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Die Sterne im Blick - TU Dresden betreibt auf Triebenberg kleines Observatorium

Die Sterne im Blick - TU Dresden betreibt auf Triebenberg kleines Observatorium

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten.

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten. Diesmal besuchen wir das Lohrmann-Observatorium der TU Dresden auf dem Triebenberg.

Von Christoph Stephan

Die Sterne beobachten an einem der einsamsten Plätze Dresdens: Das klingt wie der Traum eines ambitionierten Romantikers. Für Enrico Gerlach ist das Realität. Denn hoch oben auf dem abgeschiedenen Triebenberg im Schönfelder Hochland betreibt die TU Dresden seit fünf Jahren eine eigene Sternwarte. Und Gerlach als Mitarbeiter der Professur für Astronomie ist dafür verantwortlich.

"Es ist sehr ruhig hier, ich habe sogar schon oft Rehe beobachtet", erzählt er, während sich unser Auto durch immer kleinere Straßen kämpft. Die letzten paar Meter vom Parkplatz zum Lohrmann-Observatorium, wie die Sternwarte mit offiziellen Namen heißt, stapfen wir zu Fuß durch hohen Schnee. Geräumt wird so weit oben auf dem Triebenberg nicht.

Während das Observatorium von außen wie eine unscheinbare Hütte wirkt, steckt es im Inneren voller moderner Technik. Es gibt gleich mehrere PCs, Verbindungen zu internationalen Astronomie-Datenbanken und natürlich in einem Extra-Raum das eigentliche Schmuckstück, ein etwa 500 000 Euro teures Spiegelteleskop. "Mit einer Öffnung von 60 und einer Brennweite von 240 Zentimetern ist das Gerät ideal, um sowohl sehr weit entfernte als auch sehr kleine Objekte im All zu beobachten", erklärt Gerlach.

Vorrangig nutzt er das Teleskop, um zusammen mit seinen Studenten Asteroiden aufzuspüren. Experten schätzen, dass tausende solcher Kleinplaneten um die Sonne kreisen. Deshalb beobachten auf der ganzen Welt zahlreiche Astronomen wie Enrico Gerlach einzelne dieser Asteroiden und melden die Daten via Internet an das "Minor Planet Center" der Harvard-Universität in Boston, wo die Umlaufbahnen der Himmelskörper berechnet werden. "Ziel ist es, frühzeitig zu erkennen, welche Asteroiden der Erde theoretisch gefährlich werden könnten", betont Gerlach. Die Folgen eines solchen Einschlags hat ja Ende der 1990er Jahre der Hollywood-Katastrophenfilm "Deep Impact" in eindrucksvollen Bildern vor Augen geführt.

Enrico Gerlach kann das Spiegelteleskop per Computer steuern, auch das Dach der Sternwarte lässt sich per Knopfdruck öffnen. Die fertigen Bilder erscheinen dann in Sekundenschnelle auf einem Monitor, denn das Teleskop verfügt über eine hochempfindliche astronomische CCD-Kamera. "Das Licht der Sterne und der Asteroiden trifft zunächst auf den großen Hauptspiegel, wird von diesem reflektiert und trifft dann auf einen kleineren Spiegel. Der wiederum ist so konstruiert, dass er das Licht seitlich zum CCD-Chip der Kamera herauslenkt", beschreibt Gerlach. Dieses Signal verarbeitet dann am Ende der Computer, immerhin stolze 4000 mal 4000 Pixel.

Mit den fertigen Aufnahmen können Laien allerdings herzlich wenig anfangen, denn klassische Sternbilder sind darauf nicht zu sehen. Stattdessen ein Wirrwarr aus vielen kleinen Punkten. Einer dieser Punkte sticht allerdings heraus, strahlt viel stärker als die anderen. Vielleicht die Venus? "Nein", schmunzelt Gerlach. "Das ist ein heller Stern, den wir bei guter Sicht auch mit bloßem Auge erkennen würden. Die anderen dagegen macht nur das Teleskop sichtbar." Dies erklärt, warum man auf dem Bild bekannte Sternbilder wie Orion und den Großen Wagen vergeblich sucht. Denn der Ausschnitt des Teleskops umfasst gerade einmal eine Fläche von der des Vollmonds - Sternbilder setzen sich aus einem Vielfachen davon zusammen. Wesentlich beeindruckender ist es, wenn Enrico Gerlach mit Hilfe des Spiegelteleskops versteckte Details auf den Monitor "zaubert", etwa den bekannten Pferdekopf-Nebel - eine Gas- und Staubwolke in Form eines Seepferdchens - etwa 1500 Lichtjahre entfernt.

Gerlach ist in der Regel einmal pro Woche im Lohrmann-Observatorium. Für den Fall, dass er vor lauter Sternen einmal die Zeit vergisst, gibt es eine kleine Küche, eine Kaffeemaschine und sogar ein Bett. Ob hier nicht doch Romantiker ein klein wenig ihre Finger mit im Spiel hatten?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2012

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