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Dresden braucht mehr Hauswirtschafter

Beruf mit Zukunft vor dem Aus Dresden braucht mehr Hauswirtschafter

Am 21.03 ist Welthauswirtschaftstag. Obwohl der Beruf des Hauswirtschaftlers in Dresden gefragter denn je ist, gibt es keine Ausbildungsplätze. Das liegt zum einen an der scheinbar geringen Attraktivität des Berufes, aber auch an bürokratischen Hürden.

Anna Ott (l.) ist einer der letzten Beiden Hauswirtschafts-Auszubildenden in der Stadt. Im Gästehaus der SBG erlernt sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung.

Quelle: Foto: Sebastian Burkhardt

Dresden. Steve Albrecht kommt gerade mit zwei Einkaufstüten um die Ecke. Als nächstes werden die Fenster geputzt, dann der Fußboden. Anschließend geht es zum Bettenausschütteln ins Schlafzimmer. Klingt wie ein ganz normaler Wochenendtag. Doch der 33-Jährige macht die Hausarbeit nicht für sich selbst. Er ist Hauswirtschafter bei der Volkssolidarität Dresden und übernimmt die Aufgaben für diejenigen, die es nicht mehr selbst können.

„Die eigene Wohnung ist schon heute der wichtigste Pflegeort für alte Menschen. Die Pflege in der Zukunft wird sich weiter sehr stark daran orientieren“, erklärt Elke Keiner anlässlich des heutigen Welthauswirtschaftstages. Sie ist Geschäftsführerin der Volkssolidarität in Dresden und weiß um die Wichtigkeit dieses Berufes. „Viele Senioren benötigen auch im hohen Alter nicht unbedingt einen professionellen Pfleger. Einige haben aber Probleme damit, die alltäglichen Dinge selbst zu erledigen. Deshalb bieten wir den hauswirtschaftlichen Service an“, so Keiner.

Mit insgesamt 40 Hauswirtschaftern betreut die Volkssolidarität mehrere Hundert Wohnungen in der ganzen Stadt. „Der Bedarf wird aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft mit Sicherheit weiter steigen“, erklärt die Chefin der Volkssolidarität. Steve Albrecht ist bereits seit 2005 als Hauswirtschaftshilfe für die Organisation tätig. „Ich habe damals als Zivildienstleistender angefangen“, so der 33-Jährige. Anschließend arbeitete er mehrere Jahre ehrenamtlich weiter, bevor er 2011 als einer der ersten in ganz Dresden eine feste Stelle als Hauswirtschafter bekam.

Seit dem übernimmt er täglich die Alltagsaufgaben für Senioren. „Ich lerne viele Persönlichkeiten kennen und höre oft spannende Lebensgeschichten von der älteren Generation. Meine Kunden sind äußert dankbar, was ich regelmäßig zu spüren bekomme. Das ist ein gutes Gefühl“, erklärt der Hauswirtschafter. Doch wie viele seiner Kollegen hat auch Steve Alberecht keine Ausbildung zum Hauswirtschaft absolviert. „Das ist sehr bedauerlich, das es kaum noch Fachkräfte auf diesem Gebiet gibt“, so Elke Keiner. Deshalb sei man gerade damit beschäftig, das Konzept zu überarbeiten. „Wir werden das Anforderungsprofil verschärfen, um unseren Kunden eine noch bessere Qualität bieten zu können. Auch alltägliche Hausarbeiten müssen wir als Dienstleister professionell angehen“, erklärt Keiner.

Doch das könnte sich in Dresden als problematisch herausstellen. Der Beruf des Hauswirtschafters wird nämlich so gut wie gar nicht mehr ausgebildet. „Im Moment haben wir nur noch zwei Auszubildende als Hauswirtschaftstechnische Helferin“, erklärt Uta Poll von der Sächsischen Bildungsgesellschaft Für Umweltschutz und Chemieberufe in Dresden (SBG). Das Problem: Für die Ausbildung zum Hauswirtschafter bedarf es einem Ausbildungsbetrieb, der diese Richtung anbietet und einen Hauswirtschaftsmeister in seinen eigenen Reihen hat.

„Da es diesen Beruf in Dresden vor der Wende nicht gab, gibt es auch entsprechend wenig Meister“, erklärt Uta Poll. 2005 bildete die SBG mit ihrer Meisterin Ines Keil selbst noch 60 Hauswirtschafter im Jahr aus. Für den Bereich Hauswirtschaft hat die SBG sogar eine eigene Außenstelle am Käthe-Kollwitz-Ufer. „Dort absolvieren die Auszubildenden den praktischen Teil. Hier finden Hochzeiten, Tagungen und viele andere Veranstaltungen statt. Übernachtet werden kann hier auch“, erklärt Ines Klein.

Sie betreut momentan aber nur noch zwei Lehrlinge in ihrem Gästehaus. Das liegt laut der Hauswirtschafts-Meisterin auch am negativen Image des Berufes in Ostdeutschland. „Viele haben Angst, nur eine bessere Putze zu sein. Das ist natürlich absoluter Schwachsinn. Hauswirtschafter ist ein spannender und vielfältiger Beruf mit einer sehr guten Zukunftsperspektive“, erklärt Ines Klein. Die SBG kämpft nun schon seit Jahren um die Verbesserung der Ausbildungssituation – und landete kürzlich zumindest einen kleinen Teilerfolg. Unternehmen ist es nun mit einer sogenannten widerruflichen Ausbildungsgenehmigung erlaubt, Hauswirtschafter auch ohne Meister auszubilden. Zudem ging die SBG in diesem Jahr eine Kooperation mit den Hotels IBIS und Westin Bellevue, sowie der Hauswirtschaftsagentur „Wirbelwind“ ein, um wieder Ausbildungsplätze zu schaffen. „Die ersten Bewerbungen sind bereits eingegangen. Wir hoffen, zumindest einige Jugendliche für diesen Beruf begeistern zu können“, so Uta Poll.

Von Sebastian Burkhardt

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