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Jobcenter Dresden testet US-Modellprojekt mit Arbeitslosen

Jobcenter Dresden testet US-Modellprojekt mit Arbeitslosen

Das Jobcenter Dresden probiert als Pilotprojekt für Sachsen das in den USA und den Niederlanden entwickelte Modell "Workfirst" aus, um die Jobchancen junger Arbeitsloser zu verbessern.

Von Heiko Weckbrodt

Statt ihren Arbeitsvermittler nur einmal im Monat zu sehen, wie sonst üblich, absolvieren die Projektteilnehmer mindestens neun Stunden pro Woche Trainingskurse im Jobcenter, arbeiten in der Gruppe und in Einzelsitzungen mit ihren Betreuern an Stärken und Schwächen, lernen, sich bei Bewerbungen "besser zu verkaufen" und dergleichen mehr.

Bis Ende 2013 sollen bis zu 315 Arbeitslose unter 30 Jahren an diesen Intensivkursen teilnehmen, kündigt Jobcenter-Chef Jan Pratzka an. "Unser Ziel: Danach hat die Hälfte eine Arbeit oder eine Ausbildung." Die ersten 45 jungen Arbeitslosen haben inzwischen mit dem Job-Training begonnen.

Sebastian Gau ist einer von ihnen. Der 28-jährige Dresdner hatte Anlagenmechaniker gelernt, aber keine Arbeit gefunden. Er ließ sich zum Qualitätstester weiterbilden - wieder Fehlanzeige. "Hier finden wir zum Beispiel heraus, worin wir gut sind und wo eher schwach", erzählt er über seine ersten Wochen bei "Workfirst". "Da zeigt sich, wer Organisationstalent hat, wer Ordnung am Arbeitsplatz hält und so weiter." Diese Stärken sollte man bei Bewerbungsgesprächen herausstreichen und nicht die Schwächen, wird Gau und seinen Mit-Kursanten eingeschärft. Ein erster Erfolg zeichnet sich für den 28-Jährigen bereits ab: Er wurde von einer namhaften Glashütter Uhrenmanufaktur zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Seit "Workfirst" am 1. November startete, habe man schon fünf junge Kursanten in Jobs oder Lehren vermitteln können, betont Jobcenter-Chef Pratzka. Die 50-Prozent-Zielmarke erscheint also erreichbar. Allen Klienten könne man dieses Modell freilich nicht anbieten, räumt Pratzka ein. Derzeit betreut das Jobcenter immerhin 1317 Arbeitslose unter 25 Jahren - aber schon allein die Intensivbetreuung für die 315, die bis Ende 2013 "Workfirst" durchlaufen sollen, kostet über eine Viertelmillion Euro zusätzlich. Eigens dafür heuerte das Jobcenter fünf Mitarbeiterinnen an, außerdem die externe Traningsagentur "reSOURCE", finanziert durch Bundesarbeitsagentur, EU und Land.

Die Gelegenheit für "Workfirst" ist gerade jetzt günstig, ist Staatssekretär Hartmut Fiedler vom Wirtschaftsministerium überzeugt: Während es noch vor zehn Jahren auf dem Ausbildungsmarkt viel mehr Bewerber als Lehrstellen gab, hat sich diese Relation durch den demografischen Wandel und die gute Konjunkturlage nahezu gedreht: "Dadurch bekommen jetzt auch Problemgruppen eine Chance, die vorher kaum eine Möglichkeit hatten, eine Lehrstelle zu finden", meint Fiedler.

Bewähre sich das Pilotprojekt in Dresden, könne es landesweit ausgedehnt werden, sagt Konstantine Duscha, die Chefin der Arbeitsagentur-Regionaldirektion Sachsen. Denn im gesamten Freistaat harren rund 15 700 Jugendliche und junge Erwachsene auf Job oder Lehrstelle. 61 Prozent von ihnen sind Stütze-Empfänger und davon wiederum ein Viertel ohne Schulabschluss - normalerweise ein ganz schlechtes Vorzeichen für die Jobsuche.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2012

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