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Gorbitzer Berufsschule wehrt sich gegen Umzug nach Prohlis

Schulleiter Lars Kluger Gorbitzer Berufsschule wehrt sich gegen Umzug nach Prohlis

Lars Kluger, Leiter des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft „Franz Ludwig Gehe“, steht im Gang seines Schulgebäudes am Leutewitzer Ring in Gorbitz und zeigt auf die Informationstafel: „Zwangsumzug verhindern!“ lautet die Überschrift

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Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Lars Kluger, Leiter des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft „Franz Ludwig Gehe“, steht im Gang seines Schulgebäudes am Leutewitzer Ring in Gorbitz und zeigt auf die Informationstafel: „Zwangsumzug verhindern!“ lautet die Überschrift über mehreren Aushängen und Zeitungsausschnitten. „Wir haben es satt, Spielball zu sein“, erklärt der Schulleiter, „wir wollen, dass sich die Verwaltung an die Absprache von 2013 hält.“ Die besage: Das Berufsschulzentrum bleibt in Gorbitz, das Schulgebäude wird gründlich saniert.

Vor etwa einem halben Jahr, so Kluger, habe ihn Schulbürgermeister Peter Lames (SPD) besucht. „Da hat er mit seine Idee eröffnet, dass wir nach Prohlis umziehen und dort zusätzlich ein Berufliches Gymnasium gegründet wird.“ Eine Idee, die er rundherum abgelehnt habe. Lames aber hat jüngst im Ortsbeirat Prohlis die Verlagerung eines Beruflichen Schulzentrums plus die Gründung eines Beruflichen Gymnasiums am Standort Boxberger Straße als Vorzugsvariante der Verwaltung erklärt. „Wir werden uns mit Händen und Füßen dagegen wehren“, kündigt Kluger an.

Der Doppelschulstandort Boxberger Straße, an dem mehrfach erfolglos versucht wurde, ein Gymnasium Prohlis zu gründen, wurde in den Wirren der Flüchtlingskrise zur Asylbewerberunterkunft. Jetzt soll das Heim geschlossen werden, im städtischen Haushalt stehen rund 24 Millionen Euro für die Sanierung der DDR-Plattenschulen bereit. „Die Inbetriebnahme des Schulgebäudes wird derzeit für Sommer 2019 avisiert“, teilte Lames auf DNN-Anfrage mit.

Eine Entscheidung über die künftige Nutzung des Standortes in Prohlis werde erst im Ergebnis der derzeit laufenden Fortschreibung des Schulnetzplanes erfolgen, kündigte der Schulbürgermeister an. Neben der Einrichtung eines allgemeinbildenden Gymnasiums stünde auch die Einrichtung eines Beruflichen Gymnasiums im Raum. „Dies wäre dann am Berufsschulzentrum für Wirtschaft anzugliedern“, so Lames zu den Ortsbeiräten.

Kluger glaubt nicht, dass die Entscheidung noch nicht getroffen ist und verweist auf den städtischen Haushaltsplan. Dort steht „Ausstattung als Berufsschulzentrum“ für die Gelder, die für die Boxberger Straße geplant sind. Das habe nichts zu bedeuten, erklärt dagegen Lames. Um alle denkbaren Varianten abdecken zu können, werde der Bedarf der kostenintensivsten Schulart genommen, und das sei nunmal eine Berufsschule. Im Ortsbeirat Prohlis erklärte der Schulbürgermeister allerdings klipp und klar: „Es wird auch zukünftig keine ausreichende Nachfrage zur Einrichtung des Gymnasiums Prohlis erwartet.“

Heike Ahnert, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, vermutet hinter den Aussagen des Schulbürgermeisters eine Strategie. „Hier werden zuerst vollendete Tatsachen geschaffen. Danach wird dem Stadtrat die Pistole auf die Brust gesetzt. Wir sollen unter höchstem Zeitdruck zustimmen, weil sonst der Plan ins Wanken gerät“, ärgert sie sich. Ahnert kämpft seit mehreren Jahren für ein allgemeinbildendes Gymnasium Prohlis und bezeichnet die Pläne mit Berufsschulzentrum und Beruflichem Gymnasium als „Verschiebebahnhof“.

Die CDU-Bildungspolitikerin vermutet, dass die Handelsschule von Schulleiter Kluger das Gebäude räumen soll, damit am Leutewitzer Ring ein „Gymnasium Gorbitz“ gegründet werden kann. Das steht in der Kooperationsvereinbarung der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit. Das sei auch ein Wahlkampfversprechen der SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Eva-Maria-Stange gewesen. „Dafür sollen das Gymnasium Prohlis und das Berufsschulzentrum für Wirtschaft geopfert werden“, so Ahnert.

Die Begründung, für ein Gymnasium Prohlis gebe es keine Nachfrage, hält Ahnert für perfide. „Uns wurde einmal ein neuer Schulcampus versprochen. Jetzt sollen wenig attraktive Gebäude saniert werden. Da ist es doch kein Wunder, dass die Eltern ihre Kinder nicht anmelden.“

Kluger verweist darauf, dass er mit seiner Schule 2013 von der unsanierten Platte im Berthelsdorfer Weg in die unsanierte Platte nach Gorbitz gezogen ist. „Das haben wir getan, weil wir uns sicher sind, dass wir diesem Standort bildungspolitisch guttun.“ 20 Prozent der Berufsschüler würden direkt aus Gorbitz kommen. Die Berufsschule ermögliche die Durchlässigkeit von der Hauptschule bis zum Fachhochschulzugang. „Wir sprechen über Bildungschancen. Von jungen Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keine Chance haben, denen aber nach ihrem Abschluss bei uns die Türen der Verwaltungsfachhochschule oder der Hochschule für Technik und Wirtschaft offenstehen.“

Das Berufsschulzentrum sei in Gorbitz vernetzt, habe gute Verbindungen zu den Grund- und Oberschulen aufgebaut, Kontakte zu allen wesentlichen Akteuren in dem Stadtviertel geknüpft. „Wir wollen nicht schon wieder die Rechnung dafür bezahlen, dass andere ein besseres Niveau bekommen.“ „Franz Ludwig Gehe“ habe endlich ein saniertes Schulgebäude in Gorbitz verdient und keinen Umzug nach Prohlis, so Kluger.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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