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Einsam kräht der Grüne Hahn - Praktischer Umweltschutz im Gemeindealltag fordert Christen viel Geduld ab

Einsam kräht der Grüne Hahn - Praktischer Umweltschutz im Gemeindealltag fordert Christen viel Geduld ab

Die "Bewahrung der Schöpfung" gehört zum Repertoire hehrer Begriffe, die Kirchenvertreter gern in Appelle einbauen. Machen Christen selber in ihrem Arbeitsalltag damit Ernst, wird es zum mühsamen Klein-Klein.

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Da bestellt das Dresdner Stadtjugendpfarramt nun schon sein Büromaterial bei einem als nachhaltig geltenden Versand. Aber dessen Service lasse zu wünschen übrig, seufzt Stadtjugendpfarrer Georg Zimmermann. Und diese Tacker, die ressourcenschonend ohne Kupferklammern auskommen, halten das Papier auch nicht so richtig zusammen.

Die Heizkörper in dem Gründerzeit-Mietshaus in Dresden-Löbtau, in dem sie ihre Büros haben, sind alt. "Zumindest könnte man elektrisch gesteuerte Heizventile kaufen", überlegt Mitarbeiter Joachim Stellmacher. "Dann kann es nicht mehr passieren, dass aus Versehen einer die Heizung am Wochenende anlässt." Aber dazu müsste ein bisschen Geld investiert werden. In einem extra Fach unterm Kopierer liegt einseitig bedrucktes Papier zur Zweitverwertung. Allerdings dürfen keine Interna hinten drauf stehen.

Dennoch haben die Mitarbeiter überlegt, was sie verändern können und das in Umweltleitlinien formuliert. Damit wollen sie sich auf den langen Weg zum "Grünen Hahn" machen. Ein kircheneigenes Gütesiegel, das besagt: Diese Einrichtung verfügt über ein durchdachtes Umweltmanagement, spart Energie, Wasser, Rohstoffe. Mehr als 600 Einrichtungen und Kirchgemeinden bundesweit beteiligen sich nach Angaben der Initiatoren inzwischen.

In der evangelisch-lutherischen Kirche in Sachsen allerdings nur wenige, wie deren Umweltbeauftragter Heiko Reinhold sagt. "Die Kirchgemeinden sind sehr zögerlich." In der Heimvolkshochschule in Kohren-Sahlis wollten sie eine Weiterbildung dazu anbieten. "Aber es gab kaum Rückmeldungen." Mit Beschlüssen von Synode oder Kirchenleitung sei es nicht in Bewegung zu bringen. "Wenn wir das verordnen, läuft gar nichts. Das setzt Vorbildung und Willen in den Gemeinden voraus." 2011 haben sich sechs Frauen und Männer aus Sachsen ein Jahr lang im sachsen-anhaltischen Wittenberg zu "Umweltauditoren" ausbilden lassen.

"Die warten nun auf ihren Einsatz", sagt Heiko Reinhold. Angebote, anzufangen, gebe es für die Gemeinden. Das "Grüne Datenkonto" der Westfälischen Kirche zum Beispiel. Da könne man seinen Energieverbrauch kontrollieren lassen - kostenlos. Doch auch nutze kaum jemand. "Damit werden gute Möglichkeiten verschenkt. Es geht ja nicht nur um Ökologie. Auch um die knallharten Finanzen. Gemeinden könnten langfristig Geld sparen."

Umweltbewusste wie Joachim Stellmacher brauchen viel Geduld. Immerhin hat er Mitstreiter gewonnen: im Umweltteam sind sie zu viert. "Es sind viele kleine Schritte", sagt Stadtjugendpfarrer Georg Zimmermann. Ein großer ist ihnen immerhin gelungen: Die Verpflegung für die Freizeiten von Kindern und Jugendlichen in ihrer "Hütte" in Hartha kaufen sie auf dem Biohof in Podemus. Wenn die Kids mit kritischer Mine den Öko-Brotaufstrich kosteten, der statt Nutella auf dem Tisch stehe, ergäben sich Gespräche über das große Thema von ganz allein, sagt Zimmermann.

Der Grüne Hahn ist konfessionsübergreifend. Auch Katholiken beteiligen sich. Im Bistum Dresden-Meißen haben sich mehrere Gemeinden und Einrichtungen zumindest informiert, wie Ulrich Claussen sagt, im Bischöflichen Ordinariat zuständig für Umweltfragen. Doch gemessen an den möglichen Einsparungen erscheine den meisten der Aufwand für das Zertifizierungsverfahren zu groß.

St. Kunigunde in Pirna strebt das Siegel als einzige katholische Gemeinde an. Das siebenköpfige Umweltteam um Marie-Luise Staps, im Hauptberuf Umweltberaterin, hat erreicht, dass die Sächsische Energieagentur (SAENA) alle Gebäude der Gemeinde auf mögliche Einsparungen von Strom und Wärme untersucht hat. Die Grünanlagen werden schon mit Regenwasser gegossen. Der Kindergarten kocht in einer eigenen Küche. "Man muss viele mitnehmen", sagt Marie-Luise Staps. "Und realistische Ziele vor Augen haben."

Tomas Gärtner

Zweck: Umweltmanagement vom guten Willen zu gutem Tun werden lassen; Gemeinden und Institutionen helfen, eigenes Handeln zu reflektieren und umweltgerecht zu verändern

Geschichte: begonnen 2000 in der evangelischen Landeskirche Württemberg; Zertifikat basiert auf bereits vorhandenen Vorgaben der Europä- ischen Union, z.B. Öko-Audit-Verordnung EMAS

Methode: Umweltteam plant Einsparungsprojekte und kontrolliert Umsetzung durch Gemeindemitglieder

Weg: in mehreren Schritten beginnend bei Beschluss des Kirchenvorstandes über Bildung eines Umweltteams, Er- nennung eines Umweltmanagement- beauftragten, Formulierung von Umweltleitlinien mit konkreten Zielen, z.B. zu Energie- und Wasserverbrauch, Daten- erfassung, Handlungsempfehlungen bis zur Prüfung und Zertifizierung durch externe Auditoren

Internet: www.oekumenezentrum-ekm.de/entwicklung-umwelt/kirchliches-umweltmanagement/

www.kirchliches-umweltmanagement.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2012

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