Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 12 ° heiter

Navigation:
Google+
Dresdens Schulverwaltungsamts-Chef: "Ein Schulneubau dauert sechs Jahre"

Dresdens Schulverwaltungsamts-Chef: "Ein Schulneubau dauert sechs Jahre"

Nirgendwo in Deutschland werden so viele Kinder geboren wie in Dresden. 17 neue Schulen muss die Landeshauptstadt daher bis 2025 bauen bzw. gründen und weitere sanieren.

Voriger Artikel
SLUB Dresden stellt digitalisierte Schlegel-Briefe online
Nächster Artikel
Andrang an Dresdens Gymnasien: Stadt füllt Klassen bis zur Obergrenze

Angespannte Personalsituation: Falk Schmidtgen in seinem Büro im Schulverwaltungsamt.

Quelle: Norbert Neumann

Im DNN-Gespräch erklärt Falk Schmidtgen, seit 2007 Leiter des Schulverwaltungsamtes, warum ein Neubau so lange dauert, ob die Plätze an den Gymnasien reichen und was der evaluierte Schulnetzplan sagt.

Warum braucht es so lange, bis eine neue Schule fertig gebaut ist?

Sehen Sie, wir sind in einer Rechtssituation, die zügiges Bauen nicht mehr zulässt. Der eigentliche Schulbau dauert ja nur anderthalb bis zwei Jahre. Aber: Sechs Monate davor müssen die Bauleistungen ausgeschrieben und vergeben werden. Anderthalb bis zwei Jahre dauert die Planung einschließlich Baugenehmigung und noch einmal neun Monate braucht es, die Planungsaufträge im VOF-Verfahren auszuschreiben. Das sind alles in allem schon mal vier bis fünf Jahre. Und eventuell vergehen allein zwölf Monate, um ein Grundstück zu suchen, zu finden und zu kaufen. Manchmal kommen, wie beim Schulkomplex Pieschen an der Gehestraße, noch einmal ein bis anderthalb Jahre für den Bebauungsplan hinzu.

Das würde bedeuten, dass für eine Schule auf einem fremden Grundstück, die 2020 fertig werden soll, ab jetzt ohne Unterbrechung gearbeitet werden müsste, oder?

Genau. Das Problem ist, dass sich in den kommenden sechs Jahren in manchen Grundschulbezirken die Schülerzahlprognosen noch mal wesentlich ändern dürften. Und nicht nur das: Zuzüge in ein trendiges Wohngebiet und mehr Interessenten fürs Gymnasium kündigen sich kurzfristig und nicht schon sechs Jahre zuvor an. Wenn wir also solche Trends drei Jahre vorher feststellen, können wir nur noch mit Zwischenlösungen reagieren, weil es für den normalen Schulhausbau schon zu spät ist.

Wo gibt es noch Reibungsverluste?

Die Abwägungsprozesse sind schwierig und zeitaufwändig. Beim neuen Schulstandort Tolkewitz war schnell klar: Die Dresdner Verkehrsbetriebe brauchen dort eine Gleisschleife. Über die Frage, wo genau sie hinkommen soll, ob vor oder neben die Schulbauten, haben wir aber monatelang diskutiert. Anderes Beispiel: Auf dem Grundstück des Schulstandorts Pieschen gibt es Zauneidechsen. Sie sind streng geschützt. Trennen wir einen großen Grundstücksteil zu ihrem Schutz ab? Siedeln wir die Eidechsen um? Finden wir ein anderes Grundstück? Können wir das bezahlen? Selbst wenn alles zügig entschieden wird - das kostet Zeit.

Themenwechsel: Der evaluierte, also überarbeitete Schulnetzplan liegt jetzt vor. Haben sich die Prognosen von 2012 bestätigt?

Im Wesentlichen ja. Bisher haben wir im Schuljahr 2025/26 mit 5900 Sechsjährigen gerechnet, nun erwarten wir ein Jahr später mit 5876 Erstklässlern den Höchststand. Der Anstieg fällt also etwas geringer aus als erwartet. Solche Prognosen können aber sowieso nie genau sein. Eins steht trotzdem fest: Wir brauchen alle im Schulnetzplan von 2012 aufgelisteten Kapazitätserweiterungen.

Stichwort Gymnasien: Ist im neuen Schuljahr für alle Fünftklässler Platz?

