Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Interesse an Stasi-Unterlagen steigt in Dresden

Interesse an Stasi-Unterlagen steigt in Dresden

Mancher scheut den Blick in die Stasi-Akten, weil er unangenehme Wahrheiten über Freunde und Bekannte fürchtet. "Man kann auch feststellen, dass man die richtigen Freunde hatte", macht Konrad Felber diesen Menschen Mut.

Und entgegen früheren Erwartungen kann der Chef der Außenstelle Dresden des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen mit Zahlen belegen, dass das Interesse an den in seinem Amt lagernden Akten sogar wieder steigt - auch aus speziellen Dresdner Gründen.

Felber hat in letzter Zeit vor allem ein wachsendes Interesse bei den etwa 15- bis 30-Jährigen ausgemacht. 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution wollen die jüngeren Menschen wissen, welchen Repressionen der Stasi Eltern und Großeltern ausgesetzt waren, welche Nachwirkungen sich für die Familie ergaben. Auch jüngere Lehrer gingen wieder stärker auf die Stasi-Geschichte ein.

Zudem können sich Kinder und Enkel für die Akten ihrer verstorbenen Vorfahren interessieren - mit überraschenden Erkenntnissen. Nach Jahrzehnten lässt sich manchmal klären, "warum sich damals der Ost-Enkel nicht für das West-Paket bedankt hat." Mitunter steckte nicht Undankbarkeit dahinter, sondern der Zugriff der Stasi auf die Post zwischen DDR und BRD. In 246 000 Ordnern stecken unter anderem mikroverfilmte Briefe, die die Stasi zu DDR-Zeiten im Raum Dresden konfisziert hat.

Natürlich geht es Felber und seinen Mitarbeitern aber nicht nur darum. Im Mittelpunkt stehen immer die Mechanismen des SED-Regimes. "Auch die Diktatur hat nicht von allein funktioniert, hatte Täter und Mitläufer." Dafür habe die Stasi auch Jugendliche als Spitzel geworben, erzählt Felber den Schulklassen bei Besuchen. Und wenn er danach fragt, wie es heute mit den Fotos ist, die ohne zu fragen ins Internet gestellt werden, dann löst er Nachdenken aus über den Umgang mit persönlichen Daten, über den Missbrauch von Vertrauen.

Felber verweist beim zunehmenden Interesse an den Hinterlassenschaften der Staatssicherheit aber auch auf die Aktivitäten seiner Außenstelle, die ihren Sitz in der nicht gerade überlaufenen Riesaer Straße hat. Im Mai öffnete die von einem Verein getragene Gedenkstätte auf der Bautzner Straße, der früheren Bezirkszentrale der Stasi, wieder ihre Pforten. Auch dort gibt es jetzt eine Informations- und Beratungsstelle der Unterlagen-Behörde, können Anträge auf Akteneinsicht gestellt werden.

Wer älter als 75 Jahre ist, wird bevorzugt behandelt, nach einigen Monaten gibt es schon mal eine grundsätzliche Auskunft, ob eine sogenannte Opfer-Akte vorliegt, also Material über eine Stasi-Bespitzelung. Dann kann einige Zeit ins Land gehen, in manchen Fällen bis zu drei Jahre, bis der Antragsteller Einblick in die Dokumente bekommt. 21 Mitarbeiter haben in der Dresdner Außenstelle direkt mit den Auskünften aus den Akten alle Hände voll zu tun. Da ist Felber froh, dass in den letzten Jahren vier neue Mitarbeiter eingestellt werden konnten. Üblicherweise sind viele Stellen mit Sperrvermerken versehen. Scheidet jemand aus Altersgründen aus, gibt es keine Nachbesetzungen.

Aufgrund der vielen Jahrestage jetzt 25 Jahre nach den Ereignissen von 1989/90 rechnet Felber auch 2015 mit großem Interesse am Aktenmaterial. In der Außenstelle (Riesaer Str. 7) soll es ab März nach den üblichen Archivführungen jeweils am letzten Donnerstag im Monat auch ein "Aktenlesen" geben. Anonymisiert will Felber einen direkten Einblick in exemplarische Fälle vermitteln lassen. Es hat aber noch ein spezielles Interesse der Dresdner ausgemacht. 2073 Anträge auf Decknamenentschlüsselung hat die Behörde gerade zu bearbeiten - ein ostdeutscher Spitzenwert. Felber mit einem Augenzwinkern: "Das scheint mir an der Mentalität im früheren Tal der Ahnungslosen zu liegen. Die Dresdner wollen jetzt ganz genau wissen, wer dahinter steckte."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2015

Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.