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"Dresden ist so schön altmodisch" - Koreanerin Chorong aus Incheon lernt am Kästner-Kolleg

"Dresden ist so schön altmodisch" - Koreanerin Chorong aus Incheon lernt am Kästner-Kolleg

Wer eine fremde Kultur richtig kennen lernen will, muss in die entsprechende Weltregion reisen. Doch manchmal kommt es anders: Dann kommt die fremde Kultur in das eigene Zuhause.

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Erich Kästner - zumindest sein Denkmal am Albertplatz - hat Chorong schnell in die Arme geschlossen. Sie lernt Deutsch in Dresden.

Quelle: Christian Juppe

Reisestrapazen über 8500 Kilometer und 36 Stunden Dauer hat Chorong aus Incheon in Südkorea zurückgelegt, um nach Dresden zu gelangen. Nicht gerade ein Katzensprung und klar, dass sich unser WG-Leben mit unserer neuen Mitbewohnerin ein klein wenig verändern wird.

Mittagessen schon am Morgen

Schon am ersten Morgen nach ihrer Ankunft vernehmen unsere Nasen etwas eigenartiges: Ist es wirklich schon Zeit für das Mittagessen? Zumindest duftet es so! Mit fragenden Blicken in der Küche angekommen, lassen wir uns von Chorong erklären: "In Korea essen wir schon früh warm. Es gibt zum Beispiel warme Suppe, Reis mit Gemüse oder Zucchinipfanne." Da läuft einem schon am Morgen das Wasser im Mund zusammen und Brötchen mit Marmelade klingt plötzlich ziemlich fad. Chorong überrascht uns gleich noch einmal: "Vor allem im Winter essen wir früh warm, denn wir glauben, dass es den ganzen Körper wärmt. Bei uns ist es oft Minus 20 Grad kalt." Der erste Morgen mit unserer neuen Zwischenmieterin und schon so viel gelernt. Chorong ist 21 Jahre und studiert Deutsch und Kulturmanagement in Incheon, einer Großstadt etwas westlich von Seoul mit knapp drei Millionen Einwohnern. Abgesehen von einem Besuch beim Nachbarn Nordkorea, hat sie ihre Heimat vorher nie verlassen. Seit letztem Oktober lebt Chorong nun in Sachsens Hauptstadt und lernt Deutsch am Kästner-Kolleg. An der Universität in Incheon hat sie das erste Mal von einer Stadt namens Dresden am anderen Ende der Welt gehört: "Wir haben von der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erfahren und von ihrem Wiederaufbau". Chorong mag die Architektur Dresdens, die sie als "so schön altmodisch" bezeichnet. Damit meint sie aber nicht nur die Barockpaläste, sondern das gesamte Stadtbild. "In Incheon sehen alle Gebäude gleich aus. Es sind vor allem Hochhäuser mit Apartments und Geschäftshäuser".

Sonntagsruhe? Nie gehört!

In unseren eigenen vier Wänden macht sich derweil immer öfter ein beißender Knoblauchnebel breit. In Korea scheint die Knolle wohl ein Grundnahrungsmittel zu sein. Obwohl Chorong die deutsche Kultur mag, lebt sie dennoch vor allem ihre koreanische Esskultur bei uns aus. Apropos Kultur: Welche Eigenart fällt Chorong eigentlich an Deutschland auf? "Warum sind alle Geschäfte am Sonntag geschlossen?", fragt sie. Vor allem nachts scheint das Leben in Südkorea lebendiger und geschäftiger als hierzulande. "Die Geschäfte öffnen auch am Sonntag und jede noch so kleine Straße hat mindestens drei Spätshops", erzählt sie. Fremden gegenüber seien Koreaner eher misstrauisch und weniger offen. So hat es Chorong überrascht, dass man sich hier unter Nachbarn grüßt: "In Korea blicken die Leute eher nach unten und gehen einfach aneinander vorbei."

Noch bis Juli will Chorong in Dresden die deutsche Kultur und besonders die deutsche Sprache verstehen lernen. Von Montag bis Freitag hat sie jeden Tag vier Stunden Deutschunterricht. Neben zwei Koreanern kommen die Sprachschüler in ihrem Kurs aus Russland, China und Spanien. Ein buntes Kauderwelsch kriegt man am Kästner-Kolleg aber nicht zu hören, denn Deutsch ist nicht nur Unterrichts-, sondern auch Pausensprache. "Ich kann gut in deutscher Sprache schreiben, aber verstehen und sprechen ist noch schwierig", berichtet sie. In ein paar Wochen wird Chorong schon wieder Koffer packen. Dann heißt es: auf in die nächste WG. Für uns war es leider nur ein kurzes koreanisches Gastspiel, das aber neugierig gemacht hat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.02.2013

Beate Erler

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