Ja. Jeder Schüler hat ja letzte Woche eine Aufnahmebestätigung von einem Gymnasium erhalten. Um alle Schüler unterzubekommen, werden allerdings eine ganze Reihe Klassen bis zur Obergrenze von 28 Schülern gefüllt sein. Und die Gymnasien Bürgerwiese und Bühlau beispielsweise nehmen jetzt schon sechs statt fünf bzw. vier Parallelklassen auf, weil sich so viele Fünftklässler angemeldet haben. In den kommenden Jahren erwarten wir für die ganze Stadt jeweils ein bis zwei Schulklassen mehr als ursprünglich prognostiziert.

Konkret: Wie geht es in Prohlis weiter? Das neue Gymnasium durfte nicht eröffnen, weil sich nur elf Schüler angemeldet hatten.

Mit einer Mindestschülerzahl von 40 statt 60 ist das Kultusministerium der Stadt weit entgegengekommen. Ich hoffe, dass sich für das nächste Schuljahr genügend Interessenten finden. Wir haben für 100 000 Euro Renovierungs- und Reparaturaufträge ausgelöst, so dass die Unterrichtsräume zu den Elternabenden Anfang 2015 besser aussehen dürften als im Moment.

Brauchen wir weniger neue Oberschulen als 2012 gedacht?

Nein, die Schülerzahlprognose weicht nur unwesentlich vom alten Schulnetzplan ab. Einige wenige Änderungen gibt es - je nachdem, welchen Stadtteil wir uns anschauen. Die 149. Oberschule in Seidnitz beispielsweise muss nicht schon 2017, sondern voraussichtlich erst 2020 gegründet werden, weil die Nachfrage in dem Gebiet noch nicht so groß ist.

Wie sieht es bei den Grundschulen aus?

Auch hier halten wir an allen Neubauten fest. Schauen wir uns das Zuzugsgebiet Pieschen an. Die 144. Grundschule an der Micktener Straße eröffnet im Sommer wie geplant. Außerdem wollen wir 2017 auf dem Grundstück des Förderzentrums für Hörgeschädigte an der Maxim-Gorki-Straße in Pieschen eine zweizügige Grundschule eröffnen. Auch nach Friedrichstadt ziehen immer mehr Menschen. Inwieweit wir auch dort deutlich mehr Grundschulplätze brauchen und wann, ist davon abhängig, wie schnell die Wohnungen saniert werden. Das können wir noch nicht genau abschätzen.

Liegt der Neubau in Niederpoyritz für die Kinder der 88. Grundschule im Zeitplan?

Der Umzug der Grundschüler aus Hosterwitz ist jetzt für Sommer 2018 vorgesehen. Hier sind wir zunächst von 2017 ausgegangen.

Es dauert voraussichtlich noch vier Jahre, bis die Schüler der 32. Oberschule in den neuen Schulstandort Tolkewitz ziehen können. Reicht der Platz für die 32. Grund- und Oberschule an der Hofmannstraße?

Die Schülerzahl im Einzugsbereich wächst in der Tat immens. Weil Tolkewitz erst 2018 fertig wird, denken wir über eine Interimslösung für die Oberschule nach. Entweder die Schüler ziehen komplett in eine Auslagerungsschule, bei kurzzeitigem Bedarf eventuell auch nur Teile der Schülerschaft. Da entscheiden wir von Jahr zu Jahr - je nachdem, wie viele Klassen gebildet werden.

Wieviele Mitarbeiter haben am Schulnetzplan geschrieben?

Wir haben hier im Schulverwaltungsamt ein Sachgebiet Schulentwicklung. Die sieben Kollegen arbeiten allerdings nicht alle Vollzeit und beschäftigen sich auch längst nicht nur mit dem Schulnetzplan, sondern begleiten Schulen beim Umzug, stimmen den Raumbedarf ab, machen die Schülerzahlstatistik etc.

Wieviele Mitarbeiter gehören denn zum Schulverwaltungsamt?

Insgesamt etwa 250. Den größten Teil davon machen die Schulsekretärinnen aus. Hier an der Fiedlerstraße sind wir knapp 90 Kollegen.

Wie schätzen Sie die Personalsituation ein?

Weil wir deutlich mehr Schulbauprojekte und damit mehr Arbeit haben und weil der Abstimmungsbedarf wächst, ist die Personalsituation sehr angespannt, aber die Motivation stimmt trotzdem.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.06.2014

Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.