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Dresdner eBibo wächst rasant - aber mit angezogener Bremse

Dresdner eBibo wächst rasant - aber mit angezogener Bremse

Das Interesse der Dresdner an digitalisierten Büchern (eBücher) legt rasant zu: Rund 4500 Ausleihen je Monat registriert die "eBibo" - die Internetfiliale der Städtischen Bibliotheken - derzeit, 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Rechnet man andere Digitalmedien wie Hörbücher oder Musik heraus, liegt der Zuwachs bei eBüchern sogar bei 95 Prozent, sagte eBibo-Chef Holger Nitzschner.

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eBibo-Chef Holger Nitzschner mit einem der neuen Farb-eReader. Er ist überzeugt, dass in Zukunft viele Bücher ausschließlich digital publiziert werden.

Quelle: hw

Er spricht sich für eine Pauschalabgabe im eBuch-Verleih aus, damit die Bibliotheken nicht vom Digitaltrend abgekoppelt werden.

"Vor allem Belletristik läuft digital gut", sagte er. Es gebe aber auch Titel, die in der Digitalausleihe gar nicht funktionieren: Das eBuch "Computerspielsüchtig?" etwa wurde noch kein einziges Mal heruntergeladen, ähnlich ein Ratgeber, wie man die deutsche Staatsbürgerschaft ablegt. Richtig gefragt sind Krimis, Science Fiction und Fantasy-eBücher sowie die Digitalausgabe von Sarrazins umstrittenen Sachbuch "Deutschland schafft sich ab".

Schub kam auch durch iPad-Welle

Nitzschner führt den Digitalschub in der Leserschaft auf den Preisverfall und die wachsende Auswahl der eBuch-Lesegeräte (eReader) zurück sowie die Begeisterung für Apples iPad - beide Geräteklassen eignen sich zum eBuch-Lesen. "Weihnachten 2011 wurden viele eReader verschenkt", weiß Nitzschner. "Das hat sich bei uns gleich in wachsenden Digital-Ausleihen niedergeschlagen." Zudem sei das eBuch-Angebot der Verlage deutlich breiter geworden.

Doch das rasante Wachstum ist nur eines mit angezogener Handbremse. So ist die Personalausstattung der eBibo alles andere als üppig: Zusammen mit drei Kollegen teilt sich Nitzschner eine halbe Stelle. Und: Die Internetfiliale hat zwar erst die Ausleihzahlen einer klassischen Stadtrandbibliothek erreicht, die Vormerkungsquote für eBooks liegt aber weit über dem Schnitt traditioneller Leihbüchereien - ein klares Indiz, dass der Digital-Bestand deutlich ausgebaut werden muss.

Doch gerade seitens vieler Verleger sieht Nitzschner - der als Mitglied der AG "Digitale Medien" im Deutschen Bibliotheksverband DBV auch die nationale und internationale Entwicklung im Blick hat - Diskriminierungs-Tendenzen für den Verleih von eBooks im Vergleich zum Kaufmarkt für eBücher. "Über das Onleihe-System können wir im Schnitt sechs bis sieben der 20 Bücher der Bestseller-Listen digital verleihen", sagt er. "Bei Amazon hingegen gibt es in der Regel 18 von 20 Bestseller-Büchern als eBooks zu kaufen."

Angst vor Kannibalisierungseffekt

Ähnlich benachteiligt würden die Bibliotheken bei Digitalausgaben von Zeitschriften. "Manche ePaper dürfen wir nur eine Stunde verleihen und das auch erst fünf Stunden nach der Druckausgabe, andere mit noch größerer Verzögerung", kritisierte Nitzschner. Dahinter stehe die "Kannibalisierungs-Angst" der Verlage: Gebe man Bücher und Zeitschriften für den digitalen Verleih zu großzügig frei, lese keiner mehr die Druckausgaben, auch leiste man Raubkopierern Vorschub, so der Grundgedanke. "Dabei verkennen die Verlage die lesefördernde Funktion öffentlicher Bibliotheken, die dafür sorgen, dass wieder ein lesendes Publikum heranwächst", betonte der eBibo-Chef.

Zudem harren grundsätzliche Probleme einer Lösung. So dürfen sich Bibliotheken zwar jedes im Handel erhältliche gedruckte Buch zulegen. Die Leihnutzung wird dann über die "Bibliotheks-Tantieme" an die "Verwertungsgesellschaft Wort" (VG Wort) abgeglichen - eine Pauschale ähnlich der GEMA-Abgabe von Diskotheken.

Bibliotheksauftrag in Gefahr

Für den eBuch-Markt hingegen gibt es solch eine Pauschal-Regelung nicht, daher muss die "Onleihe" als bundesweiter eBuch-Dienstleister der öffentlichen Bibliotheken für alle Titel Einzelverträge aushandeln. "Wir als AG ,Digitale Medien' treten für eine Reform des Urheberrechts ein", so Nitzschner. "Anstelle der Einzelverträge sollte es auch für eBooks eine Bibliothekstantieme als pauschalen Abgleich geben."

Gelinge dies nicht, sehe er perspektivisch das Konzept öffentlicher Leihbüchereien gefährdet: "Ich habe keine Zweifel, dass die Rolle elektronischer Medien in Zukunft weiter wachsen und viele Bücher nur noch digital erscheinen werden", sagt er. "Wenn man bis dahin nicht zu einer Lösung für den eBook-Verleih gekommen ist, sehe ich die Grundfunktion der Bibliotheken, alle Bücher allen zugänglich zu machen, in ernster Gefahr." Heiko Weckbrodt

Mehr Infos im Netz: ebibo-dresden.de und computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.07.2012

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