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Dresden und das Herz des Kongos: Dresdens Partnerstadt Brazzaville

Dresden und das Herz des Kongos: Dresdens Partnerstadt Brazzaville

Dresden hat offiziell 13 Partnerstädte in der ganzen Welt. In loser Folge stellen wir Ihnen derzeit jede einzeln vor. Nach unseren Ausflügen nach Florenz und Hamburg geht es heute auf den afrikanischen Kontinent.

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Die Moschee in Brazzaville ist eines der eindrucksvollsten Gebäude der Stadt. Ein weiterer Zeitzeuge der Geschichte ist auch die Basilika Sainte Anne.

Quelle: Pascal Deloche / Godong

Denn seit 1975 ist Dresden partnerschaftlich mit Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, verbunden. Erst kürzlich wurde in der am Pool Malebo gelegenen Metropole eine Schule eingeweiht, die aufs Engste mit Dresden verbunden ist.

Von kristina schoger* und christoph stephan

Zu keiner anderen Partnerstadt gestalteten sich die Beziehungen für Dresden in den vergangenen Jahren so schwierig wie zu Brazzaville. Zur Zeit des Bürgerkriegs Ende der 1990er Jahre, von dem das Land heute noch gezeichnet ist, kam die Städtepartnerschaft praktisch zum Erliegen und keimt erst seit einiger Zeit langsam wieder auf. Umso erfreulicher, dass kürzlich das Collège Nganga Lingolo eingeweiht werden konnte, was ohne die Unterstützung aus Dresden durch den Verein "arche noVa" so nie möglich gewesen wäre.

Die Kinder und Jugendlichen, die hier lernen, strahlen glücklich. Nicht unbedingt wegen des Mathematik- oder Physikunterrichts, sondern weil sie seit Kurzem wirklich die Schulbank drücken können. Schulbänke sind keine Normalität in den Schulen der Außenbezirke von Brazzaville.

Vor vier Jahren knüpften die Mitarbeiter von "arche noVa" Kontakte mit der Schule und begannen damit, sie mit Wasser zu versorgen und die Sanierung des Komplexes anzuschieben. Damals fehlten Fenster und Türen, die Dächer waren undicht, an den Wänden bröckelten Putz und Farbe. Es gab kein Wasser zum Trinken, keine Toiletten und keine Waschbecken. Die Schüler mussten vom unbefestigten Boden aus dem Unterricht lauschen. Gemeinsam mit ihrem Partner vor Ort, dem so genannten "Forum für die Unterstützung ländlicher Gruppen", baute "arche noVa" nicht nur einen Brunnen mit Pumpe und Zisterne für die Schule, sondern auch sanitäre Einrichtungen.

Zudem ging das Projektteam direkt auf die Kinder und Lehrer zu und organisierte Informationsveranstaltungen sowie Hygieneschulungen. Bis Frühjahr 2013 wurden schließlich auch noch die 14 Klassenräume, das Lehrerzimmer, die Büros, die Bibliothek und die Umkleidekabine saniert. Das Geld dafür stammt nicht nur aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern auch aus Spenden für "arche noVa" sowie aus Mitteln des Projekts "genialsozial" der Sächsischen Jugendstiftung, an dem sich die Stadt Dresden regelmäßig beteiligt.

Die Modernisierung des Collège Nganga Lingolo zählt zweifelsohne zu den Höhepunkten an städtepartnerschaftlichen Aktivitäten. Aus touristischer Sicht ist Brazzaville eher uninteressant. Benannt ist die 1,3-Millionen-Einwohner-Stadt nach dem Franzosen Pierre Savorgnan de Brazza, der 1883 in Französisch-Kongo eine Station anlegte, aus der sich die Stadt entwickelte. Portugiesische Seefahrer hatten die Region allerdings bereits im 15. Jahrhundert entdeckt. Das weithin sichtbare Wahrzeichen von Brazzaville ist der Tour Nabemba. Das Gebäude wurde mit geliehenem Geld des französischen Ölkonzerns Elf errichtet, um Überlegenheit gegenüber Kinshasa zum Ausdruck zu bringen, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Der Einfluss Frankreichs ist in Brazzaville allgegenwärtig. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war hier die Hauptstadt des Freien Frankreichs, die "Case de Gaulle" ist jetzt die Residenz des französischen Botschafters.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland (und damit auch Dresden) und der Republik Kongo sind schwach. Die wichtigsten Exportpartner sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes die USA, die Volksrepublik China und Frankreich. Wichtigster Arbeitgeber vor Ort ist die Landwirtschaft. Zukunftsweisende Investitionen werden aber immer wieder durch Bürokratie, Korruption, Probleme im Strom-, Straßen- und Kommunikationsnetz sowie wegen fehlender Fachkräfte gebremst. Der "Doing Business Report 2012" der Weltbank sieht die Republik Kongo in puncto wirtschaftlicher Entwicklung auf Platz 181 von 183.

Trotzdem pflegen Dresden und Brazzaville ihre Städtepartnerschaft mittlerweile wieder regelmäßig. Der damalige Bürgermeister, der inzwischen verstorbene Bernard Kolélas, war 1995 in der sächsischen Landeshauptstadt zu Gast. Zudem reiste ein Chor aus Brazzaville zur Zeit des Dresdner Stadtjubiläums im Jahr 2006 an die Elbe und gab hier ein Konzert.

Am Romain-Rolland-Gymnasium gibt es eine Schülergruppe, die sich unter dem Namen "Jeunes en action pour Brazzaville" (JAB) zusammengefunden hat, um sich für Projekte in der kongolesischen Hauptstadt stark zu machen und über die Partnerkommune zu informieren. Im Zimmer von Schuldirektor Jean Omer Loubassou im Collège Nganga Lingolo hängt übrigens ein Foto der JAB-Schüler aus Dresden.

* Kristina Schoger verantwortet die Europa-Arbeit der Landeshauptstadt Dresden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.07.2013

schoger stephan

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