern, um zum Beispiel wieder eine echte Straßensozialarbeit aufzubauen. Jugendamtsleiter Lippmann habe auch schon bei anderen Gelegenheiten mangelnde fachliche Kompetenz gezeigt. Zumindest in diesem Punkt ist er sich mit Grünen-Jugendpolitiker Jens Hoffsommer einig: "Der Sozialbürgermeister sollte über eine neue Leitung des Jugendamtes nachdenken."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.04.2013

Heiko Weckbrodt

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