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"Gekürztes Referendariat kann nicht gut sein" - DNN-Gespräch mit Ronny Naake, Lehramtsanwärter an der 30. Grundschule im Hechtviertel

"Gekürztes Referendariat kann nicht gut sein" - DNN-Gespräch mit Ronny Naake, Lehramtsanwärter an der 30. Grundschule im Hechtviertel

Seit Sommer vergangenen Jahres ist Ronny Naake Referendar an der 30. Grundschule im Hechtviertel. Der 30-jährige Dresdner hat einen zweijährigen Sohn - Pino. Nach dem Abi war er zunächst Zivi, hat dann bis 2006 an der TU Dresden Lehramt Grundschule studiert.

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Gibt schon in den 1. Klassen Sachunterricht, Mathe, Deutsch sowie Ethik und ist froh, dass er zwei Jahre Zeit hat für sein Referendariat: Lehramtsanwärter Ronny Naake.

Quelle: Martin Förster

DNN fragten ihn, warum er Lehrer werden will und was er vom gekürzten Referendariat hält.

Frage : Referendariatsplätze waren bis vor kurzem sehr knapp...

Ronny Naake : Ja, bei mir hat es auch nicht gleich im ersten Anlauf geklappt. Ich wollte die Wartezeit pädagogisch sinnvoll verbringen und habe bei einem privaten Erziehungsdienst als Familienhelfer gearbeitet.

Wie gefällt es Ihnen an der "30."?

Ich fühl' mich sehr gut aufgehoben. Wir sind hier ein junges Kollegium. Mehr als die Hälfte der Lehrer ist um die 30 Jahre. Mit einigen von ihnen habe ich studiert. Und ich möchte nach dem Referendariat auch gern hier bleiben.

Dürfen Sie schon unterrichten? Wenn ja, welche Fächer geben Sie und in welchen Klassen?

Ja, ich gebe hauptsächlich in den 1. Klassen Sachunterricht, Mathe, Deutsch und Ethik. In den anderen Klassenstufen sitze ich meist hinten drin und hospitiere, kann mich aber auch dort schon ausprobieren. Ich habe drei Mentorinnen, die sich um mich kümmern - eine für Ethik, eine für Mathe und eine für Deutsch und Sachunterricht. Ohne Mentor bzw. einen anderen Lehrer unterrichten darf ich erst im zweiten Jahr.

Das Referendariat wird ja auf ein Jahr verkürzt. Halten Sie das für gut?

Nein, auf keinen Fall. Wir Referendare haben ja jeden Donnerstag von der Bildungsagentur aus Lehrerseminare, werden von Dozenten in Methodik und Didaktik unterrichtet. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man die Stunden auf die Hälfte schrumpfen will, ohne dass Stoff verloren geht. Was wir in den Seminaren lernen, brauchen wir unbedingt für die Praxis. An der Uni ist es doch sehr theorielastig zugegangen.

Hier an der Schule verbringen Sie ja gleichfalls nur halb so viel Zeit...

Auch das stelle ich mir schwierig vor. Kaum hat der Referendar den Kontakt zu den Kindern, den Kollegen aufgebaut, schon muss er die Schule eventuell wieder verlassen. Ich genieß' das schon, dass ich mich zwei Jahre lang hier "austoben" kann.

Kultusminister Roland Wöller (CDU) will Grundschullehrer aus Bayern auch nach Dresden holen. Sie würden hier wesentlich mehr Geld als ihre Dresdner Lehrerkollegen verdienen und wären zudem verbeamtet. Was halten Sie von dem Vorstoß?

Das wird bei uns im Lehrerkollegium und auch in den Donnerstags-Seminaren heiß diskutiert und zum Großteil scharf kritisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut geht. Unstimmigkeiten im Kollegium wären vorprogrammiert.

Was für ein Typ von Lehrer sind Sie?

Ein lockerer Typ, der gerne mal einen Spaß macht. Trotzdem gibt es bei mir Regeln und Rituale, die eingehalten werden sollten. Die Kinder müssen lernen pünktlich und ordentlich zu sein, zu grüßen, auf mich zu hören.

Der Alptraum vieler Lehrer ist, dass sie hilflos vor einer randalieren- den Klasse stehen. Was machen Sie, wenn eine Klasse außer Rand und Band ist?

Das ist bis jetzt noch nicht vorge- kommen. Bei uns gibt es zum Beispiel eine Klangschale, die der Lehrer anschlagen kann. Wenn die ertönt, wis- sen die Schüler, dass sie zu laut wa- ren. Mit dem leiser werdenden Ton beruhigen sich auch die Kinder wieder. Und manchmal muss man eben als Lehrer auch mal von seiner Stimme Gebrauch machen. Von Vorteil ist, dass ich als Mann eine ganz andere Stimme habe. Wir sind hier im Übrigen drei Männer an der "30.". Damit liegen wir schon über dem Durchschnitt.

Warum sind Sie Lehrer geworden?

Meine Mutter ist Erzieherin, vielleicht hängt es damit zusammen. Ich habe noch drei ältere Geschwister. Ich habe sehr zeitig als Fußballtrainer angefangen und Sechs- bis Zehnjährige trainiert.

Verdient der Lehrerberuf mehr Anerkennung, als ihm jetzt zuteil wird?

Auf jeden Fall. Ich glaube schon, dass vor allem die Grundschullehrer zu wenig Anerkennung finden. Den Kindern basteln, malen, schreiben und rechnen beizubringen, kann doch nicht so schwer sein, heißt es oft. Ganz ehrlich: Im vergangenen Sommer bin ich schon ein bisschen erschrocken über das, was so alles zum Lehrerberuf gehört - die ganze Stundenvorbereitung, der organisatorische Kram. Man sitzt da schon manchmal sehr lange.

Gespräch: Katrin Richter

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2012

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