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Dresdner Bildungsbericht: Fast 60 Prozent der Gorbitzer Sechsjährigen sind sprachgestört

Dresdner Bildungsbericht: Fast 60 Prozent der Gorbitzer Sechsjährigen sind sprachgestört

Jedes vierte Vorschulkind zeigt Sprachauffälligkeiten, kann sich also nicht so gut artikulieren, wie es eigentlich in seinem Alter können müsste. Dabei verzeichnen die einzelnen Stadtteile gravierende Unterschiede.

Zu diesem Resultat gelangt der jetzt veröffentlichte 2. Dresdner Bildungsbericht, in dem die Autoren erstmals die Ortsamtsbereiche im Einzelnen betrachtet haben.

Im Ortsamtsbereich Cotta lebten in den beiden Schuljahren 2011/12 und 2012/13 überdurchschnittlich viele Kinder, die einer medizinischen Untersuchung bedürfen oder schon behandelt werden. In Gorbitz-Nord und Neu-Omsewitz hat sich im Vergleich zum Zeitraum 2009/10 und 2010/11 der Anteil der Kinder mit jugendärztlicher Überweisung von 11 auf 28 Prozent fast verdreifacht. Nahezu 60 Prozent der Kinder in den Gorbitzer Stadtteilen sind behandlungsbedürftig.

Auch die Stadtteile des Ortsamtsbereiches Altstadt rangieren mit mehr als 30 Prozent sprachauffälliger Kinder über dem städtischen Durchschnitt. In der Friedrichstadt hat sich der Anteil der Kinder mit jugendärztlicher Überweisung von 12 auf 29 Prozent mehr als verdoppelt. Im Ortsamtsbereich Neustadt leben mehr sprachauffällige Kinder als in den Vorjahren, aber mit etwas unter 20 Prozent weniger als im stadtweiten Schnitt. Eine Ausnahme bildet die Innere Neustadt mit 40 Prozent.

Im Ortsamtsbereich Pieschen verzeichnet Kaditz mehr auffällige Kinder (36 Prozent) als im Stadtschnitt. Klotzsche liegt mit 19 Prozent generell unter dem Durchschnitt. Besonders viele Kinder, die sprachlich auf der Höhe sind, gibt es im Ortsamtsbereich Loschwitz - vor allem in Loschwitz / Wachwitz, Bühlau / Weißer Hirsch und Hosterwitz / Pillnitz. Entgegen dem stadtweiten Trend ist die Zahl auffälliger Kinder im Ortsamtsbereich Blasewitz sogar zurückgegangen (21 Prozent). Ausnahme Striesen-Süd: Hier ist der Anteil an jugendärztlichen Überweisungen dem Bildungsbericht zufolge stark gestiegen. Ein Blick auf die Ortsamtsbereiche Leuben, Prohlis und Plauen ergibt folgendes Bild: Im Stadtteil Leuben sind allein die jugendärztlichen Überweisungen von 13 auf 24 Prozent enorm gestiegen. Prohlis liegt im stadtweiten Schnitt, Plauen mit weniger als 20 Prozent deutlich darunter.

Dass am Förderzentrum Sprache mehr Kinder aus Gorbitz sitzen, kann Uwe Hempel, Leiter des Förderzentrums Sprache, nicht bestätigen. Sprachauffälligkeiten gebe es gleichermaßen auch bei Kindern aus sozial nicht benachteiligten Familien in Blasewitz oder Loschwitz, meint er. Die Gründe, warum ein Kind Nachholebedarf in Sachen Sprache hat, sind Hempel zufolge vielfältig: "Es muss auf jeden Fall eine Veranlagung vorliegen", erklärt er. Ein weiterer Grund seien Störungen, die aus dem Kind herauskommen, zum Beispiel innere Probleme hirnorganischer Art. "Bei frühgeborenen Kindern kommen ganz oft Sprachstörungen vor", nennt er ein Beispiel.

"Wir müssen aber auch gucken, dass wir den Kindern Sprache nicht nur passiv anbieten", sagt Hempel. Er rät prinzipiell, auf Augenhöhe mit den Kindern zu sprechen, sie ernst zu nehmen, sie einzubeziehen, ihre Wünsche zu respektieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2014

Katrin Richter

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