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Dresden: Senioren pirschen sich an eBücher heran

Dresden: Senioren pirschen sich an eBücher heran

Die Dresdner eBibo steuert auf einen neuen Ausleihrekord zu: Luden sich die Leser in der Internetfiliale der Städtischen Bibliotheken im Jahr 2011 etwa 37 200 eBücher und andere elektronische Medien herunter, waren es im Folgejahr bereits rund 60 600 Ausleihen - "und in diesem Jahr werden es noch mehr", sagt eBibo-Chef Marcus Rahm: Im ersten Halbjahr 2013 habe man bereits 41 182 digitale Ausleihen verbucht.

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Elektronik-Experte Mario Gaitzsch erklärt der 90-jährigen Senta Berger, wie das Lesegerät zum Laufen gebracht werden kann. Ganz ohne Computer geht es denn leider doch nicht.

Quelle: Christian Juppe

Und zunehmend interessieren sich Senioren für eBooks - das hat der Andrang während der ersten "eBibo-Sprechstunde" am Mittwochabend gezeigt.

"Ich hab das bei Thalia gekauft. Da stand drauf, dass man gar keinen Computer braucht, um damit Bücher zu lesen - aber das klappt irgendwie nicht so richtig." Senta Gruner ist 90 und eine der ersten, die den runden Tisch mit dem "eBibo-Sprechstunde"-Plakat in der Dresdner Hauptbibliothek umzingeln. Während die betagte Leserin ihren funkelnagelneuen "Tolino"-eReader auspackt, schwant dem eBibo-Experten Mario Gaitzsch schon: Wieder mal das leidige "Adobe ID"-Problem. Geduldig versucht er der Seniorin zu erläutern, dass auch Leih-eBücher von den Verlagen mit einem Kopierschutz versehen werden. "Das Beste wird sein, wenn Sie das über den Computer von ihrer Tochter erst mal einrichten, dann können sie die Bücher auch auf ihren Tolino übertragen", sagt Gaitzsch nach einigem Hin und Her.

"Dass das alles so kompliziert ist, hab ich ja nicht geahnt", murmelt die Rentnerin. "Dass war so eine Augenblicksentscheidung, wissen Sie? Zu Hause ein paar Bibliotheksbücher mit so einem kleinen Gerät ausleihen, mit dem man selbst im Dunkeln lesen kann, wie hier steht - das würde mir schon gefallen-"

Nebenan packt Bernd Heller derweil zielstrebig seinen Laptop und sein eBuch-Lesegerät aus. Der 73-jährige Dresdner hat sich bereits etwas in die Materie eingearbeitet. "Ich habe mir die Adobe Digital Edition schon runtergeladen", versichert er. "Aber Bücher zu laden, hat nur zweimal funktioniert - jetzt klappt das nicht mehr." Etwa 20 Minuten Mausklickerei später hat eBibo-Mitarbeiter Stefan Ettrich das Problem in den Griff bekommen - und wieder war der leidige Kopierschutz über die "Adobe ID" die Wurzel des Übels.

Weil solche und andere Probleme per Hilfe-Telefon oft nicht so einfach lösbar sind, hat Rahm die neue eBibo-Sprechstunde eingeführt, die künftig jeden letzten Mittwoch im Monat, jeweils von 17 bis 19 Uhr, in der Dresdner Hauptbibliothek angeboten wird. Dort können eBuch-begierige Rentner, aber auch andere Hilfesuchende gleich ihre iPads, eReader oder anderen Gerätschaften mitbringen, um alle Probleme vom Fachmann vor Ort klären zu lassen.

Endlich ist auch Stevensons "Schatzinsel" von der eBibo auf dem eReader gelandet und Bernd Hellers Gesichts hellt sich auf. "Hoffentlich zerwürge ich das nicht daheim wieder. Aber dann komm ich eben noch mal vorbei", bedankt er sich bei seinem Helfer - und zieht von dannen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.08.2013

Heiko Weckbrodt

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