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Dresden will sich erstmals eine eigene Schulbauleitlinie geben - Diskussion ist in vollem Gange

Dresden will sich erstmals eine eigene Schulbauleitlinie geben - Diskussion ist in vollem Gange

Die Stadt Dresden will sich erstmals eine eigene Leitlinie für den Bau von Schulen geben. Darin werden u.a. fünf wesentliche Qualitätskriterien festgeschrieben.

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Pädagogische Konzepte brauchen entsprechende Räume, die inspirieren und unterstützen.

Quelle: dpa

Mit einem Zimmer pro Klasse ist der Platzbedarf heute nicht mehr gedeckt, Gruppenarbeit und selbstständiges Lernen nehmen inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum ein.

Während der Freistaat Sachsen die Lehrer stellt, sind die Städte als Schulträger für die Gebäude zuständig. Derzeit lernen etwa 50.000 Schüler in Dresden an städtischen Schulen. Die Zahl der Schulanfänger wächst in der Landeshauptstadt derzeit noch kontinuierlich. „Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft“, heißt es im Leitlinienentwurf und deshalb hat die Stadt ein enormes Investitionsprogramm aufgelegt. 500 Millionen Euro sollen von 2015 bis 2019 investiert werden. Parallel dazu haben sich in den letzten Jahren pädagogische Ansätze und Organisationsformen geändert, Ganztagsbetrieb, Integration und Inklusion sind bzw. werden dazukommen. Darauf will die Stadt auch mit den Raumstrukturen in Schulen reagieren. Es geht um den „Schulbau von morgen“. Nicht zuletzt weil für jeden Bau eine erhebliche Vorbereitungszeit nötig ist.

Lernmotivation ist ein entscheidender Aspekt, wenn Schule mehr sein soll als reine Wissensvermittlung. Um Lernen als aktiven Prozess und nicht nur passive Informationsaufnahme zu ermöglichen, wie es in der Leitlinie heißt, ist auch die Lernumgebung entscheidend. Im Mittelpunkt der geplanten Leitlinie sollen fünf qualitative Kriterien stehen:

Pädagogisch-architektonische Konzeption

Pädagogische Konzepte brauchen entsprechende Räume, die inspirieren und unterstützen. Aus pädagogischem Bedarf ergeben sich bauliche Anforderungen, die Architektur soll das pädagogische Konzept unterstützen. Die Umsetzung werde bei Neubauten „als gegeben angenommen“. Bei Sanierungen und Erweiterung sollten auch individuelle Lösungen möglich sein, die den Bestand alter Gebäude akzeptieren.

 

Organisationsform und Flächenbedarf

Das Schulgebäude soll einen Wechsel von Kontinuität und Diskontinuität ermöglichen. Neben gewohntem Umfeld und Überschaubarkeit sollen auch „konfliktreiche Kontrasterfahrungen“ möglich sein, damit sich Schüler persönlich weiter entwickeln können. Die Lösung sieht der Leitlinienentwurf in der „Clusterbildung“ als Alternative zur konventionellen Flurschule. Mehrere Klassenräume sollen dabei mit Mehrzweck- oder Gruppenräumen kombiniert werden. Das können bei Grundschulen Ganztagsbereiche sein, bei Oberschulen sind Cluster aus Klassenräumen sowie Selbstlern-, Gruppen-, Mehrzweck- oder Vorbereitungsräumen vorgesehen. Von der „Schule in der Schule“ sprechen die Autoren. So entstehen in großen Schulen auch für jüngere Kinder überschaubare  Einheiten, die dennoch den Austausch zwischen unterschiedlichen Schülergruppen ermöglichen, dies könne jahrgangsweise oder jahrgangsübergreifend erfolgen. Auch Inklusion und Integration sollen nicht schlicht zur Raumvermehrung führen, vielmehr seien effektive und multifunktionale Lösungen gefragt.

 

Gestaltung und Ausstattung

Schüler wünschen sich abwechslungsreich gestaltete, aber keine chaotischen Schulbauten. Die Leitlinie nennt Prinzipien, die beachtet werden sollten etwa  für die Kombination von Baumaterialien mit Faktoren wie Licht, Farbe und Akustik. „Die psychologische Wirkung sollte bei der Farbgestaltung wohl überlegt sein“, heißt es. Das Farbkonzept könne jeder Schule Individualität vermitteln.

 

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Die Autoren lenken den Blick auch schon auf künftige Sanierungen oder Erweiterungen. Die Struktur nachhaltiger Gebäude sollte dafür offen sein. Grundsätzlich müssten Schulgebäude so konstruiert sein, dass sie für die nächsten Jahrzehnte gerüstet sind.

 

Sicherheit und Gesundheit

Neben vorbeugenden Maßnahmen für den Brandschutz und den Katastrophenfall müssen Belichtung, Belüftung und Akustik ein gesunde und lernförderliche Umgebung schaffen. Dazu gehört auch ein Schutz vor sommerlicher Überhitzung, verglaste Süd-, West- und Ostflächen benötigten einen außenliegenden Sonnenschutz.

Teilweise Abkehr von Computerkabinetten

Ganz speziell widmet sich die Leitlinie der Raumorganisation an allgemeinbildenden Schulen. Jede Klasse sollte einen Klassenraum haben. Grundsätzlich ergebe sich im Grundschulbereich eine Raumgröße von 63 Quadratmetern und bei weiterführenden Schulen von 61,6 Quadratmetern.

Der Mehrbedarf an den Grundschulen ergibt sich durch die gemeinsame Nutzung mit dem Hort. An Gymnasien liegt die Raumgröße in der Sekundarstufe 2 schließlich bei 58,5 Quadratmetern für Kursräume.

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Der technische Fortschritt führt zudem zu einer teilweisen Abkehr von den Computerkabinetten.

Quelle: dpa

Der technische Fortschritt führt zudem zu einer teilweisen Abkehr von den Computerkabinetten. Der informationstechnische Bereich soll „gegenüber bisherigen Konzepten reduziert werden“. Diesen Unterricht will man verstärkt in Klassenräumen erteilen. Mobile Geräte könnten in speziellen Räumen in den Clustern zum Einsatz kommen.

Ein flächendeckendes W-Lan wird noch nicht angestrebt für die Schulen. An einer Schule, wo sich mit dem Klingelzeichen schlagartig eine große Zahl von Nutzern zu- oder abschalten, müssten besondere Vorkehrungen für Bandbreiten oder Stromversorgung getroffen werden.

Manchen „gordischen Knoten“ kann auch die Leitlinie nicht durchschlagen. Das betrifft etwa Außenbereiche, die mit der Grundstücksgrenze einen festen Rahmen haben. Die Kinder sollen dort Platz zur Bewegung und zur Ruhe finden. Trotzdem sollen Zufahrten zu den Müllcontainern beispielsweise so weiträumig gestaltet sein, dass Müllautos auf dem Schulgelände nicht rückwärts fahren müssen. Da kann es eng werden.

Ingolf Pleil

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