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Dresdner Verein KAMA organisiert Treffen zwischen Dresdnern und Flüchtlingen

Dresdner Verein KAMA organisiert Treffen zwischen Dresdnern und Flüchtlingen

In letzter Zeit sind zahlreiche Flüchtlinge nach Dresden gekommen. Nicht immer werden sie mit offenen Armen empfangen. Zu groß ist bei manchen Menschen die Angst vor allem Fremden.

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Ahmad, Franziska Kollasch, Florian Richter und Berthold Reis (v.l.n.r.) sitzen nach dem Islamkurs noch zusammen.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Weil diese Befürchtungen jedoch überwiegend mit Unwissenheit zu tun haben und die meisten Einheimischen persönlich gar keine Ausländer kennen, kann sich nur durch Begegnungen etwas an der Situation ändern.

Ein Dresdner Verein, der sich die Förderung dieses Austausches auf die Fahnen geschrieben hat, ist der KAMA Dresden e.V. Die Abkürzung steht für Kurse von Asylsuchenden, Migrant_innen und Asylberechtigten. Regelmäßig bietet er interkulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel "Treffen Sie einen Muslim!" an. "Unser Ziel ist es, dass Flüchtlinge nicht als 'Nutznießer' unseres Sozialsystems wahrgenommen werden, sondern ihre Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen. Wir möchten zeigen, dass wir etwas von ihnen lernen können, dass sie eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind", sagt Vereinsmitglied Franziska Kollasch.

Das Spektrum der Kurse sei dabei sehr breit gefächert. So hätte beispielsweise ein Afghane einen Steinmetzkurs oder eine Roma aus Serbien einen Lehrgang im Hausschuhe filzen angeboten. Demnächst steht zudem ein Arabischkurs auf dem Programm, der von einem syrischen Ehepaar geleitet wird. "Gerade Menschen, die aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland kommen, freuen sich über diese Gelegenheit, weil sie in den ersten drei Monaten nicht arbeiten dürfen und auch danach nur eine Stelle bekommen, wenn kein Deutscher bzw. EU-Bürger dafür zur Verfügung steht", so die 25-Jährige.

Dass die Dresdner den Angeboten von KAMA aufgeschlossen gegenüberstehen, wenn man sie direkt anspricht, merkten die Vereinsmitglieder auf der Prager Straße, als sie für eine Veranstaltung über den Islam geworben haben. "Gemeinsam mit Ahmad aus Syrien, der die Idee zu dem Kurs hatte, standen wir mit einem Schild sowie Flyern in der Fußgängerzone und konnten kaum glauben, wie positiv die Resonanz war. Die Leute sind von allein auf uns zugekommen und wollten reden", sagt Kollasch. Viele hätten auch gesagt, dass sie es ganz traurig fänden, dass es die Pegida-Demonstrationen gibt und sie sich dafür schämen, erinnert sich die Lehramtsstudentin.

Zu der Veranstaltung "Treffen Sie einen Muslim!", die unter anderem in der Moschee unweit des Straßburger Platzes stattfand, kamen am Ende etwa 20 Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Und die stellten eifrig Fragen. "Angesichts des Terroranschlags auf Charlie Hebdo in Paris wollten sie zum Beispiel wissen, was im Koran über die Anwendung von Gewalt geschrieben steht", sagt der 23-jährige Medizinstudent Ahmad (Name geändert), der den Besuchern als gläubiger Muslim Rede und Antwort stand. Er habe den Teilnehmern erklärt, dass Menschen, die z.B. schlecht über Gott sprechen, einfach ignoriert werden sollen. "Von Gewalt ist im Koran keine Rede", betont der 23-Jährige.

Gegenwärtig engagieren sich im KAMA Dresden e.V. 15 Mitglieder, von denen etwa 80 Prozent Studenten sind. Grundsätzlich sieht sich der Verein jedoch nicht als studentische Vereinigung. "Jeder der Lust hat, kann sich bei uns engagieren. Unsere Zielgruppe sind alle Dresdner, die gern Kontakt mit Migranten haben möchten und die Migranten selbst, die den Verein als Plattform nutzen können", sagt Franziska Kollasch.

Anders als für die Vereinstreffen, die jeden ersten Mittwoch im Monat im Literaturhaus Villa Augustin stattfinden, gibt es für die Kurse gegenwärtig keinen festen Raum. Allerdings haben es die Vereinsmitglieder nie schwer, einen zu finden. "Wir stoßen auf große Hilfsbereitschaft und kooperieren z.B. eng mit dem Festspielhaus Hellerau", so Kollasch. Für die Zukunft hat KAMA vor allem ein Ziel: "Wir müssen besonders die Leute erreichen, die zwar Vorurteile haben, aber dennoch gesprächsbereit sind. Nur so kann sich langfristig etwas ändern", sagt Ahmad.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2015

Stephan Hönigschmid

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