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Hitlers "Mein Kampf" ist in Dresdner Schulen kein Aufreger

Schulleiter winken ab Hitlers "Mein Kampf" ist in Dresdner Schulen kein Aufreger

Seit Anfang Januar darf auch an Dresdens Schulen die kommentierte Auflage von Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" im Unterricht eingesetzt werden. Doch wollen das die Geschichtslehrer überhaupt?

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Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta, schaut sich die kommentierte Auflage von Hitlers "Mein Kampf" an. Es handelt sich um zwei dicke Wälzer.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Seit Anfang Januar darf auch an Dresdens Schulen die kommentierte Auflage von Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" im Unterricht eingesetzt werden. Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) hatte dem dicken Werk in zwei Bänden die Freigabe erteilt. Doch wollen das die Geschichtslehrer überhaupt? DNN haben bei Schulleitern von Gymnasien und Oberschulen nachgefragt.

Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta, ist selbst Geschichtslehrer. Er gibt das Fach in der 7. Klasse und im Leistungskurs 11. Klasse. "Ich verwende seit Jahren Passagen aus dem Original im Unterricht, um den Schülern zum Beispiel Hitlers Rassismus und Antisemitismus daran zu verdeutlichen", erklärt er. Einen Klassensatz des 1800 Seiten starken Wälzers zu kaufen, kommt für ihn nicht infrage. Das lohne sich nicht "für die ein oder zwei Unterrichtsstunden, die wir zur Verfügung haben". "Vielleicht kaufen wir ein Exemplar für die Schulbibliothek", sagt Karras. Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche, hält es für denkbar, zehn Bücher für seine Schule zu bestellen. Darüber müsse aber noch in der Fachschaft beraten werden. "Ich kann mir gut vorstellen, dass ein oder zwei Schüler jeweils 20 Seiten in dem Buch lesen und dann einen ordentlichen Vortrag halten - zum Beispiel über Hitlers Rassenlehre ", sagt der Schulleiter. Mehr als eine Unterrichtsstunde sollte die Beschäftigung mit der Propagandaschrift aber nicht in Anspruch nehmen.

59 Euro kostet die kommentierte Auflage von Hitlers Hetzschrift, die im Moment in ganz Dresden im Buchhandel vergriffen ist. Wenn die Nachauflage da sei, würden die zehn Exemplare aus dem Haushaltsbudget der Schule für Unterrichts- und Lehrmaterialien bezahlt, so der Schulleiter. Das sei trotz des stolzen Preises kein Problem, meint er. Etwa 70 000 Euro habe das Gymnasium Klotzsche in diesem Schuljahr für Unterrichts- und Lehrmaterialien zur Verfügung.

Das sieht Thomas Lorenz, Leiter der 128. Oberschule in Reick, anders. "Es gibt einen Haushaltsstopp, wir dürfen nur das an Unterrichtsmaterialien kaufen, was wirklich notwendig ist", betont er. Zudem müsse erst noch geprüft werden, ob die wissenschaftlichen Kommentare zum Buch für die Oberschüler verständlich seien. Lorenz zufolge gibt es noch ein weiteres Problem: An Oberschulen müssen sich die Schüler in der 10. Klasse zwischen Geschichte und Geografie entscheiden. Das Fach Geschichte, in der die Nazizeit behandelt werde, sei also abwählbar.

Am Bertolt-Brecht-Gymnasium wird Hitlers Propagandaschrift lediglich in der AG Philosophie behandelt. Daran soll sich nach Informationen von Schulleiter Marcello Meschke auch nichts ändern. "Wir haben nicht vor, das Buch im Unterricht durchzunehmen", sagt er. Das sei kein Aufreger.

Karten Jonas, Leiter des Gymnasiums Dreikönigschule, berichtet Ähnliches: "Bei uns ist das im Moment kein Thema." Er könne sich höchstens vorstellen, dass die kommentierte Ausgabe im Leistungskurs Geschichte genutzt wird.

"Auszüge aus ,Mein Kampf' sind seit Jahrzehnten Bestandteil der historischen Quellenauswahl, die in den Geschichtsbüchern im Unterricht zur Verfügung stehen", sagt Petra Nikolov, Sprecherin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden auf DNN-Nachfrage. An den Gymnasien werde die NS-Diktatur hauptsächlich in den Klassenstufen 9 und 11 durchgenommen, an den Oberschulen bereits in Klasse 8. Die Zehntklässler an den Oberschulen beschäftigten sich außerdem in Deutsch mit dem Buch "Der Vorleser", in dem es gleichfalls um das Thema geht.

Nach 1945 war es für Verlage nicht möglich, Hitlers Hetzschrift nachzudrucken. Doch Ende vergangenen Jahres - also 70 Jahre nach dem Tod des Diktators - sind die Urheberrechte erloschen, die beim Freistaat Bayern lagen. Er hatte die Rechte in der Vergangenheit genutzt, um Nachdrucke in Deutschland zu verhindern.

Katrin Richter

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