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Die Sprachheilschule in Dresden wird 60 Jahre alt

Die Sprachheilschule in Dresden wird 60 Jahre alt

Wenn das kein freundlicher Empfang ist: "Hallo, meine Lieben", begrüßt ein lustiger Metallaufsteller die Kinder am Eingang zur top sanierten Sprachheilschule an der Fischhausstraße.

Von Katrin Richter

Und wenn sich die Kleinen nachmittags auf den Heimweg machen, werden sie von einem weiteren metallenen Kameraden mit den Worten: "Tschüss bis morgen!" verabschiedet.

60 Jahre besteht die Sprachheilschule - das heutige Förderzentrum Sprache - in diesem Jahr. Am kommenden Montag beginnt die Festwoche, und am Freitag zwischen 14 und 16 Uhr sind auch ehemalige Schüler zur Festveranstaltung eingeladen.

"Angefangen hat alles 1952 auf der Junghansstraße in Gruna mit vier Klassen und vier Lehrern", berichtet Schulleiter Uwe Hempel, der die Einrichtung seit 20 Jahren leitet. Später sei die Schule im Landhaus im heutigen Stadtmuseum untergebracht gewesen, dann an die Maxim-Gorki-Straße und schließlich in die Fischhausstraße gezogen. "Anfangs nahm die damalige Bezirkssprachheilschule Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse auf", sagt Hempel. Ab 1966 seien die Oberklassen schrittweise abgebaut worden.

Heute lernen im Förderzentrum sechs 1. Klassen mit je zwölf Schülern, weitere 90 Zweitklässler, acht 3. Klassen und vier 4. Klassen. Hinzu kommen je eine 5. und 6. Klasse. Vier Außenstellen gibt es - an drei Grundschulen in Gorbitz, Prohlis und Blasewitz und der 36. Mittelschule für die 5. und 6. Klassen. Insgesamt besuchen 310 Kinder die Schule. Weitere 160 Schüler werden in Einzelintegration an Gymnasien, Grund- und Mittelschulen betreut.

Komplett verändert haben sich im Laufe der Jahre die Sprachauffälligkeiten, deretwegen die Kinder nicht an einer herkömmlichen Grundschule lernen können. "Während in den 1950er Jahren noch 70 Prozent Stotterer in der Sprachheilschule saßen, sind es heute nur noch fünf Prozent", erklärt der Schulleiter. Er verzeichnet deutlich mehr sprachgestörte Schüler als vor 20 Jahren. Hauptursache sei die veränderte Umwelt, in der die Kinder aufwachsen. "Früher gab es Rituale wie das gemeinsame Essen, heute vereinsamen viele Kinder vorm Fernseher und Computer", sagt Hempel.

Dennoch besuchen heute 40 Schüler weniger das Förderzentrum als noch vor vier Jahren. Das hat Gründe: Projekte wie die Bundesinitiative "Frühe Chancen" zeigen offenbar Wirkung. Zwischen 2011 und 2014 stehen an weit über 20 Dresdner Kitas Sprachberater den Erzieherinnen zur Seite. "Die Frage ist, wie Erwachsene die Sprache der Kinder fördern", erklärt Hempel. Es sei beispielsweise wichtig, die Kinder nicht immer wieder zu verbessern, sondern sie stattdessen zum Sprechen zu ermutigen, ihnen Angebote zu machen.

Im Gegensatz zu DDR-Zeiten ist das Förderzentrum Sprache heute eine Durchgangsschule. "Die Kinder bleiben bei uns im Schnitt nur zwei bis zweieinhalb Jahre", erklärt Hempel. Ziel sei immer, ihr Handycap so weit in den Griff zu bekommen, dass sie wieder in die Grundschule zurückkehrten können. Das allerdings dürfte gar nicht so leicht fallen angesichts der optimalen Bedingungen, die die Kinder an der Fischhausstraße vorfinden. Immerhin sind Schulgebäude, Hort, Heim und Turnhalle bis vor drei Jahren für 20 Millionen Euro saniert worden. Und außerdem steht ja auf dem silbernen Aufsteller: "Tschüss bis morgen".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.10.2012

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