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"Hände weg von den BSZ" - Berufsschüler protestieren vorm Rathaus

"Hände weg von den BSZ" - Berufsschüler protestieren vorm Rathaus

Mit Trillerpfeifen und Plakaten, auf denen "Hände weg von den BSZ", "Umzugs-Chaos" und "Wanderzirkus" zu lesen war, zogen gestern Nachmittag etwa 500 Berufsschüler vom Kugelhaus am Hauptbahnhof über die Prager Straße vors Rathaus.

Sie protestierten damit gegen den Entwurf des Schulnetzplans, der u.a. vorsieht, das BSZ für Technik und Gestaltung zu schließen und das BSZ für Wirtschaft "Prof. Zeigner" nach Gorbitz zu verlegen. Das BSZ für Bau und Technik soll laut Entwurf sämtliche 27 Ausbildungsberufe in der Bautechnik ans Umland abgeben, so dass 400 Lehrlinge ans BSZ nach Meißen wechseln müssten, die Zimmerer gar nach Löbau.

"Wir haben eine große Bauwerkstatt und zwei Baulabore, die alles in allem 300 000 Euro wert sein dürften", berichtet Schulleiter Michael Stohr. Das könne man dann alles auf den Schrott werfen. Denn das schlecht ausgelastete Meißner BSZ verfüge über dieselbe Ausstattung. "Wir haben hier auch eine sehr gut angenommene Baufachschule, an der staatlich geprüfte Bautechniker ausgebildet werden", so Stohr. Auch diese Schule würde Dresden verloren gehen.

Für die Schüler, die nicht nur aus Dresden kommen, dürften sich die Schulwege deutlich verlängern. Für Martin Hahn aus Tharandt beispielsweise, der an der gestrigen Demo teilnahm. "80 Prozent meiner Mitschüler haben sich für diese Fachschule entschlossen, gerade weil sie zentral in Dresden liegt", berichtet er. Unklar ist auch, was aus den Dresdner Lehrern werden soll. "Meißen hat ja auch Baulehrer", sagt der Schulleiter.

Dafür soll Stohr nun die Friseur- und Schneiderlehrlinge vom BSZ für Dienstleistung und Gestaltung bekommen, das ganz dicht gemacht werden soll (DNN berichteten). Nur: "Unsere Baulabore befinden sich im Keller. Im Friseursalon und Nähkabinett aber brauchen die Lehrlinge viel Licht", gibt Stohr vorsichtig zu bedenken.

Aus dem BSZ für Bau und Technik soll nun ab dem 1. August 2012 das "Berufliche Schulzentrum für Gestaltung" werden. "Damit werden 60 Jahre Ausbildung im Baubereich am stabilsten Standort der Region zu Ende gehen", resümiert Stohr. Der denkmalgeschützte Altbau, in dem die Bauberufe unterrichtet werden, war bis 2006 für 4,5 Millionen Euro saniert und mit neuen Lehrwerkstätten, Praxisräumen und Maschinen versehen worden.

SPD, Grüne und auch der Stadtschülerrat sind sich einig darin, dass die Einschnitte bei den Berufsschulen dem Wirtschaftsstandort Dresden schaden. "Wie man bei sich abzeichnendem akuten Fachkräftemangel berufliche Ausbildungsgänge schließen kann, ist mir ein Rätsel", sagt Stadträtin Christiane Filius-Jehne von den Grünen. Die Linke hingegen "begrüßt ausdrücklich, die freistehenden Kapazitäten in Berufsschulzentren im Dresdner Umland mit zu nutzen, um das Dresdner Schulnetz zu entlasten", so Linke-Stadtrat Jens Matthis.

Kurzsichtig

Der Plan, Dresdner Berufsschüler in schlecht ausgelastete BSZ in der Region zu schicken, ist vom Ansatz her so verkehrt nicht. Dresden braucht mehr Platz für seine zahlreichen Gymnasiasten, Grund- und Mittelschüler. Meißen und Pirna haben zu viel Platz, weil dort in den 1990er Jahren überdimensionierte BSZ gebaut wurden, obwohl die Geburtenflaute längst da war. Nur: Gut funktionierende Berufsschulen mit langer Tradition in Dresden wie die BSZ für Dienstleistung & Gestaltung und Bau & Technik gleich ganz zu zerschlagen bzw. ihrer entscheidenden Berufsfelder zu berauben, kann nicht der richtige Weg sein. Eine Alternative könnte sein, zukunftsträchtige Berufsfelder beispielsweise im Medien- und Computerbereich in den Schulen im Umland anzusiedeln und die traditionellen Berufe in Dresden zu belassen. Irgendwann werden aus den vielen Dresdner Grundschülern von jetzt Mittelschüler und noch ein wenig später Lehrlinge. Und was dann?

k.richter@dnn.de

Von Katrin Richter

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2011

Katrin Richter

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