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Gedenkstätte in Dresden will Stasi-Souvenirs von Erstürmern zurück

Gedenkstätte in Dresden will Stasi-Souvenirs von Erstürmern zurück

Der 2,3 Millionen Euro teure Um- und Ausbau der früheren Stasi-Bezirksverwaltung an der Bautzner Straße zu einer modernen Gedenkstätte verzögert sich um mindestens zwei Monate.

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Herbert Wagner im früheren Kino-Saal der Stasi-Bezirksverwaltung. Baulich ist der Saal mit seinen "Sputnik-Lampen" und "Blutwurst-Granit" im DDR-Stil der 1950er Jahre bereits weitgehend saniert.

Quelle: Christian Juppe

Auch fehlen dem Trägerverein "Erkenntnis durch Erinnerung" originale Einrichtungsobjekte aus den Stasi-Büros, die bei der Erstürmung vor 24 Jahren "verloren" gingen. Das sagte Vereins-Chef und Ex-Oberbürgermeister Herbert Wagner im Interview.

Ich habe gehört, es gibt Verzögerungen beim Umbau?

Ursprünglich wollten wir am 8. Oktober wieder starten. Wir werden aber frühestens am 5. Dezember soweit sein.

Wie kommt das?

Durch den langen Winter kam es zu Verzögerungen, eine Trockenbau-Firma ging pleite - viele kleine Gründe eben.

Was erwartet die Besucher, wenn alles fertig ist?

Unsere Ausstellung vergrößert sich um 1936 Quadratmeter. Das eröffnet uns neue Chancen, neben der Opferperspektive, die sich im Hafthaus spiegelt, auch die Täterperspektive zu zeigen. Derzeit verlagern wir das Dienstzimmer des letzten Dresdner Stasi-Generals Horst Böhm in die dritte Etage des Haupthauses. Daneben richten wir das Beratungszimmer her, in dem er mit den Kreisdienststellen-Leitern konferiert hat. Der große Kinosaal im Erdgeschoss ist baulich fast fertig, dort sollen künftig auch Veranstaltungen der Dresdner Stasi-Unterlagenbehörde stattfinden.

Auf alten Fotos sieht man viel Stasi-Schnickschnack in Böhms altem Dienstzimmer: Marx- und Dzierzynski-Büsten, Thälmann-Teller- wohin ist das verschwunden?

Bei der Erstürmung der Dresdner Stasi-Bezirksverwaltung am 5. Dezember 1989 haben viele Demonstranten all dies wohl als Souvenirs mitgenommen. Wenn ich mich richtig erinnere, lag sogar eine Pistole frei herum. Daher appellieren wir jetzt an die Dresdner, solche Erinnerungsstücke wieder bei uns abzugeben, damit wir sie in unsere Ausstellungen integrieren können. Auch Fotos, Videos und Tagebucheinträge aus der Zeit interessieren uns.

Bestandslücken kann man heutzutage doch mit Multimedia-Hilfe schließen-

Wir werden nicht mit all dem gleich starten können, planen aber in dieser Richtung einiges. Zum Beispiel wollen wir im Stasi-Dienstberatungszimmer Multimedia-Stationen auf der langen Tafel anbringen. Wer Böhms Telefon nimmt, soll sich mitgeschnittene Anrufe des Stasi-Generals anhören können. Einiges davon ist ziemlich ernst, anderes zeigt eher die Banalität des Bösen wie etwa Flirts mit einer Sekretärin.

Ich bin gerade von der Waldschlößchenbrücke zur Gedenkstätte gefahren. Zu Ihnen reinzukommen, war ein echtes Problem. Und wer sich nicht auskennt, sieht erst kurz vor dem Klingelschild, dass hier eine Gedenkstätte ist.

Ich sage es nur ungern, weil unter mir als OB der Brückenbau angestoßen wurde und ich mich über die Fertigstellung sehr freue. Aber seit die Brücke freigegeben wurde, ist die Zufahrt zur Gedenkstätte ziemlich kompliziert. Damit Besucherbusse halten könnten, verhandeln wir mit der Stadt um eine Busbucht. Auch wünsche ich mir, dass 150 Meter vor der Gedenkstätte Hinweisschilder angebracht werden. Metergroße Schautafeln haben wir schon vorbereitet, die möchten wir an der Hausfront zur Bautzner Straße aufstellen, sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind.

Wer Stasi-Stücke abgeben oder andere Exponate beisteuern will, kann sich per Telefon 89960440 oder per E-Mail an uljana-sieber@bautzner-strasse-dresden.de melden. Mehr Infos: www.bautzner-strasse-dresden.de.

Tag des offenen Denkmals

Am 8. September öffnet die Gedenkstätte Bautzner Straße 112a zum "Tag des offenen Denkmals" von 10 bis 18 Uhr ihre Pforten. Die Besucher werden durch das U-Haft-Haus der Stasi und den "Fuchsbau" des sowjetischen Geheimdienstes NKWD geführt. 11 Uhr öffnet die Ausstellung eines Gulag-Häftlings. Ab 13 Uhr ist der Film "Jahre der Kälte" zu sehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2013

Heiko Weckbrodt

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