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Joseph Cloward aus Salt Lake City ist Fremdsprachenassistent am Gymnasium Bürgerwiese in Dresden

Joseph Cloward aus Salt Lake City ist Fremdsprachenassistent am Gymnasium Bürgerwiese in Dresden

Joseph Cloward gehört zu den 80 Fremdsprachenassistenten, die in diesem Schuljahr den Fremdsprachenlehrern an Sachsens Schulen als Muttersprachler zur Seite stehen.

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Er kommt aus Salt Lake City, der "Hauptstadt" der Mormonen, verehrt Woodrow Wilson, den 28. Präsidenten der USA, und möchte später entweder Lehrer werden oder im Auswärtigen Amt arbeiten: Joseph Cloward, Fremdsprachenassistent am Gymnasium Bürgerwiese.

Quelle: Andor Schlegel

Und eins berichten Schüler und Lehrer übereinstimmend: Der 24-Jährige, der am Gymnasium Bürgerwiese Englisch gibt, ist eine Frohnatur, sein heiteres Wesen ansteckend.

Frage: Sie sind US-Amerikaner. Woher genau kommen Sie?

Joseph Cloward: Geboren bin ich in Phoenix in Arizona. Aber schon als ich fünf war, sind wir nach Salt Lake City in Utah gezogen. Ich habe zwei jüngere Brüder, 19 und 22 Jahre. Meine Mutter ist Lehrerin an einer Grundschule, mein Vater Buchhalter.

Sie wollen Lehrer werden?

Vielleicht werde ich Lehrer, vielleicht gehe ich auch ins Auswärtige Amt. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Ich habe ja German Studies (also: Deutsche Sprache und Literatur) und Internationale Beziehungen an der University of Pennsylvania studiert. So viel steht schon mal fest: Nach dem Jahr in Dresden werde ich erst einmal für zwei Jahre nach Texas gehen und an einer High School unterrichten.

Dürfen Sie hier am Gymnasium Bürgerwiese schon unterrichten?

Naja, ein Lehrer ist immer dabei. Manchmal machen wir Teamteaching, unterrichten also gemeinsam. Und wenn es speziell um die USA geht, darf ich die Stunde auch allein halten. Heute zum Beispiel haben wir in der 8. Klasse über New York City, jüdische Einwanderer und Bagels gesprochen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihr Englisch von dem der Lehrer?

Sie sprechen meist britisches Englisch. Das Kuriose ist, dass ich gemeinsam mit den Schülern die feinen Unterschiede zwischen British und American English erst lernen muss.

Gefällt es Ihnen in Dresden?

Aber sicher! Dresden ist eine wunderschöne Stadt. Die Galerie Alte Meister hat mich fasziniert. Und ich liebe die Natur, wohne jetzt in der Johannstadt direkt an der Elbe und gehe morgens gern joggen.

Was gefällt Ihnen hier nicht so?

(...denkt ein Weilchen nach.) Da fällt mir gerade nichts ein.

Wie sind die Dresdner, vielleicht auch die Deutschen überhaupt, im Vergleich zu den Menschen in Ihrer Heimat?

Ich dachte immer, dass die Deutschen sehr unfreundlich sind. Langsam habe ich aber erkannt: Sie sind nicht unfreundlich, sondern einfach anders freundlich als wir. Wir Amerikaner machen sofort mit einem Fremden im Bus einen Small Talk. Wir sind immer sofort mit allen befreundet. Die Deutschen sprechen nicht gleich mit jemandem, den sie nicht kennen. Das macht es manchmal schwer, Kontakt zu knüpfen. Aber es ist okay.

Inwiefern unterscheidet sich das deutsche Bildungssystem von dem in den USA?

Hier in Sachsen wechselt ein Teil der Schüler von der Grundschule aufs Gymnasium, der andere auf die Oberschule. Bei uns besuchen alle Schüler die High School bis zur 12. Klasse. Merkwürdig fand ich am Anfang auch, dass jede Klasse ein eigenes Klassenzimmer hat.

Warum? Wie ist das denn in den USA?

Na, da hat der Lehrer ein Zimmer, das er selbst gestalten kann, und die Schüler kommen zu ihm. Ich selbst hatte an der Highschool acht Kurse, die ich mir allein aussuchen durfte. Wir waren dort 2700 Schüler, also schon etwas mehr als hier. Der Schulbesuch ist bis zur 12. Klasse kostenlos. Etwa zehn Prozent der Kinder besuchen eine teure Privatschule.

Haben Sie eine Lebensmaxime?

Ich bin ein religiöser Mensch. Ich bin Mormone. Ich sage mir jeden Morgen: Ich werde nach Freude trachten. Ich werde für mich selbst handeln. Ich will gerecht sein und es geht nicht nur um mich. Ich bin mit der Kirche aufgewachsen, war zwei Jahre Missionar in Michigan. Wir haben jeden Morgen zwei Stunden lang die Schriften, also die Bibel und das Buch der Mormonen, studiert und anschließend die Leute zu Hause besucht und in unsere Kirche eingeladen. Aber keine Angst: Ich werde in der Schule natürlich nicht versuchen, jemanden zu bekehren.

Haben Sie ein Vorbild?

Woodrow Wilson, von 1913 bis 1921 Präsident der USA - ein Intellektueller, der zunächst Professor war und dann erst Präsident wurde.

Was halten Sie von Obama?

Also, ich habe ihn zwar gewählt. Aber die Sache mit der NSA gefällt mir gar nicht, ich mag auch Obamas Außenpolitik nicht. Er unterscheidet sich nicht mehr sehr von Bush.

Welches Buch mögen Sie?

"The live of Pi", zu Deutsch "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel. Das ist jetzt auch verfilmt worden. Und ich mag Theodor Storms "Immensee".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2013

Katrin Richter

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